„Bildung in Deutschland“
Bericht zeigt Defizite im Schulsystem auf

Der neue Bericht „Bildung in Deutschland“ der Kultusministerkonferenz und des Bundesbildungsministeriums belegt, was Politiker lange nicht wahr haben wollten: Fast jedes zweite in Deutschland geborene Kind von Zuwanderern verfügt nicht über die notwendigen Grundkenntnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften.

HB PLÖN. Die KMK-Präsidentin und schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) sagte: „Das können wir nicht weiter zulassen.“ Zuwandererkinder und ihre Integration seien „Herausforderung und Chance für die ganze Gesellschaft.

Dem Bericht zu Folge haben inzwischen 18,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund – jeder vierte davon ist jünger als 26 Jahre. Die Hälfte der Schüler aus diesen Familien hat bereits die deutsche Staatsbürgerschaft. Als besondere Problemgruppe gelten junge Türken. 40 Prozent der unter 26-Jährigen mit türkischer Abstammung ist ohne Ausbildung oder Beschäftigung. Dies gilt vor allem für die jungen Frauen.

Die Zahl der jungen Ausländer mit Lehrstelle ist nach dem Bericht in den vergangenen Jahren sogar noch gesunken. Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz würden von den Betrieben bei ihnen im Schnitt „deutlich bessere Schulleistungen“ verlangt als von einheimischen Jugendlichen, kritisiert der Bericht.

Erdsiek-Rave sagte, an einer besseren Sprachförderung schon von klein auf führe in allen Bundesländern kein Weg mehr vorbei. „Unsere Gesellschaft braucht insgesamt mehr Qualifikation und Intelligenz.“ Auch das Begabungspotenzial der Migrantenkinder müsse genutzt werden. Sie seien nach den Untersuchungen genauso lernbereit und motiviert wie Einheimische.

Dem Bericht zufolge ist der Bildungsstand der Bevölkerung in Deutschland insgesamt gestiegen. So verfügen heute von den 30 bis 35- Jährigen knapp 30 Prozent über einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Bei den 60 bis 65-Jährigen gilt dies erst für etwa 22 Prozent. Der Bericht macht aber auch deutlich: Unter den 30 bis 35-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die über keinen Abschluss verfügen, größer als in der Gruppe der heute 45 bis 50-Jährigen. Auch verfügen letztere sogar ein wenig häufiger über einen Hochschul- Abschluss als die 30- bis 35-Jährigen. Der Bericht verweist auch darauf, dass die Beteiligung an Weiterbildung in Deutschland sinkt.

Mit dem Bildungsbericht verfüge Deutschland nun auch über eine eigene umfassende Analyse zum Zustand seiner Kindergärten, Schulen, Hochschulen und der Berufsausbildung und Weiterbildung, sagte Erdsiek-Rave. „Die Therapie muss jetzt die Politik machen.“ Der Bericht soll künftig alle zwei Jahre vorliegen.

Ab 2009 sollen sich alle Schüler bundesweit einem eigenen deutschen Schulleistungstest stellen. Mit den stichprobenhaft und länderübergreifend vorgenommenen Tests nach Art der weltweiten PISA- Studie wollen die Kultusminister untersuchen, wie weit die Schulen die neuen nationalen Bildungsstandards erfüllen. Die Tests sollen in der 3. Grundschulklasse, in der 8. Hauptschulklasse und für den Mittleren Bildungsabschluss in der 9. Klasse erfolgen und werden in dem ländereigenen Institut an der Berliner Humboldt-Universität ausgewertet. An den internationalen PISA-, IGLU- und TIMSS-Studien wird Deutschland weiter teilnehmen. Die zusätzlichen innerdeutschen PISA- Auswertungen entfallen aber. Die Mittlere Reife an den Gymnasien soll nach einem KMK-Beschluss weiterhin in der Regel nach zehn Schuljahren vergeben werden. Eine auf Wunsch Hessen gebilligte Öffnungsklausel ermöglicht den Abschluss aber auch schon nach neun Jahren, wenn der Schüler anschließend eine Berufsausbildung aufnimmt.

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