Bildungsbericht Die Bildung wird besser – doch nicht für alle

Licht und Schatten in Schulen, Hochschulen und in der Berufsausbildung zeigt der neue Bildungsbericht von Bund und Ländern auf. Die Wissenschaft sieht die deutsche Bildung „zwischen Bewegung und Stillstand“.
Update: 13.06.2014 - 13:44 Uhr 3 Kommentare
Schüler eines Gymnasiums in Gadebusch (Landkreis Nordwestmecklenburg): Der Bildungsbericht setzte auch einen Schwerpunkt auf die Bildungschancen für Behinderte. Quelle: dpa

Schüler eines Gymnasiums in Gadebusch (Landkreis Nordwestmecklenburg): Der Bildungsbericht setzte auch einen Schwerpunkt auf die Bildungschancen für Behinderte.

(Foto: dpa)

BerlinDer Trend zu besserer Bildung in Deutschland ist unverkennbar: Mehr Kleinkinder nehmen an frühkindlicher Bildung teil. Es gibt mehr Abiturienten und so viele Studienanfänger wie noch nie. Die Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen und auch die Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung steigt. Dieses Fazit zieht der am Freitag in Berlin vorgestellte neue Nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern.

Gleichwohl bleiben nach wie vor zu viele Jugendliche ausgegrenzt: Noch immer ist Bildungserfolg extrem abhängig von der sozialen Herkunft. Noch immer können 18 Prozent der 15-jährigen Schulabgänger nur auf Grundschulniveau rechnen. 5,9 Prozent eines Jahrganges verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss. 28 Prozent der Bachelor-Studenten brechen ihr Studium vorzeitig ab.

„Unser Bericht zeigt ein Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand“, resümierte der Frankfurter Entwicklungspsychologe Marcus Hasselhorn, Sprecher der Autorengruppe. Auf allen Ebenen steige die Bildungsbeteiligung. „Aber nicht alle gesellschaftlichen Gruppen sind Teil dieser Dynamik.“

Laut Bericht ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die in einer sogenannten Risikolage in Deutschland groß werden, in den vergangen zwei Jahren zwar leicht gesunken. Gleichwohl wachsen noch immer knapp 30 Prozent der jungen Menschen in bildungsfernen Familien, bei langzeitarbeitslosen und armen Eltern, bei Alleinerziehenden oder Migranten ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse auf.

„Der Bildungsbericht ist Ermutigung und Auftrag zugleich“, sagten übereinstimmend Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann (Grüne/NRW).

Von den 30- bis unter 35-jährigen Frauen und Männern in Deutschland haben laut Bericht 17 Prozent keinen Berufsabschluss. In der Altersgruppe der 60- bis unter 65-Jährigen sind dies 11 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen. Dagegen ist der Anteil der Menschen mit Hochschulreife bei den 30- bis unter 35-Jährigen mit 43 Prozent inzwischen rund doppelt so hoch wie bei den 60- bis unter 65-Jährigen (22 Prozent).

Einen Schwerpunkt setzt der Bildungsbericht diesmal bei den Bildungschancen für Behinderte und bei der angestrebten Inklusion - dem von einer UN-Konvention verlangten gemeinsamen Unterricht von Behinderten und Nicht-Behinderten. In Deutschland gibt es 493 000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf - das sind 6,5 Prozent aller Schüler. 40 Prozent davon gelten als lernbehindert. Bemängelt wird von den Autoren das Fehlen eines Diagnoseverfahrens nach bundeseinheitlichen Kriterien. Zudem müsse es bei den Hilfen mehr Abstimmung zwischen den verschiedenen Institutionen (Schule, Jugendhilfe, Sozialämter) geben.

Von Annette Schavan bis Edward Snowden
Edward Snowden
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Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock will dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Ehrendoktorwürde verleihen. Diesen Beschluss fasste der 22-köpfige Fakultätsrat mit der notwendigen Drei-Viertel-Mehrheit, wie der Dekan der Fakultät, Hans-Jürgen von Wensierski, am Mittwoch sagte. Es wäre nach Recherchen der Fakultät weltweit das erste Mal, dass Snowden eine solche Würdigung erhält. Mit der Enthüllung von Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA habe Snowden die Funktion eines klassischen Aufklärers erfüllt, hieß es zur Begründung.

Die letzte Entscheidung liegt nun bei Universitätsrektor Wolfgang Schareck, der bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens noch intervenieren kann. Dieser zeigte sich am Mittwoch vorbehaltlich weiterer Prüfungen aber skeptisch. Er sehe die Leistungen Snowdens nicht „in der Wissenschaft“, wie es die Promotionsordnung vorsehe. Snowden solle stattdessen besser mit dem Alternativen Nobelpreis oder mit einer Medaille ausgezeichnet werden. Sollte Schareck das Verfahren stoppen, würde der Fall Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) vorgelegt.

Annette Schavan erhält Ehrendoktorwürde
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Ihre Auszeichnung sorgte bei vielen für Kopfschütteln: Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekam in diesem Frühjahr die Ehrendoktorwürde der Uni Lübeck verliehen. Damit soll sie für Verdienste im Kampf um die Rettung der Hochschule gewürdigt werden. Ihren wissenschaftlichen Doktorgrad hat Schavan im Februar 2013 wegen Plagiats verloren. Im Zuge der Plagiatsaffäre wurde Schavan ein anderer Ehrendoktortitel, nämlich der der Universität Kairo, aberkannt. Das zeigt ein grundsätzliches Dilemma: Über Ehrendoktortitel wird am grünen Tisch entschieden. Dabei können umstrittene und zum Teil auch skurrile Entscheidungen herauskommen.

