Bildung
Ein kostenloses Studium ist sozial ungerecht

Das deutsche Nulltarif-System ist eine gigantische Ressourcen-Fehlsteuerung. Daran rüttelt kein Mantra der Gebühren-Verächter.
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BerlinIn allen Demokratien gibt es Unabänderliches. England hat den Linksverkehr, Amerika das Verfassungsrecht auf Waffenbesitz. Und Deutschland hat Studiengebühren. Oder genauer: keine. Noch genauer: Nachdem Nordrhein-Westfalen sie zum Mai-Beginn abgeschafft hat und demnächst Hamburg und Baden-Württemberg folgen, bleiben nur noch Bayern und Niedersachsen übrig. Zwei gegen 14, das wird nicht lange währen.

Was im vergangenen Jahrzehnt unter wütenden Protesten von manchen Ländern erhoben wurde, war eine lächerlich kleine Summe: mal 300, mal 500 Euro pro Semester. Im Vergleich dazu: 3000 Pfund pro Jahr in England, bis zu 37 000 Dollar in Amerika; Staatsunis kosten dort im Schnitt um die 7000. 

Das deutsche Nulltarif-System ist eine gigantische Ressourcen-Fehlsteuerung. Daran rüttelt kein Mantra der Gebühren-Verächter.

Gebühren schrecken ab? Im Jahrzehnt der Gebührenerhebung ist die Zahl der Studenten rasant gewachsen - von etwa einem Drittel der Alterskohorte auf knapp die Hälfte. Nachdem die Labour-Parteien in England und Australien Gebühren eingeführt hatten, stieg der Andrang. In Deutschland heißt es, die Studienbereitschaft sei gesunken. Richtig: Als Hessen damit anfing, fiel die Zahl der Studienanfänger um sechs Prozent, doch im nächsten Semester fast nicht mehr. 

Die Mär von der sozialen Gerechtigkeit: Um die vier Fünftel der deutschen Studenten sind Mittelschicht und drüber. Der Finanzwissenschaftler Karl-Dieter Grüske von der Uni Erlangen sieht eine Umverteilung von unten nach oben: "Nichtakademiker finanzieren einen größeren Teil der Akademiker mit." Das sind zum Beispiel jene, die ihre Ausbildung selber bezahlen müssen: von der Kosmetikerin bis zum Physiotherapeuten. Ein Meisterbrief kostet mehr als die Gebühren für ein Bachelor-Studium.

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