Bezüge
Renten steigen im Osten stärker als im Westen

2013 fällt die Rentensteigerung im Osten 13 mal höher aus als im Westen. Der Osten holt auf, hat das Westniveau damit aber immer noch nicht erreicht. Eine Studie zeigt: Die Deutschen sorgen zu wenig vor fürs Alter.
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Die Renten steigen in diesem Jahr im Osten deutlich stärker als im Westen. Für die rund vier Millionen ostdeutschen Rentner gibt es zur Jahresmitte eine Erhöhung um 3,29 Prozent. Die etwa 16 Millionen Ruheständler im Westen Deutschlands müssen sich mit einem Mini-Aufschlag von 0,25 Prozent begnügen. Die Zahlen gab das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch in Berlin bekannt. Die Differenz fällt sehr viel deutlicher als erwartet aus.

Als Gründe dafür nennt das Ministerium den deutlich stärkeren Anstieg der Löhne 2012 im Osten. Zudem wurde die Rentenanhebung im Westen noch zusätzlich durch einen Abschlag im Zusammenhang mit der Rentengarantie gedämpft.

Die Erhöhung führt bei einer Monatsrente von 800 Euro im Westen zu einem Aufschlag von 2 Euro, im Osten von 26,32 Euro. Bei einer Rente von 1200 Euro beträgt das Plus 3 gegen 39,48 Euro.

Im vergangenen Jahr gab es für die Rentner im Westen eine Erhöhung um 2,18 Prozent, im Osten um 2,26 Prozent. Einen Rentenaufschlag in ähnlicher Größenordnung gab es zuletzt für die Ostrentner mit 3,38 Prozent im Jahr 2009. Ostrentner sind jene Ruheständler, die im Gebiet der neuen Bundesländer und Ost-Berlins beschäftigt waren.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, die für die Anpassung ausschlaggebende Lohnentwicklung sei im Osten „merklich höher“ als im Westen ausgefallen. Sie freue sich deshalb für die ostdeutschen Rentnerinnen und Rentner, „dass sie beim Rentenwert nun so deutlich aufholen können“. Im Westen zeichne sich nach vorläufigen Daten für das nächste Jahr „wieder ein spürbares Plus ab“.

Die Rentenanpassung wurde auf der Basis der Lohnentwicklung im vergangenen Jahr berechnet. Den Angaben des Ministeriums zufolge lag die Lohnsteigerung im Westen bei 1,5 Prozent und bei 4,32 Prozent in den neuen Ländern. Die Entwicklung im Westen wird damit erklärt, dass dort die zur gesetzlichen Rentenversicherung beitragspflichtigen Entgelte schwächer gestiegen sind als in den neuen Ländern.

Die Rentengarantie, die im Westen die Erhöhung diesmal zusätzlich dämpfte, nannte die Ministerin „goldrichtig, denn sie hat die Renten der älteren Generation in der Krise geschützt und die deutsche Wirtschaft in schwierigster Lage stabil gehalten“. Die Regierung stehe „zum Versprechen an die junge Generation, dass sie die Kosten nicht alleine tragen muss“.

Die Rentengarantie verhinderte trotz der negativen Lohnentwicklung eine Rentenkürzung im Jahr 2010. Die Renten fielen dadurch rechnerisch zu hoch aus, im Westen mehr als im Osten. Dieser Überhang wurde im Westen nun mit der Erhöhung teilweise verrechnet. Im Osten war dies bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen.

38 Millionen Menschen in Deutschland sorgen nach einer Studie nicht ausreichend für ihr Alter vor - also etwa jeder zweite Bundesbürger. Die staatliche Altersversorgung alleine reiche bei weitem nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand fortzuführen, sagte Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg am Mittwoch in Frankfurt.

„Verlassen sich die 38 Millionen Arbeitnehmer lediglich auf die staatliche Altersversorgung, fehlen ihnen nach heutiger Kaufkraft im Schnitt 800 Euro pro Monat.“ Hingegen könnten die 16,6 Millionen Menschen, die in Form von Riester-Rente oder betrieblicher Vorsorge zusätzlich privat für ihr Alter sparten, im Durchschnitt ihre Rentenlücke schließen. Das geht aus der Studie „Vorsorgeatlas Deutschland“ hervor, die das Forschungszentrum im Auftrag von Union Investment erstellt hat.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Hier muss doch wohl eher von der verfassungsfeindlichen und unmoralischen Schlechterstellung der Ostrentner über die letzten 23 Jahre geredet werden... Es braucht noch eine ganze Reihe dieser 3%- Erhöhungen, damit die niedrige Ostrente sich irgendwann mal im Jahr 2025 dem Westniveau annähert.

  • Ihre Rechnung der 13 fachen Erhöhung geht nicht auf.

    Im Beispiel eines durchschnittlichen Rentenversicherten mit 45 Beitragsjahren ergibt die Rentenerhöhung nach Abzug der GKV und der Pflegeversicherung ( 2012 1,95% ; 2013 2,05% ) eine Erhöhung West von 0,138% in Ost 3,176%.

    Ergo nicht das 13 fache, sondern das annähernd 23 fache !!

  • Für diese verfassungsfeindliche und moralische Schlechterstellung bzw Aussaugung werden die Westrentner sich im Herbst bedanken.
    Ursula von der Leiden und Mittäter sollten schon mal ihren Umzug in die Provinz planen.
    Übrigends: die Protestplakte aus GR und Zypern brauch wir auch bis dahin noch hier!

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