Big Data und die Folgen Heiko Maas kämpft gegen Algorithmen

Erst vor wenigen Tagen hat der Bundestag das umstrittene Gesetz gegen Hass im Netz verabschiedet. Jetzt hat Justizminister Heiko Maas Algorithmen im Visier – die gut gehüteten Geheimnisse der Internetkonzerne.
Update: 03.07.2017 - 11:08 Uhr 11 Kommentare
Der Ruf nach schärfere Regeln für die Netzwirtschaft wird lauter. Quelle: dpa
Digitalisierung.

Der Ruf nach schärfere Regeln für die Netzwirtschaft wird lauter.

(Foto: dpa)

Berlin„Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, dieser Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), gefallen im vergangenen Jahr beim Tag der deutschen Industrie, hat viele Kritiker der Datensammelwut mancher Unternehmen alarmiert. Denn anders als die Kanzlerin befürchten sie, dass Big Data, die Auswertung großer Datenmengen, nicht mehr Vorteile, sondern eher viele Nachteile bringt.

Und in der Tat: Um den Kunden besser zu verstehen und konkurrenzfähig zu bleiben, setzen Unternehmen zunehmend auf das Sammeln, Verknüpfen und Auswerten mitunter persönlicher und sensibler Daten. Daraus werden Algorithmen entwickelt, mit deren Hilfe die Entscheidungen von Nutzern beeinflusst werden können. Dass damit nicht nur Chancen, sondern viele Risiken verbunden sind, hat die Politik schon vor Jahren erkannt, aber keinen echten Regulierungsbedarf gesehen. Das soll sich nun ändern.

Erste Ideen skizzierten die drei SPD-Bundesminister Brigitte Zypries (Wirtschaft), Andrea Nahles (Arbeit) und Heiko Maas (Justiz und Verbraucherschutz) vor wenigen Wochen in einem 80-seitigen Positionspapier zur Digitalpolitik. Darin geht es um die künftige Regulierung von Plattformen wie dem Fahrdienstleister Uber oder dem Übernachtungsvermittler Airbnb, um Verbraucherrechte in der digitalen Welt, um die Zukunft der Arbeit und Cybersicherheit.

In dem Papier wird auch der Einsatz von selbstlernenden Algorithmen thematisiert, etwa das mit dieser Technologie Menschen diskriminiert werden könnten. Vor allem dann, wenn Algorithmen Prognosen über menschliches Verhalten treffen, Entscheidungen beeinflussen oder sie vorbereiten. Deshalb regten die Minister schon damals eine Kontrollinstanz für Algorithmen an. „Wir werden deshalb Regulierungsansätze entwickeln, die es möglich machen, die Auswirkungen von bestimmten Algorithmen zu überprüfen“, heißt es in dem Papier.  „Ziel ist ein verlässlicher rechtlicher Ordnungsrahmen, der einen Korridor für Innovationen erhält, jedoch dem Einsatz von potenziell diskriminierenden Algorithmen auch regulatorische Grenzen setzt.“

Nach diesem ersten Aufschlag geht Bundesverbraucherminister Maas nun den nächsten Schritt und konkretisiert, wie er die Macht der Algorithmen künftig scharfen rechtlichen Vorgaben unterwerfen will. „Ich glaube, wir brauchen ein digitales AGG, ein Antidiskriminierungsgesetz für Algorithmen – gegen digitale Diskriminierung und für vorurteilsfreies Programmieren“, sagte Maas bei der Konferenz „Digitales Leben – Vernetzt. Vermessen. Verkauft? #Werte #Algorithmen #IoT“ am Montag in Berlin. Technischer Fortschritt dürfe nicht zu gesellschaftlichem Rückschritt führen, betonte der Minister. Deshalb sei ein rechtlicher Ordnungsrahmen notwendig, „der viel Raum für Innovationen bietet, aber den Einsatz von diskriminierenden Algorithmen verhindert“. Das Redemanuskript lag dem Handelsblatt vorab vor.

In seiner Grundsatzrede „Zusammenleben in der digitalen Gesellschaft“ begründete Maas seinen Vorstoß mit den unzähligen Daten, die inzwischen im Umlauf sind und teilweise für geschäftliche Zwecke genutzt würden. „Wenn diese Big Data digital ausgewertet werden, kann es schnell Gewinner und Verlierer geben“, sagte der Minister. Wenn etwa soziale oder wirtschaftliche Scoring-Verfahren eingesetzt würden, könne daraus eine „gefährlichen Gleichung“ werden, nach der positive Daten Vorteile und Teilhabe und negative Daten, Nachteile und Ausgrenzung bedeuteten. „Schon heute“, so Maas, „beeinflussen Algorithmen viele Entscheidungen – sowohl im Geschäftsleben als auch politisch und sozial.“

So würden der Preis eines Flugtickets, die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers oder der Zugang eines Kunden zu bestimmten Versicherungstarifen immer öfter individuell von Algorithmen bestimmt. „Und bei bestimmten Kundenhotlines werden angeblich nur noch Anrufer durchgestellt, die von einem Algorithmus als wohlhabend eingestuft werden“, erklärte der Minister.

Für „besonders gefährlich“ hält es Maas, wenn digitale Scoring-Verfahren nicht nur kommerzielle, sondern soziale oder politische Ziele verfolgen. Als Beispiel nannte er die USA. Dort würden Bewerbungen durch Algorithmen vorsortiert, und die Justiz lasse mancherorts sogar die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern von Algorithmen prognostizieren.

