„Bild“: Beitrag über 15 Prozent
Arzneiausgaben steigen weiter

Trotz dringender Spar-Appelle hat sich das Wachstum der Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr 2008 mit einem Anstieg von 5,4 Prozent ungebrochen fortgesetzt. Insgesamt gaben die gesetzlichen Krankenkassen seit Januar 12,5 Mrd. Euro für Medikamente aus, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

dpa BERLIN. Dazu kamen 711 Mill. Euro für Impfungen. Ein Großteil der Mehrausgaben zulasten der Beitragszahler kam nach Einschätzung der Krankenkassen nicht den Patienten zugute.

Allein im Juni 2008 stiegen die Ausgaben der Kassen für Medikamente ohne Impfungen um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das zusätzliche deutliche Plus bei den Impfungen von 50 Prozent im ersten Halbjahr und 20,3 Prozent im Juni ist auf zusätzliche Impfungen auf Kassenkosten zurückzuführen, vor allem gegen Gebärmutterhalskrebs.

Bezüglich der Medikamente kritisierte der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz: "Schein-Innovationen sind tatsächlich teurer, aber nur scheinbar besser. Dass solche Medikamente zu oft verschrieben werden, ist einer der Hauptgründe, warum die Arzneimittelausgaben so deutlich steigen." Nach Aussagen des jüngsten Arzneimittelreports der Gmünder Ersatzkasse GEK wurde 2007 zudem ohne Grund elf Prozent mehr Medizin verordnet als im Vorjahr. Die ABDA wertete den jüngsten Anstieg als "moderat".

Der Kostenanstieg für Arzneimittel zählt neben angekündigten Finanzspritzen für Ärzte und Krankenhäuser zu den Hauptgründen für den erwarteten Beitragsanstieg zum Start des Gesundheitsfonds 2009. Den künftigen Einheitssatz legt die Bundesregierung bis November fest. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Donnerstag) hat der durchschnittliche Beitragssatz für die Krankenversicherung die 15- Prozent-Marke bereits übersprungen. Die Zeitung berief sich auf Kassenkreise. Nach Darstellung des Bundesgesundheitsministeriums liegt der durchschnittliche allgemeine Satz bei 14,02 Prozent des Einkommens. Zusätzlich zahlen die Versicherten einen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent vom Einkommen.

In den jüngsten Arzneimittel-Daten nicht berücksichtigt seien Einsparungen durch Rabattverträge zwischen Herstellern und Krankenkassen, so die ABDA. Im ersten Halbjahr 2007 waren die Arzneimittelausgaben bereits um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Im vergangenen Jahr entfielen auf Arzneimittel 27,8 Mrd. Euro der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung von 153,6 Mrd. Euro.

Die niedergelassenen Ärzte wollen sich bei der Verordnung eines Medikaments nicht länger auch um den Preis kümmern müssen. Künftig sollten Krankenkassen und Industrie die Verantwortung für Preis und Kosten übernehmen, forderte Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in einem Beitrag für das "Deutsche Ärzteblatt". Die Ärzte könnten die Ausgaben-Effekte ihrer Verschreibungen angesichts der vielen einschlägigen Gesetze nicht überblicken und empfänden Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Regresse als permanente Bedrohung.

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