Kim Jong Un
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In die Kategorie skurril fällt der Ehrendoktortitel einer Privatuni aus Malaysia für  Kim Yong Un. Die Help-Universität in Kuala Lumpur verlieh dem nordkoreanischen Diktator die Ehrung. Der Uni-Präsident begründete dies so: Man habe mit dem Schritt "eine Brücke zu den Menschen bauen" wollen, indem man sich Nordkorea "sanft und konstruktiv" annähere.

 

Saddam Hussein
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Kim Yong Un ist nicht der einzige Diktator mit Ehrendoktortitel.  Auch dem früheren irakischen Staatschef Saddam Hussein kam diese zweifelhafte Ehre zuteil. Er erhielt 1984 die Ehredoktorwürde der juristischen Fakultät der Universität Bagdhad.

 

Mario Adorf
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Nicht skurril, aber zumindest ungewöhnlich ist die Wahl der Universität Mainz. Sie zeichnete den Schauspieler Mario Adorf mit dem Ehrendoktortitel „für sein beeindruckendes Lebenswerk“ aus. Adorf ist damit neben dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing der einzige, der mit dem repräsentativen Titel von der Universität Mainz geehrt wurde. Was sein „beeindruckendes Lebenswerk“ kennzeichnet? Nun, Mario Adorf studierte unter anderem Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz. Allgemein bekannt wurde er durch seine Darstellung eines psychopathischen Frauenmörders in dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“. Darauf folgten weitere Rollen in Film und Fernsehen, unter anderem in „Der große Bellheim“ und „Die Herren mit der weißen Weste“. Auch als Buchautor und Synchronsprecher versuchte Adorf sich und verlieh beispielsweise dem Drachen in „Dragonheart“ seine Stimme. Ob all das jedoch auch einen Ehrendoktor rechtfertigt, der laut Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz eigentlich für „wissenschaftliche Leistungen“ verliehen werden soll, bleibt fraglich.

Ben Affleck
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Der US-amerikanische Schauspieler Ben Affleck kurz vor der Verleihung seines Ehrendoktortitels im Mai 2013 an der Brown Universität im US-Bundesstaat Rhode Island. Sein Doktor trägt den Titel „Doktor der schönen Künste“. Ausgezeichnet wurden damit seine Verdienste als Filmemacher, Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler. Gelobt wurde auch sein humanitäres Engagement. Wissenschaftliche Arbeiten? Fehl am Platz. Nach bereits sieben Nominierungen für die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Schauspieler ist der Ehrendoktor für Ben Affleck trotzdem ein großer Erfolg.

Fototermin zum Film ´Muppets Most Wanted»
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Nein, es müssen nicht immer Menschen sein, die einen Doktortitel erhalten. Auch Handpuppen können das schaffen. Kermit der Frosch zum Beispiel wurde schon 1996 der Ehrendoktor der Herpetologie verliehen. Das ist die Lehre der Amphibien und wer kennt sich da besser aus, als ein sprechender Frosch? Geehrt wurde der Frosch aus der Muppet Show vom Southampton College der Long-Island-University in den USA. Die begründete das damit, dass Kermit schließlich auch viel für die Umweltbewegung getan habe.

  • dpa
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3 Kommentare zu "Bildungsbericht: Die Bildung wird besser – doch nicht für alle"

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  • Ja, pa0t doch.
    Merkel und Gauck, zwei stramme Ostdeutsche sind auf dem Weg der Grünen. Die völlige Verichtung Deutschlands ist angesagt.
    Und das Schlimme, unsre Journalisten merken es immer noch nicht

  • "Jeder zehnte Schüler auf dem Gymnasium muss vor Erreichen des Abiturs die Schule verlassen. Dies geht aus dem neuen Nationalen Bildungsbericht hervor.
    ...
    Einen Schwerpunkt setzt der Bildungsbericht diesmal bei den Bildungschancen für Behinderte und bei der angestrebten Inklusion - dem von einer UN-Konvention verlangten gemeinsamen Unterricht von Behinderten und Nicht-Behinderten."
    ---
    Ich habe mal diese beiden Sätze rausgezogen, da sie m.E. den Schlüssel enthalten.
    Hallo, jeder zehnte nur und das ist gewissen Herrschaften aus der GrünSozen-Ecke noch zuviel?
    Als ich das Gymnasium "gedrückt" habe, wurden bis zum Abitur rund 2/3 ausgesiebt, von 120 Sextanern blieben gute 40 Abiturienten übrig.
    Merke: Inklusion geht immer auf Kosten der guten Schüler!
    Merke, die zweite: Mit dem, was man heute Abitur nennt (außer den PISA Spitzenreitern), hätte man seinerzeit komplette Klassen durchrasseln lassen!

  • LESENSWERT

    "...Den Schwerpunkt seiner Amtstätigkeit stellte bislang der Kampf gegen ein seinen Worten nach zu „homogenes“ und „einfarbiges“ Deutschland und für „offene Tore für Zuwanderer“ dar. Auch Armutsmigration erfüllt Gauck mit „Dank und Freude“ weil sie einen nicht näher definierten „Gewinn“ darstelle, und gegenüber dem Ausland erklärt er: „Wir haben Platz in Deutschland“. Die Deutschen jedoch müßten ihre Mentalität ändern und Platz machen für „viel mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Schulen und Behörden, bei Polizei und in Kindergärten, in Theatern und Universitäten, in Redaktionen und Ministerien, in Parteien und Verbänden.“

    In einer Grundschule bei Mannheim, die Gauck vor einiger Zeit besuchte, ist dieses Ziel bereits erreicht, und Deutsche stellen dort nur noch eine Minderheit dar. Gauck kommentierte dies mit den Worten: „Wenn ich mich so umschaue, dann fühle ich mich in meinem Land zu Hause.“ ..."

    http://www.sezession.de/45206/gauck-ideologie-der-aufloesung.html

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