Bevorstehende Steuerschätzung
Grunderwerbsteuer bricht drastisch ein

Den Bundesländern steht nach den vergangenen fetten Jahren nun ein eher mageres ins Haus – zumindest, was die Einkünfte durch die Grunderwerbsteuer betrifft. Die Finanzkrise ist dabei nur einer der Gründe, die für Löcher in den Kasse sorgen: Experten diagnostizieren auch ein Standortproblem.

DÜSSELDORF. Den Ländern droht bei der Steuerschätzung Anfang Mai eine böse Überraschung. Der Boom der Grunderwerbsteuer dürfte ein jähes Ende haben. „Das Aufkommen wird drastisch sinken“, prophezeit der Finanzexperte des Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss. Er rechnet für 2008 nur noch mit einem Aufkommen von 5,65 Mrd. Euro. „Das wären 1,3 Mrd. Euro weniger als letztes Jahr“, sagte Boss dem Handelsblatt.

Das den Ländern zustehende Grunderwerbsteueraufkommen war in den vergangenen Jahren überraschend in die Höhe geschnellt. Hatte die Steuer 2004 noch 4,67 Mrd. Euro in die Länderkassen gespült, waren es 2007 fast sieben Mrd. Euro. Seit Anfang dieses Jahres hinterlässt die Finanzmarktkrise aber deutliche Spuren. So sank das Grunderwerbsteueraufkommen im ersten Quartal um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In Hamburg fehlte sogar ein Drittel der Vorjahreseinnahmen.

Offenbar hätten Ausländer 2007 verstärkt in Deutschland Wohnungen gekauft, sagte Steuerschätzer Boss. Der kräftige Anstieg der Immobilienpreise in vielen Ländern habe deutsche Wohnungen für Investoren attraktiv gemacht. Außerdem habe es eine hohe Bereitschaft der öffentlichen Hand gegeben, Wohnungsbestände abzustoßen. „Grund war die desolate Finanzlage vieler Gemeinden“, sagte Boss.

So verkaufte Dresden 2006 auf einen Schlag seinen gesamten Immobilienbestand an den US-Fonds Fortress für 1,7 Mrd. Euro. Nach Ansicht von Boss ist die Attraktivität deutscher Immobilien in den vergangenen Monaten drastisch gesunken. Einerseits hätten sie sich durch die Euro-Aufwertung für US-Investoren verteuert. Gleichzeitig fielen die Immobilienpreise in vielen anderen Ländern, so dass der Anreiz sinke, in Deutschland zu kaufen. Zudem habe die Finanzmarktkrise Immobilienkredite verteuert.

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