Betrugsverdacht gegen Botschaftsmitarbeiter
Visa im Angebot

Das Auswärtige Amt steht möglicherweise vor einer neuen Visa-Affäre. Es besteht der Verdacht, dass Botschafts-Mitarbeiter unrechtmäßig Einreise-Erlaubnisse erteilten und dafür Schmiergelder kassierten. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet.
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HB BERLIN. Mitarbeiter mehrerer deutscher Botschaften stehen im Verdacht, Hunderte erschlichener Visa ausgestellt und dafür Schmiergelder kassiert zu haben. Das Auswärtige Amt bestätigte in Teilen einen Vorabbericht des "Spiegel", nach dem die Staatsanwaltschaft Berlin dazu Ermittlungen eingeleitet hat. Eine Ministeriumssprecherin sagte am Samstag, es gehe um "Verdachtsfälle von Unregelmäßigkeiten, Missbräuchen und Korruptionsfällen in Visa-Stellen". Diese sollten lückenlos aufgeklärt werden. Das Auswärtige Amt arbeite dazu eng mit der Bundespolizei und der Berliner Staatsanwaltschaft zusammen. Zu Einzelheiten wollte die Sprecherin keine Stellung nehmen.

Dem Magazinbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft in acht Tatkomplexen wegen des Verdachts der bandenmäßigen Schleusung und Bestechlichkeit. Betroffen seien deutsche Vertretungen in Afrika, Südamerika sowie in ehemaligen Staaten der Sowjetunion. Bei den Beschuldigten handele es sich um Mitarbeiter in den Konsularabteilungen, die aus dem jeweiligen Land stammten. Sie stünden im Verdacht, zumindest in den vergangenen zwei Jahren systematisch Visa für die Einreise nach Deutschland erteilt zu haben, die auf offensichtlich falschen Angaben basierten.

Die Antragsteller hätten neben den normalen Gebühren an die Mitarbeiter pro Visum mehrere hundert Euro in bar bezahlt, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf die Staatsanwälte. Für einige der auf diesem Wege eingereisten Ausländer habe die Reise in Hamburger Bordellen geendet. Die Ermittler hätten derzeit keine Hinweise, dass deutsche Botschaftsangehörige in die illegalen Praktiken verwickelt seien. Allerdings säßen die Auftraggeber für die Schleusungen wohl in Deutschland.

Die Außenamtssprecherin sagte, einige Verdachtsfälle hätten sich bereits bestätigt. In diesen Fällen seien die verantwortlichen lokalen Mitarbeiter umgehend gekündigt worden.

2004 war im Rahmen eines Schleuserprozesses eine ähnliche Praxis an deutschen Botschaften aufgeflogen. Im Zentrum stand damals die deutsche Botschaft in der Ukraine, die mehrere tausend erschlichene Visa erteilt hatte. Die Visa-Affäre brachte auch den damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) unter Druck.

Kommentare zu " Betrugsverdacht gegen Botschaftsmitarbeiter: Visa im Angebot"

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  • Da wird ein gewaltiger Sicherheitsaufstand betrieben und Westerwelle sein Apparat lässt Nutten
    und vermutlich auch Terroristen, gegen cash nach Deutschland einreisen. Wie Fischer klammert sich auch Westerwelle an seine Posten bis man was findet, dass einen noch mehr Mammon einbringt.Die ganze Terrorabwehr wird zur Commedy für Al KAiDA in ihren Höhlen.

  • Völlig normal für diese bananenrepublik. Es wird weder eine Verfolgung noch eine Verurteilung geben. Die Legislative, Exekutive und Judikative stecken tief im bananensumpf. "Rechtsstaat" ist nur noch eine Worthülse, die mit bananen gefüllt ist!

  • Für was haben wir in den Konsulaten hochbezahlte Konsule/beamte? Schlafen die den ganzen Tag? Natürlich haben die von absolut nichts gewußt und hatten auch überhaupt keine Möglichkeit dies zu kontrollieren. Dort gehören auch die privaten (!) Konten geprüft, wie das bei Großverdienern in Deutschland bereits üblich ist!

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