Bilanzwächter wollen Standards angleichen
Modifizierte Bilanzregeln entlasten

Die Bundesregierung begrüßt die Klarstellung des International Accouting Standards Boards. Die Bilanzwächter wollen die europäischen Regeln an die US-Regeln angleichen. Die Bilanzen der Banken dürften dadurch erheblich entlastet werden.

BERLIN/FRANKFURT. Die Bundesregierung hat die Klarstellungen des International Accounting Standards Boards (IASB) begrüßt. Das Gremium ist verantwortlich für die Festlegung der Regeln nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS. Diese sind in der Finanzmarktkrise heftig unter Beschuss geraten, da sie für Finanzinstrumente eine Bewertung zum Zeitwert vorsehen. Dazu sollen nach Möglichkeit aktuelle Marktpreise herangezogen werden. Der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, sprach bereits vor Monaten von einem "Brandbeschleuniger". Da Marktwerte häufig nicht festgestellt werden könnten, drohe eine "Negativspirale". "Die Bilanzierung bestimmter Finanzinstrumente nach reinen Marktwerten weicht zunehmend von der tatsächlichen ökonomischen Werthaltigkeit ab", schrieben gestern Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).

Falls künftig ein objektiver Marktwert der Finanzinstrumente nicht ermittelt werden könne, sollen Bewertungsmodelle herangezogen werden, mit denen die vorübergehenden Verzerrungen des Marktwertes ausgeglichen werden können, so die Minister. Konkret könne die ökonomische Werthaltigkeit der Finanzinstrumente durch eine stärkere Gewichtung der Zahlungsströme unter Berücksichtigung von möglichen Ausfallrisiken bemessen werden. "Es müssen in Europa die gleichen Bedingungen gelten wie in den USA, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt", schreiben die Minister. Die Veränderungen sollen bereits zum dritten Quartal 2008 gelten. Ein Sprecher der Bilanzwächter IASB bestätigte, die europäischen Regeln würden an die US-Regeln angeglichen. Morgen will die EU-Kommission Details bekanntgeben.

Die Bilanzen der Banken dürften durch diese Modifizierungen erheblich entlastet werden. Bei ihnen sind im Laufe des Jahres milliardenschwere Abschreibungen auf Finanzinstrumente angefallen, während die eigentlichen Verluste derzeit noch überschaubar sind.

Professor Bernhard Pellens von der Ruhr Bochum-Universität meint, man könnte den letzten feststellbaren Bilanzwert aus dem zweiten Quartal als Basis nehmen und diesen einfrieren. Papiere, für die kein Marktwert feststellbar ist, sollen dann nicht mehr "Mark to Market" oder "Mark to Model" bewertet werden. Als Alternative könne man sich vorstellen, den erwarteten Wert in fünf bis sechs Monaten über die Discounted-cash-flow-Analyse zu ermitteln, was den Vorstellungen der deutschen Regierung entspricht. Zuschreibungen seien zunächst unwahrscheinlich, erst bei dauerhafter Werterholung wäre das möglich. "Erst wenn sich nachhaltig herausstellt, dass höhere Preise erzielbar sind, dürften die Banken dann hochschreiben", sagt Pellens. Wichtig sei, dass weitere Abschreibungen zunächst vermieden werden. Dies könne zu Entlastungen in Milliardenhöhe führen.

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