Bildungskredite
Weiterbildung auch für Ungeschulte

Weiterbildung für alle – die Bundesregierung ermöglicht mit einem Förderprogramm ab dem nächsten Jahr auch Geringverdienern die Chance auf zusätzliche Qualifikation. Das Modell ähnelt dem studentischen Bafög und soll in Zukunft zu handfesten Bildungskrediten ausgebaut werden.

BERLIN. Mit Prämien und Krediten will die Bundesregierung den Deutschen die Weiterbildung schmackhaft machen. Ab Sommer 2008 können Geringverdiener jährlich eine Prämie von 154 Euro für Weiterbildung beantragen, wenn sie selbst ebenso viel beisteuern. Das Angebot gilt für Jahreseinkommen bis 17 900 Euro (35 800 bei Verheirateten). Das sieht ein Eckpunktepapier von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vor, das das Kabinett heute absegnen soll und das dem Handelsblatt vorliegt. Die Kosten von 45 Mill. Euro für das zunächst auf drei Jahre angelegte Programm sollen komplett über den EU-Sozialfonds gedeckt werden.

„Das Weiterbildungssparen kann ein Renner werden“, sagte Schavan dem Handelsblatt: „Weiterbildung soll künftig für alle ganz selbstverständlich sein.“ Das Weiterbildungssparen richte sich besonders an jene, „die sich bisher eine Weiterqualifizierung alleine nicht leisten konnten“. Neben der Prämie soll das Vermögensbildungsgesetz geöffnet werden, so dass die damit angesparten Summen auch für Weiterbildungsmaßnahmen verwendet werden können. Vor allem für Besserverdienende interessant sind die geplanten Bildungskredite, die – analog zu den neuen Studienkrediten – die KfW oder Landesbanken vergeben sollen. Nutznießer der drei Angebote müssen sich beraten lassen.

Die SPD begrüßt vor allem die Bildungsprämie, kritisiert das Gesamtpaket jedoch als zu klein. „Um die Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems zu machen, muss der große Wurf erst noch kommen“, sagte die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), dem Handelsblatt. Sie fordert die Öffnung des Meisterbafögs für Minderqualifizierte, damit diese eine Berufsausbildung nachholen können.

Bisher liegt Deutschland im EU-Vergleich bei der Weiterbildung weit hinten – zum Schaden der Wettbewerbsfähigkeit, warnt der erste nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern. Das Problem ist, dass sich vor allem diejenigen weiterbilden, die ohnehin schon gut ausgebildet sind. Problemgruppen würden selbst durch die Förderung der Bundesanstalt für Arbeit nicht so integriert, wie es nötig wäre.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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