Betreiber Vattenfall wehrt sich
Umweltminister will AKW Brunsbüttel früher abschalten

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will das Atomkraftwerk Brunsbüttel wegen möglicher Sicherheitsmängel früher als geplant stilllegen. Betreiber Vattenfall sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und schießt zurück.

HB BERLIN. „Es ist sinnvoll, solche Altanlagen früher vom Netz zu nehmen. Das Atomgesetz ermöglicht, die Reststrommenge auf jüngere Anlagen zu übertragen“, sagte der SPD-Politiker der Berliner „tageszeitung“ (Montagausgabe) einer Vorabmeldung zufolge. Brunsbüttel sei ein Kraftwerk, das nicht so sicher sei wie neuere Anlagen.

Nach der Vereinbarung zum Atomausstieg soll das AKW an der Elbmündung im Jahr 2009 abgeschaltet werden. Die Behörden waren aber auf Brunsbüttel nach einem Störfall im schwedischen Kraftwerk Forsmark aufmerksam geworden. Nach Gabriels Einschätzung könnte in dem deutschen Meiler ein ähnliches Problem auftreten. Der Minister hatte dem Betreiber Vattenfall eine Frist bis zum Montag gesetzt, um Nachweise zur Notstromversorgung zu bringen. Diese war in Schweden nach einem Stromausfall erst verspätet angesprungen; dadurch wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen.

Mit Verweis auf Forsmark kritisierte Gabriel in dem Interview die deutsche Atomindustrie: „Die Betreiber erklären ständig, das kann bei uns gar nicht passieren – und dann passiert eben doch etwas. Ich finde das angesichts des Schadensrisikos, das wir bei der Atomenergie haben, auf Dauer nicht vertretbar.“

Vattenfall schießt zurück

Kraftwerksbetreiber Vattenfall sieht sich „zu Unrecht an den Pranger gestellt“, wie Bruno Thomauske, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (VENE), dem Handelsblatt sagte. Es dränge sich der Eindruck auf, dass Bundesumweltminister Gabriel die aktuelle sicherheitstechnische Auseinandersetzung nutze, „um Brunsbüttel sicherheitstechnisch zu diskreditieren, um auf diesem Umweg eine Laufzeitverlängerung zu erschweren“.

Nach Darstellung Thomauskes hat Brunsbüttel „eine gesicherte Notstromversorgung für alle Eventualfälle“. Entsprechende Dokumente werde man dem Ministerium vorlegen. Zudem habe Brunsbüttel ein unabhängiges komplettes Notstandssystem – anders als in Forsmark und anders als in anderen deutschen Anlagen.„ Deshalb ist Brunsbüttel hier sogar besonders gut ausgestattet“, fügte Thomauske hinzu.

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