Bildungspolitik
Länder planen deutschen Pisa-Test

Die Schüler in Deutschland müssen sich auf neue bundesweite Tests einstellen. Die Kultusminister der 16 Bundesländer planen eine eigene Leistungsüberprüfung nach Art der weltweiten Pisa-Studie.

HB BERLIN. Das Konzept wurde am Freitag auf einer Fachkonferenz in Berlin vorgestellt. An der internationalen Pisa-Studie will Deutschland insgesamt zwar weiter teilnehmen, aber voraussichtlich ohne die bisherigen ergänzenden Bundesländer-Studien.

Die eigenen Schulleistungstest der Kultusministerkonferenz (KMK) auf Basis der Bildungsstandards sind Teil einer „Gesamtstrategie“ nach dem miserablen deutschen Pisa-Abschneiden. Die bundesweiten Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler im jeweiligen Fach zum Ende einer Jahrgangsstufe können muss. Vorgesehen sind landesweite Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten. Repräsentative Stichproben sollen dann länderübergreifend verglichen werden. Die Auswertung soll durch das neue KMK-Institut zur Qualitätssicherung (IQB) in Berlin erfolgen.

Während der Philologenverband das Konzept ausdrücklich begrüßte, übte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) scharfe Kritik. Nicht ganze Bundesländer sollten miteinander verglichen werden, sondern typische Problemregionen, wie etwa Ballungsgebiete mit hohem Ausländeranteil, sagte die GEW-Vize-Vorsitzende Marianne Demmer. Ein „Ranking“ einzelner Schulen verbiete sich schon allein wegen der unterschiedlichen sozialen Ausgangslage. Auch sei überhaupt nicht beschrieben, wie den Schulen geholfen werden könne, die die Leistungsstandards nicht erfüllten.

Der Startschuss für das Konzept soll beim nächsten Treffen der Kultusminister Anfang Juni erfolgen. Die Präsidentin der KMK und schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) befürwortete „im Grundsatz die vorliegenden Planungen“. Sie sehe dabei gute Einigungschancen, da das Konzept bereits mehrfach besprochen worden sei. „Das aber schließt Änderungen und Anregungen von Verbänden nicht aus“, sagte Erdsiek-Rave auf Anfrage.

Das KMK-Konzept stützt sich auf vier Säulen: Mit finanzieller Hilfe des Bundes wollen die Länder an internationalen Studien wie Pisa (9. Klasse), IGLU (Grundschule), TIMSS (Mathematik und Naturwissenschaften) auch weiter teilnehmen. Hinzu kommen dann die landesweiten Überprüfungen der Bildungsstandards mit zentralen Testaufgaben. Diese Ergebnisse wiederum sollen in länderübergreifende Vergleiche einfließen. Als vierte Säule gilt dann ein gemeinsamer regelmäßiger Bildungsbericht von Ländern und Bund.

Auf der Konferenz wurde das Unbehagen der Kultusminister an der derzeitigen Fülle an internationalen Vergleichsstudien deutlich. Föderale Staaten wie Kanada und die Schweiz, aber auch Italien lassen jeweils unmittelbar mit den Pisa-Tests auch ihre regionalen Daten durch die OECD in Paris auswerten. In der Bundesrepublik erfolgte die Auswertung der innerdeutschen Daten dagegen jeweils mit großem Aufwand durch ein eigenes deutsches Pisa-Konsortium.

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