Bildungspolitik
Pinkwart will Stipendien für begabte Studenten

Um Geld für mehr Stipendien zu mobilisieren hat Nordrhein-Westfalen ein Bund-Länder-Programm vorgeschlagen. „Ziel muss sein, mittelfristig den besten zehn Prozent der Studenten ein Stipendium zu geben, das zumindest einen Großteil der Lebenshaltungskosten und Studiengebühren trägt“, sagte NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Nur so könne es gelingen, weit mehr begabte junge Menschen in die Hochschulen zu locken und zudem die Studienzeiten deutlich zu verkürzen. „Wenn wir ein paar hundert Millionen in die Hand nehmen, können wir einen gewaltigen Schub erreichen“, sagte Pinkwart. Bund und Länder wollen die Akademikerquote von heute gut 20 auf 40 Prozent eines Jahrgangs steigern.

Bislang erhalten Angaben des Deutschen Studentenwerkes zufolge gerade mal zwei Prozent der Studenten ein staatliches oder privates Stipendium, im Schnitt 318 Euro pro Monat. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Mittel für die Begabtenförderung auf 88 Mill. Euro jährlich aufgestockt: Ziel ist es, zumindest jeden hundertsten Studenten zu fördern. Zum Vergleich: In den USA hingegen gibt die Regierung rund 22 Mrd. Dollar jährlich für Stipendien aus. Weitere 23 Mrd. stellen die Hochschulen aus Gebühreneinnahmen oder Spenden, die oft aus der Wirtschaft kommen.

Spätestens seit der Einführung der neuen Studiengebühren von bislang 500 Euro pro Semester in den meisten unionsregierten Bundesländern sind sich Bildungspolitiker und Experten einig, dass neben den neuen Studentendarlehen auch Stipendien dringend notwendig sind. Nach Pinkwarts Konzept „sollen die Hochschulen jeweils für zwei Euro, die sie selbst gemeinsam mit der Wirtschaft für ein Stipendienprogramm aufbringen, einen dritten Euro dazu erhalten“. Die knapp ausgestatteten Hochschulen könnten dafür einen Teil der Gebühreneinnahmen verwenden. In NRW sind das ab 2008 voraussichtlich rund 300 Mill. pro Jahr. „Um den Anschub zu finanzieren, müssten Bund und Länder mit einem dreistelligen Millionbetrag beginnen und diesen Schritt für Schritt aufstocken“, sagte Pinkwart. „Ich bin sicher, dass Private dann in erheblichem Umfang zu stiften.“

Potential sieht auch der Stifterverband. Der Verband ist derzeit dabei, das meist im Verborgenen blühende Engagement von Unternehmen für Hochschulen und Lehre zumindest annähernd zu beziffern. Die Tendenz sei klar, sagt Matthias Winde vom Stifterverband: „Das Engagement der Wirtschaft für Forschung und Lehre – in Form von Stipendien, Stiftungslehrstühlen oder Spenden – ist höher als bisher bekannt“.

Die Stipendien sind laut NRW-Innovationsminister Pinkwart vor allem deshalb nötig, weil ein erheblicher Teil der Studenten nebenher arbeitet, da es „ohne Hinzuverdienst einfach finanziell nicht reicht“. Das sei künftig auch gar nicht mehr im gleichen Umfang möglich, weil die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge eine weit höhere Präsenz der Studenten in der Hochschule verlangen. Mit Hilfe der Stipendien könnten die Hochschulen zudem „wesentlich mehr Top-Studenten aus dem Ausland hier her holen“, so Pinkwart. „Die Besten der Welt gehen dorthin, wo zwar Studienbeiträge bezahlt werden müssen, aber auch Aussicht auf ein Stipendium besteht“.

Auf keinen Fall soll das Stipendiensystem auf Kosten des Bafög aufgebaut werden. Denn diese an das Elterneinkommen gekoppelte Förderung habe schließlich einen völlig anderen Zweck: „Sie soll für Chancengerechtigkeit am Start sorgen“, argumentiert der Minister. Bafög erhalten derzeit rund 17 Prozent der Studenten. „Die allermeisten Studierenden dagegen sind auf sich selbst und ihre Familie angewiesen – hier müssen wir vor allem jene fördern, die sich besonders anstrengen. Und selbstverständlich müssen sich Stipendien auch für Bafög-Empfänger lohnen“.

Daneben drängt Pinkwart auf schnelle Verhandlungen für die Verlängerung des Hochschulpaktes für die Zeit nach 2010 – schon um den Hochschulen die nötige Planungssicherheit zu verschaffen. Der im Sommer geschlossene Pakt sieht vor, bis 2010 rund 91 000 zusätzliche Studienplätze zu schaffen. „Für den zweiten Teil des Hochschulpaktes, also für die Periode 2011 bis 2017 brauchen wir bundesweit zusätzlich mehr als drei Mrd. Euro – also deutlich mehr als in der ersten Periode, in der es einschließlich der Ausfinanzierung etwas mehr als zwei Mrd. sind“, sagte Pinkwart.

Die höhere Summe sei deshalb nötig, weil erst nach 2010 die große Welle der Studienanfänger an die Hochschulen dränge. Daneben gelte es, „deutlich mehr Plätze in den teureren Mint-Fächern – also Mathe, Ingenieur-, Natur- und Technikwissenschaften – zu schaffen, in denen bereits heute in der Wirtschaft ein eklatanter Mangel herrscht.“ Generell sei das „nur von Bund und Ländern gemeinsam zu stemmen“.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%