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Betroffener von der Keupstraße: „Der Prozess beginnt mit einer Verfehlung“

exklusivMitat Özdemir lebt an der Keupstraße in Köln. Dort explodierte 2004 eine Nagelbombe. Es gab viele Verletzte – und viele Verdächtigungen. Bis das Neonazi-Trio aus dem Untergrund auftauchte. Trotzdem sind Fragen offen.

Mitat Özdemir engagiert sich für die Keupstraße in Köln. Quelle: picture alliance / dpadpa/Oliver Berg
Mitat Özdemir engagiert sich für die Keupstraße in Köln. Quelle: picture alliance / dpadpa/Oliver Berg

KölnAn der Keupstraße in Köln ist der Anschlag vom 9. Juni 2004 noch längst nicht verarbeitet. 22 Menschen verletzte die Nagelbombe, die auf einem Fahrrad deponiert war, damals. Für noch größere Wunden sorgten die Monate danach, als die Fahnder vor allem in der türkischen Nachbarschaft nach dem Täter suchten. Mittlerweile wird die Tat dem Zwickauer Neonazi-Trio zugerechnet, von dem nur Beate Zschäpe noch am Leben ist. Jetzt beginnt der Prozess gegen sie. Mitat Özdemir wird den Verlauf wie viele seiner Landsleute genau verfolgen. Er lebt an der Keupstraße, ist Vorsitzender der örtlichen Interessengemeinschaft. Er will hofft auf ein gerechtes Urteil, will mehr über mögliche Helfer erfahren und wirbt für mehr Miteinander unter den Kulturen.

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Heute beginnt der Prozess gegen das NSU-Trio. Die Vorberichterstattung hat sich aber vor allem das Theater um die Presseplätze gedreht. Verwundert?

Mitat Özdemir: Verärgert! Es ist sehr bedauerlich und nicht akzeptabel, dass es diese Störung gegeben hat. Die ganze Geschichte mit der Verteilung der Presseplätze ist überhaupt nicht schön. Auch wenn das noch in Ordnung gebracht wurde und nun auch türkische Medien vertreten sind. Es bleibt dabei: Der Prozess beginnt mit einer Verfehlung.

Bei der Verlosung der Plätze wurden Medien aus der Türkei vier Plätze zugesichert. In den Gerichtssaal dürfen nun Journalisten der Zeitungen Sabah, Hürriyet, Evrensel sowie der Nachrichtensender Al Jazeera. Auch die Nachrichtenagentur Ihlas Haber Ajansi hat einen Platz sicher. Sind ihre Landsleute damit gut vertreten?

Für die Menschen in der Türkei ist es ungemein wichtig, dass es eine störungsfreie Berichterstattung gibt. Sie müssen aus erster Hand erfahren, was in Deutschland passiert ist. Das Kabinett in Ankara interessiert sich sehr für den Fall, aber auch viele Bürger. Es gibt Bewohner Anatoliens, die kennen Deutschland kaum, aber die haben davon gehört, dass dort Landsleute von ihnen erschossen worden. Natürlich fragen sie sich da: Was ist da passiert, was ist los in Deutschland?

Fragen, die das Gericht beantworten kann?

Das Gericht kann zumindest die Sachverhalte sortieren. Ich hoffe, dass in dem Prozess die Wahrheit herauskommt und es ein gerechtes Urteil gibt.

Sind auch Betroffene von der Keupstraße in München vertreten?

Bei dem Nagelbombenanschlag wurden 22 Menschen verletzt – einige sind in dem Prozess Nebenkläger.

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