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11 Kommentare zu "Big Data und die Folgen: Heiko Maas kämpft gegen Algorithmen"

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  • Die Algorithmen sind wie ein Spinnennetz genau wie das ganze Internet . Was Maas versucht ist so, als würde er den Pazifik mit dem Löffel umzuleiten um ihn zu kontrollieren . Nur Show , nur Wahlkampf.

    Als der Strom erfunden wurde, haben die Erfinder bis heute nicht sehen können was ihre Erfindung alles an Guten und Schlechten ausmachen wird. Das Ende ist nicht absehbar. Will Maas auch den Strom verbieten ?


    Also lieber Maas , was die Erfindung des Internets noch bringen wird , weiß niemand
    aber jeden Tag Überraschungen in die Jahrhunderte.

    Meiner Meinung nach komplett abstellen. Nur das hilft!

  • Korrektur

    Vertraut denn Niemand der schweigenden Mehrheit "unserer" Massenmedien?

  • Vertraut denn Niemand der schweigenden Mehrheit unseren Massenmedien?

    Wenn die keine Angst davor haben, Opfer irgendwelcher Algorithmen zu werden, dann wirken Bedenken oder gar Kritik von Kleinbürgerlichen doch irgendwie kleinkariert.

    Und das sage ich, der vom segensreichen Wirken der 4. Gewalt in diesem bildungsfreudigen Land mehr als überzeugt ist.

  • Der Justizminister ist auf der falschen Baustelle!!!!

  • Gut gelaunt in die neue Woche!
    Der Anfang vom Ende des Merkel-Regimes ist nämlich jetzt definitiv eingeläutet.
    Es ist nichts anderes als eine nicht mehr zu übertreffende Schande, dass in dem Land, das maßgeblich dazu beitrug, uns aus der schlimmsten Diktatur des letzten Jahrhunderts zu befreien - und dann mithalf, ein an die Freiheitsrechte der Bill of Rights angelehntes Grundgesetz zu installieren - in den letzten Tagen Artikel erschienen sind, die den Rückfall Deutschlands in schlimmste historische Zeiten dokumentieren:
    http://www.zerohedge.com/news/2017-07-01/gestapo-back-german-homes-raided-over-facebook-posts
    und
    http://www.zerohedge.com/news/2017-07-02/germany-passes-orwellian-anti-free-speech-facebook-law
    Da die Deutschen nicht fähig sind (heute wie damals), ein Unrechtsregime zum Teufel zu jagen, brauchen sie also mal wieder eine Befreiung von außen.
    Vielleicht wird es auch ähnlich ablaufen wie damals: die Amis kommen von Westen, die Russen von Osten. Mir egal, wer als Erstes von ihnen in Berlin ist: entscheidend ist, dass der Kanzleramts-(Führer-)Bunker eingenommen und das Regime untergeht. Leider wird es auch dieses Mal wieder etliche unschuldige Opfer in den Untergang mitnehmen. Auch aus diesem Grunde bin ich bald im Exil...


  • Hallo Herr Narrog,

    dies wäre natürlich möglich.

    Alle Stiftungen mit eingetragener - durch den Staat genehmigten - Zertifizierung könnten die Durchsetzung prüfen und somit den Algorithmus als "verlässlich" und "vertrauenswürdig" klassifizieren.

    Dann wird noch ein Vertrauens-Siegel oder -Logo eingeführt, dass einem direkt signalisiert, dass es sich z.B. bei dieser Werbung um eine geprüfte "neutrale" Werbung ohne jegliche Beeinflussung von Meinungen oder Interessen durch einen Algorithmus handelt. Somit wird direkt klar, dass ich mich nur informiere und nicht manipuliert werde. Besser geht es doch gar nicht, oder?

  • Hallo Herr Schlutz...rein spekulativ vermute ich, dass die Durchsetzung politisch korrekter Algorithmen dann privaten Stiftungen, beispielsweise einer Berliner Stiftung mit Ex-Stasi Mitarbeiterin übertragen wird.

  • Nachdem das Netzdurchsetzungsgesetz ein so großer Erfolg ist und mehr Raum zur Interpretation und Auslegung als ein literarisches Werk zulässt, sowie teilweise die Judikative an ein privates Unternehmen im Ausland überträgt, kommt das nächste Projekt im Eilverfahren?

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nach diesem Gesetz vermehrt Werbung zu Veranstaltungen und Projekten bestimmter Parteien lesen. Zum Glück beeinflusst solche Werbung nicht, da ich diese dann als "verlässlich einschätzen kann".

    Es sollte auch eine Steuer eingeführt werden, da eine Institution geschaffen werden muss, die den "Algorithmen-TÜV" finanziert und sich z.B. Netzneutralitäts-Algorithmus-Abgabe kurz: NNA-Abgabe nennt. Monatliche Abgabe pro Haushalt in Höhe von 15-20 EUR wären doch ganz angemessen.

    Der "Algorithmen-TÜV" wird dann durch das Innenministerium kontrolliert und anhand von halbjährlichen 374 Seiten langen Berichten der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, um möglichst transparent zu sein.

  • Der kleine Propagandaminister der SPD läuft immer mehr zur Hochform auf. Wenn dieser G?ppels-Nachfolger so weiter macht, dann sind auch zukünftige Wahlerfolge sicher.

  • Nein, er will die Algorithmen nur selber gerne nutzen. Zur Überwachung zum Beispiel.

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