BfA will ihre Wohnungsbaugesellschaft verkaufen
Immobilienverkauf soll Rente sichern

Um die marode Finanzlage der Rentenversicherung zu stabilisieren, will die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) möglichst noch im nächsten Jahr ihre Wohnungsbaugesellschaft GAGFAH verkaufen. „Wir hoffen, dass das laufende Bieterverfahren bis Jahresende abgeschlossen ist“, erklärte BfA-Sprecher Rainer Helbing gestern auf Anfrage des Handelsblatts. „Wenn alles gut läuft, steht einer Veräußerung bis Ende 2004 nichts mehr im Wege.“

pt BERLIN. Der Verkauf der 1918 von Angestelltenverbänden in Berlin gegründeten Gesellschaft, die ihren Hauptsitz inzwischen in Essen hat, ist deshalb so dringlich, weil sich die Einnahmen der Rentenversicherung im kommenden Jahr weiter verschlechtern werden. „Durch die Absenkung der Schwankungsreserve von 50 auf 20 % einer Monatsausgabe wird die Rentenversicherung spätestens im Oktober nächsten Jahres ohne liquide Mittel dastehen. Dann wird der Finanzminister die Auszahlung der Renten übernehmen müssen“, warnt der Rentenexperte der Union, Andreas Storm.

Allein steht er mit dieser Meinung nicht. BfA-Sprecher Helbing verweist ebenfalls darauf, dass die Schwankungsreserve auch in diesem Jahr im Oktober um rund ein Fünftel unter dem für die Haushaltsplanung der Rentenversicherer maßgeblichen Stand am Jahresende liegt. Erschwerend komme hinzu, dass die GAGFAH längst im Etat der BfA unter der Rubrik liquide Mittel firmiere. Sie steht dort mit satten 1,6 Mrd. Euro zu Buche. Genau diese Summe, so Storm, werde den Rentenkassen voraussichtlich im nächsten Oktober fehlen.

Diese Zahl sei aber keinesfalls ein Orientierungspunkt für eventuelle Kaufgebote, fügt der Aufsichtsratsvorsitzende der GAGFAH und alternierende Vorsitzende der BfA, Christian Zahn, hinzu. Das Unternehmen sei weit mehr wert, meint er. „Die GAGFAH ist kein Ladenhüter, sondern ein Filetstück der deutschen Immobilienwirtschaft, das seinen Wert in den vergangenen Jahren trotz schwierigen Umfeldes immer weiter gesteigert hat.“

Von den rund 81 000 GAGFAH-eigenen Wohnungen liegen derzeit noch rund 25 % am schwierigen Standort Berlin. Der Gesamtbestand verteilt sich jedoch auf über 120 Städte im gesamten Bundesgebiet. Seit 1990 wurde der Wohnungsbestand stetig aufgestockt. Durch Zukäufe und Gründung von weiteren Töchterunternehmen hat sich die Gruppe mit ihren derzeit rund 1000 Beschäftigten seit 1990 verstärkt und, wie Zahn betont, erfolgreich auf Expansionskurs begeben. 2002 erzielte sie einen Jahresüberschuss in Höhe von 39,6 Mill. Euro nach 40, 6 Mill. Euro im Vorjahr.

„Ganz persönlich“ schmerzen die Verkaufspläne den Gewerkschafter deshalb. „Ein solches Juwel sollte man eigentlich überhaupt nicht abgeben“, meint das Verdi-Vorstandsmitglied. Unter Preis werde man es auf keinen Fall verkaufen, bekräftigt BfA-Sprecher Helbing. „Wir stehen nicht unter Verkaufsdruck“, fügt er hinzu und verweist vorsichtig darauf, dass die Auszahlung der Renten auf jeden Fall über die Bundesgarantie gesichert sei.

Mit dem Bieterverfahren hat die BfA die renommierte Privatbank Sal. Oppenheim beauftragt. Über mögliche Bieter schweigen sich derzeit noch alle Beteiligten aus. Beim letzten Bieterverfahren für die GAGFAH 1998 lagen rund ein Dutzend Übernahmeangebote vor. Das lukrativste Gebot unterbreitete der japanische Finanzkonzern Nomura mit rund 2,3 Mrd. Euro. Der Deal schlug fehl. Grund war der damalige Regierungswechsel. Er führte zu Verzögerungen bei der gesetzlich vorgeschriebenen Einwilligung in den Verkauf durch die neue Bundesregierung. Nomura sprang ab.

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