Betrugsverdacht
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ärzte

Wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug hat die Staatsanwaltschaft Aachen Ermittlungen gegen 480 Ärzte aus ganz Deutschland eingeleitet. Sie sollen von der Pharmaindustrie unerlaubte Geschenke erhalten haben.

BERLIN. Den Ärzten wird vorgeworfen, für Medikamentenstudien vom Pharmaunternehmen Trommsdorff aus Alsdorf bei Aachen Geschenke bekommen zu haben, ohne sie den Krankenkassen oder der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung zu melden, bestätigte Oberstaatsanwalt Robert Deller entsprechende Berichte des "Spiegel" und der "Bild"-Zeitung.

Es geht um sogenannte Anwendungsstudien, bei denen Pharmaunternehmen Ärzten eine Vergütung dafür zahlen, dass sie über die Erfahrungen der Patienten mit ihren Medikamenten berichten. Ziel ist es dabei oft, Nebenwirkungen, die bei der klinischen Prüfung der Medikamente nicht entdeckt wurden, aufzudecken. Grundsätzlich sind die Studien erlaubt. Sie müssen aber gemeldet werden. Außerdem darf die Vergütung nicht so hoch sein, dass der Verdacht entsteht, der Arzt solle durch die Studie nur dafür belohnt werden, dass er das entsprechende Medikament besonders häufig verordnet.

Beide Voraussetzungen waren offenbar im Fall der 480 Ärzte nicht gegeben. Die Kassen wurden nicht informiert. Auch die Vergütungen fielen zum Teil besonders üppig aus. Abhängig von der Anzahl der Patienten sollen die Ärzte beispielsweise Flachbildschirme, Laptops oder Kaffee-Automaten erhalten haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt daher auch gegen Mitarbeiter des Pharmaunternehmens. Die ersten zehn Verfahren gegen Pharmareferenten von Trommsdorff sollen bereits gegen eine Geldbuße eingestellt worden sein. Laut Deller sind bislang noch nicht alle Unterlagen ausgewertet, so dass sich die Zahl der Ermittlungen noch erhöhen könnte.

Der Fall Trommsdorff ist kein Einzelfall: Seit 2005 ermittelt die Staatsanwalt gegen Mitarbeiter des Herstellers Ratiopharm und inzwischen 2800 Ärzte. Das Unternehmen wird beschuldigt, die Ärzte mit Sach- und Geldgeschenken dazu bewegt zu haben, Produkte von Ratiopharm zu verordnen.

Ende Juni wurden bereits zwei Ärzte verurteilt, weil sie von Mai 2002 bis September 2005 Schecks über zusammen 19 180 Euro erhalten und diese Beträge der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg verschwiegen hatten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%