Bildung: Masterstudium nach Bachelor die Regel

Bildung
Masterstudium nach Bachelor die Regel

Nach dem Bachelor-Abschluss ein Masterstudium - an deutschen Hochschulen ist das die Regel. Mehr als drei Viertel aller Uni-Absolventen mit Bachelorabschluss studieren danach weiter, wie eine aktuelle Studie ermittelte.
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BERLIN. Mehr als drei Viertel aller Uni-Absolventen mit Bachelorabschluss studieren danach weiter, in der Regel hängen sie ein Masterstudium an. An den Fachhochschulen sind es immerhin 43 Prozent. Zudem ist die internationale Mobilität der Studenten weit höher als bislang befürchtet. Das ergab eine Studie des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung (INCHER) in Kassel, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. "Mit dieser Studie wird den notorischen Kritikern an der Bologna-Reform der Wind aus den Segeln genommen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) dem Handelsblatt.

Befragt wurden 2009/10 rund 33 000 Absolventen etwa anderthalb Jahre nach ihrem Bachelor-Abschluss. Die Übergangsquoten liegt etwas höher als in vergleichbaren Ländern wie Norwegen, Österreich oder Italien. Überraschend ist der hohe Anteil derer, die das Masterstudium parallel zu einem Job absolvieren: An Unis ist das jeder Dritte, an Fachhochschulen sogar jeder zweite, heißt es in der vom Bundesbildungsministerium finanzierten Kassler Studie.

Ebenfalls deutlich höher als erwartet ist die internationale Mobilität der Studenten: 16 Prozent der Uni-Bachelor waren mindestens ein Semester im Ausland (14 Prozent an den Fachhochschulen). Unterm Strich könne man davon ausgehen, „dass etwa 27 Prozent der Studenten im Bachelor-Master-System eine Zeitlang im Ausland studiert haben, bevor sie in den Beruf gehen“, folgern die Autoren. Im alten System von Diplom und Magister waren es nur 19 Prozent. Das widerspricht der verbreiteten Klage, das straff organisierte Bachelor-Studium lasse keinen Raum für ein Semester jenseits der Grenzen.

"Eines der Ziele des Bologna Prozesses lautet, dass bis 2020 mindestens 20 Prozent der Studierenden ein Auslandssemester oder ein Praktikum in einem anderen Land absolviert haben sollen. Dieses Ziel haben wir schon zehn Jahre früher erreicht", sagte Schavan.

Für die Hochschulen könnte die hohe Übergangsquote zum Problem werden. Denn die Kultusminister etablierten den Bachelor als „Regelabschluss“. Sie erwarteten, dass „die Mehrzahl“ der Bachelorabsolventen in den Beruf geht - und somit die Hochschulen nichts mehr kostet. Sollte das große Interesse am Master also anhalten, haben die Hochschulen ein Finanzierungsproblem. Schon heute wird heftig darüber gestritten, ob und inwieweit sie den Zugang zum Master begrenzen dürfen.

Der Umbau dauert jedoch noch: an: Während etwa in Frankreich und Italien 2008 schon vier Fünftel und in der Schweiz immerhin die Hälfte der Abschlüsse im neuen System vergeben wurden, war es in Deutschland erst ein Siebtel, heißt es in der Studie.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Bildung: Masterstudium nach Bachelor die Regel"

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  • Das System ist trotzdem krank. Die Unis sind nicht vergleichbar. So ist es kaum möglich, an der einen Uni den bachelor zu machen, und an einer anderen den Master fortzusetzten.
    Die Lehrpläne sind so, daß alles aus dem ehemaligen Diplom nun in den Master gesteckt wird.Dort ist nur Lernen angesagt, eine beschäftigung mit vertiefenden Dingen it aus Zeitgründen ausgeschlossen.
    Es ist wie so oft in Deiutschland nicht durchdacht.

  • Das war doch abzusehen . Nach dem alten system ist ja auch keiner mit dem Vordiplom alleinnvon der uni gegangen.

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