Bildungspolitik
Die Studienkredite laufen erst langsam an

Drei Monate nach dem Start ihres Geschäfts mit Studienkrediten hat die bundeseigene KfW-Bankengruppe bislang Kredite an 6 000 Studenten vergeben. Dies teilte KfW-Chef Hans Reich mit. Als erstes Kreditinstitut hatte zuvor die Deutsche Bank ihre Vertragszahlen genannt: Danach sind seit dem vergangenen Wintersemester 3 500 Kredite im Volumen von 45 Mill. Euro vergeben worden.

BERLIN / FRANKFURT. Im Vergleich zu den parallel weiter laufenden BaföG-Leistungen von Bund und Ländern handelt es sich noch um eher bescheidene Summen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde im vergangenen Jahr die Bafög-Rekordsumme von etwa 2,3 Mrd. Euro an 828 000 Antragsteller gezahlt.

In der Finanzbranche sieht man die jetzt nach und nach veröffentlichten Zahlen mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sind die Studienkredite für die Finanzbranche durchaus interessant. „Sie bieten die Möglichkeit, frühzeitig mit interessanten Kunden in Kontakt zu kommen“, sagte Walter Sinn, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, dem Handelsblatt. Ähnlich sieht das Udo Steffens, Präsident der Frankfurter HfB – Business School of Finance & Management: „Die Banken können mit Studienkrediten ihre Reputation verbessern.“

Auf der anderen Seite ist jedoch auch eine gewisse Ernüchterung eingekehrt. „ Das ist alles noch nicht so doll“, heißt es in einem Kreditinstitut, das seit einigen Monaten Studienkredite anbietet. Ein Grund könnte aber sein, dass die Universitäten erst ab dem kommenden Wintersemester Gebühren verlangen und damit mehr Studenten einen Kredit aufnehmen müssen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Aber auch insgesamt schätzen Experten das Marktvolumen eher verhalten ein. Unternehmensberater erwarten, dass nur zehn bis 20 Prozent der zwei Millionen Studenten überhaupt einen Kredit benötigen. Überdies müssen die Banken noch mit erheblichen Kreditausfällen rechnen. Erfahrungswerte gibt es in Deutschland naturgemäß nicht. Aber in den USA lagen die Ausfallquoten zu Beginn der Bildungsfinanzierung bei über 20 Prozent.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigte sich trotzdem erfreut über die ersten Zahlen der KfW: „Der Auftakt belegt, dass die Kredite eine Marktlücke zur Finanzierung des Studiums abdecken“, sagte Schavan. Zielgruppe seien vor allem jene 75 Prozent der Studenten, die keine Bafög-Unterstützung erhielten. Laut KfW-Chef Reich entfallen rund zehn Prozent auf Studienanfänger, 15 Prozent auf Studenten im achten bis zehnten Semester. Der Kredit, der aktuell mit 5,2 Prozent verzinst wird, sei ein gutes Instrument, um zu lange Studienzeiten und zu hohe Abbrecherquoten in Deutschland zu bekämpfen.

Mittlerweile bieten fast alle größeren Banken Studienkredite an. Allerdings nennen die meisten noch keine Verkaufszahlen. Dabei setzt die Branche auf unterschiedliche Strategien. Während die Dresdner Bank ebenso wie Deutsche Bank und Sparkassen eigene Kredite verkauft, beschränkt sich die Hypo-Vereinsbank auf den Vertrieb der KfW-Darlehen. Auch die Commerzbank wird wohl ab dem Wintersemester den KfW-Kredit vertreiben. Dieses Modell ist für die Banken weniger riskant als eigene Kredite. Dafür verzichten sie auf Zinseinnahmen. Stattdessen begnügen sie sich mit einer Provision von 232 Euro.

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