Big Data und die Folgen
Heiko Maas kämpft gegen Algorithmen

Erst vor wenigen Tagen hat der Bundestag das umstrittene Gesetz gegen Hass im Netz verabschiedet. Jetzt hat Justizminister Heiko Maas Algorithmen im Visier – die gut gehüteten Geheimnisse der Internetkonzerne.
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Berlin„Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, dieser Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), gefallen im vergangenen Jahr beim Tag der deutschen Industrie, hat viele Kritiker der Datensammelwut mancher Unternehmen alarmiert. Denn anders als die Kanzlerin befürchten sie, dass Big Data, die Auswertung großer Datenmengen, nicht mehr Vorteile, sondern eher viele Nachteile bringt.

Und in der Tat: Um den Kunden besser zu verstehen und konkurrenzfähig zu bleiben, setzen Unternehmen zunehmend auf das Sammeln, Verknüpfen und Auswerten mitunter persönlicher und sensibler Daten. Daraus werden Algorithmen entwickelt, mit deren Hilfe die Entscheidungen von Nutzern beeinflusst werden können. Dass damit nicht nur Chancen, sondern viele Risiken verbunden sind, hat die Politik schon vor Jahren erkannt, aber keinen echten Regulierungsbedarf gesehen. Das soll sich nun ändern.

Erste Ideen skizzierten die drei SPD-Bundesminister Brigitte Zypries (Wirtschaft), Andrea Nahles (Arbeit) und Heiko Maas (Justiz und Verbraucherschutz) vor wenigen Wochen in einem 80-seitigen Positionspapier zur Digitalpolitik. Darin geht es um die künftige Regulierung von Plattformen wie dem Fahrdienstleister Uber oder dem Übernachtungsvermittler Airbnb, um Verbraucherrechte in der digitalen Welt, um die Zukunft der Arbeit und Cybersicherheit.

In dem Papier wird auch der Einsatz von selbstlernenden Algorithmen thematisiert, etwa das mit dieser Technologie Menschen diskriminiert werden könnten. Vor allem dann, wenn Algorithmen Prognosen über menschliches Verhalten treffen, Entscheidungen beeinflussen oder sie vorbereiten. Deshalb regten die Minister schon damals eine Kontrollinstanz für Algorithmen an. „Wir werden deshalb Regulierungsansätze entwickeln, die es möglich machen, die Auswirkungen von bestimmten Algorithmen zu überprüfen“, heißt es in dem Papier.  „Ziel ist ein verlässlicher rechtlicher Ordnungsrahmen, der einen Korridor für Innovationen erhält, jedoch dem Einsatz von potenziell diskriminierenden Algorithmen auch regulatorische Grenzen setzt.“

Nach diesem ersten Aufschlag geht Bundesverbraucherminister Maas nun den nächsten Schritt und konkretisiert, wie er die Macht der Algorithmen künftig scharfen rechtlichen Vorgaben unterwerfen will. „Ich glaube, wir brauchen ein digitales AGG, ein Antidiskriminierungsgesetz für Algorithmen – gegen digitale Diskriminierung und für vorurteilsfreies Programmieren“, sagte Maas bei der Konferenz „Digitales Leben – Vernetzt. Vermessen. Verkauft? #Werte #Algorithmen #IoT“ am Montag in Berlin. Technischer Fortschritt dürfe nicht zu gesellschaftlichem Rückschritt führen, betonte der Minister. Deshalb sei ein rechtlicher Ordnungsrahmen notwendig, „der viel Raum für Innovationen bietet, aber den Einsatz von diskriminierenden Algorithmen verhindert“. Das Redemanuskript lag dem Handelsblatt vorab vor.

In seiner Grundsatzrede „Zusammenleben in der digitalen Gesellschaft“ begründete Maas seinen Vorstoß mit den unzähligen Daten, die inzwischen im Umlauf sind und teilweise für geschäftliche Zwecke genutzt würden. „Wenn diese Big Data digital ausgewertet werden, kann es schnell Gewinner und Verlierer geben“, sagte der Minister. Wenn etwa soziale oder wirtschaftliche Scoring-Verfahren eingesetzt würden, könne daraus eine „gefährlichen Gleichung“ werden, nach der positive Daten Vorteile und Teilhabe und negative Daten, Nachteile und Ausgrenzung bedeuteten. „Schon heute“, so Maas, „beeinflussen Algorithmen viele Entscheidungen – sowohl im Geschäftsleben als auch politisch und sozial.“

So würden der Preis eines Flugtickets, die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers oder der Zugang eines Kunden zu bestimmten Versicherungstarifen immer öfter individuell von Algorithmen bestimmt. „Und bei bestimmten Kundenhotlines werden angeblich nur noch Anrufer durchgestellt, die von einem Algorithmus als wohlhabend eingestuft werden“, erklärte der Minister.

Für „besonders gefährlich“ hält es Maas, wenn digitale Scoring-Verfahren nicht nur kommerzielle, sondern soziale oder politische Ziele verfolgen. Als Beispiel nannte er die USA. Dort würden Bewerbungen durch Algorithmen vorsortiert, und die Justiz lasse mancherorts sogar die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern von Algorithmen prognostizieren.

Kommentare zu " Big Data und die Folgen: Heiko Maas kämpft gegen Algorithmen"

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  • Die Algorithmen sind wie ein Spinnennetz genau wie das ganze Internet . Was Maas versucht ist so, als würde er den Pazifik mit dem Löffel umzuleiten um ihn zu kontrollieren . Nur Show , nur Wahlkampf.

    Als der Strom erfunden wurde, haben die Erfinder bis heute nicht sehen können was ihre Erfindung alles an Guten und Schlechten ausmachen wird. Das Ende ist nicht absehbar. Will Maas auch den Strom verbieten ?


    Also lieber Maas , was die Erfindung des Internets noch bringen wird , weiß niemand
    aber jeden Tag Überraschungen in die Jahrhunderte.

    Meiner Meinung nach komplett abstellen. Nur das hilft!

  • Korrektur

    Vertraut denn Niemand der schweigenden Mehrheit "unserer" Massenmedien?

  • Vertraut denn Niemand der schweigenden Mehrheit unseren Massenmedien?

    Wenn die keine Angst davor haben, Opfer irgendwelcher Algorithmen zu werden, dann wirken Bedenken oder gar Kritik von Kleinbürgerlichen doch irgendwie kleinkariert.

    Und das sage ich, der vom segensreichen Wirken der 4. Gewalt in diesem bildungsfreudigen Land mehr als überzeugt ist.

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