Bildungspolitik
Westerwelle hungert deutsche Auslandsschulen aus

Die Bundesregierung hat ein neues Sparziel entdeckt. Das Auswärtige Amt kürzt Zuschüsse für deutsche Schulen weltweit drastisch. Eltern müssen höhere Gebühren zahlen und sind empört.
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HB DÜSSELDORF. Weltweit müssen deutsche Auslandsschulen Gebühren erhöhen. Der Grund: Das Auswärtige Amt kürzt den einzelnen Schulen die Zuschüsse zum Teil drastisch. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen schlägt Alarm: In den letzten drei Jahren ist die Gesamtzahl der deutschen Schulen im Ausland von 117 auf 140 gestiegen. Dieser Ausbau war noch unter Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) angeschoben worden. Die Gesamtsumme an Zuschüssen ist aber gleich geblieben, nämlich bei 168 Mio. Euro jährlich. Deshalb erhalten die einzelnen Schulen für das Jahr 2009/10 rückwirkend bis zu 80 Prozent weniger Beihilfe. Vor allem in ärmeren Ländern dürften viele Schüler abspringen, fürchtet der Verband nach Angaben des Handelsblattes.

Auch in der Deutschen Auslandsschule in Brüssel drohen "drastische Gebührenerhöhungen von bis zu 1000 Euro pro Jahr", warnt der Schatzmeister der dortigen deutschen Schule, Lorenz Kodderitzsch, in einem Brandbrief an deutsche Parlamentarier. Ihm fehlen rund 600 000 Euro, er musste erstmals einen Kredit aufnehmen, um Gehälter zahlen zu können.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) könnte Kürzungen vermeiden, denn er erhält Millionen aus jenem Topf von 12 Mrd. Euro, die der Bund diese Legislaturperiode zusätzlich für Bildung und Forschung ausgibt. Doch würde er die Mittel für Auslandsschulen aufstocken, hätte er etwa die humanitäre Hilfe kürzen müssen, sagte der Außenminister nach Angaben von Teilnehmern im Haushaltsausschuss. Seine Sprecherin erklärte, man habe das Niveau bei den Ausgaben für die Auslandsschulen überhaupt nur durch die Sonderzahlung halten können - und hätte ansonsten sogar noch kürzen müssen.

Neue Schulen entstanden etwa in China, Russland und den Emiraten. Für DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann sind wie unverzichtbar: "Sie erleichtern es Firmen, Mitarbeiter mit Familien ins Ausland zu entsenden. Die knapp 60 000 einheimischen Schüler, die neben den 20 000 deutschen Kindern unterrichtet werden, sind für deutsche Unternehmen im Ausland eine wichtige Quelle für den Fach- und Führungskräftenachwuchs", sagte er dem Handelsblatt.

Die Opposition ist empört. Es sei vereinbart gewesen, dass die Schulen im kommenden Jahr aus dem Sondertopf 35 Mio. Euro mehr bekommen, erklärt SPD-Haushaltspolitiker Klaus Brandner. Dass dies nicht passiere, sei "mit den großen Worten von der Bildungsrepublik nicht vereinbar". Auch das Bildungsministerium warnt, eine Verschiebung der Gelder sei "nicht akzeptabel". Man gehe davon aus, dass sich Westerwelle an die Absprachen halte.

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  • Wenn deutsche Firmen im Ausland diese Schulen wünschen für die Kidner ihrer dMitarbeiter, sollen sie auch einen Teil selber tragen.
    Ständig nach denm Staat rufen, geht nicht.
    Dem gemeinen Volk erzählt man ständig, es solle den Gürtel enger schnallen, aber Firmen sehen es als selbstverständlich an, sich alles subventionieren zu lassen.
    Hier muß ein Umdenken her

  • Die Finanzierung der Schulen betrifft alle bereiche, sowohl im in- als auch im Ausland.

    Während die deutschen Lehrkräfte hochbezahlt im Amt sitzen, sollen die Jungen zu Dumpinglöhnen die gleiche Arbeit leisten. Hier liegt das Problem.
    Doch es gibt auch Unterschiede, nehmen wir ein einfaches Fallbeispiel: der Lehrer finanziert schließlich seine Kinder, die dort zu Dumpinglöhnen als Lehrer arbeiten mit.

    Nun ein Großteil der bevölkerung kann nicht auf solch einen Generationenvertrag schauen, weil die meisten Eltern haben, die selber nichts haben.

    Die staatlichen Schulen nun Fallbeispiel, ich bin nach der 9. Klasse dort weggegangen, weil es nichts gebracht hat dort und man den ganzen Tag auf dem Stuhl rumsitzt und "nichts" macht. Am schrecklichsten waren die Pausen. Raus in die Kälte und blöde auf dem Schulhof rumstehen.

    in der 5. Klasse bin ich bereits fast wegen bruchrechnen von der staatlichen Realschule in Ahrweiler geflogen.
    Eine Lehrerin erbarmte sich und gab mir freiwillig lediglich "4" Stunden Nachhilfeunterricht. Sie sagte dabei : du kannst doch das alles von alleine. So bestand ich durch ein 3 in Mathe.

    Doch unser Lehrer in Mathe und Naturwissenschaften konnte es mir nicht weiter vermitteln.Dafür mussten 4 Stunden freiwilliger Nachhilfeunterricht einer Lehrerin ausreichen bis in die 7. Klasse hinein.

    Ein Jahr Mathe fiel sowieso aus, weil ein anderer Lehrer krank war. Er hatte einen Herzinfarkt.

    Eine Erkundelehrerin kam zur Tür rein und beschwerte sich, sie wolle bei uns keinen Vertretungsunterricht machen, Sie müsse dies tuen.

    Unsere Klasse sollte ständig aufgelöst werden.

    Nach der 9.Klasse bin ich irgendwann nicht mehr hingegegangen.

    Heutzutage lernen Kinder wie man einen hartz4 Antrag ausfüllt in der Schule. Endlich mal was praktisches, was die Kinder im Leben gebrauchen können ohne zu verhungern.

    Nun gibt es private Schulen. Dort werden die Gelder zusammengestrichen, obwohl sie die Aufgaben der Staatlichen mit übernehmen und weniger Geld erhalten, weil es heißt, dies wären nur die Kinder reicher Eltern. Stimmt nicht, auch ich schicke mein Kind an eine private Schule und arbeite dort das Schulgeld ab. Die private Schule ermöglicht mir dies und mein Kind wird nicht dort so miserabel zwischenmenschlich behandelt, insbesondere nicht von seinen netten Mitschülern.

    Nun soll dieses Konzept von Westerwelle weiter runtergedrückt werden?

  • @ Alfred (4)

    „Die Mittel kann man im deutschen bildungswesen einsparen, da im inland die Jugend nicht ausbildungsfähig ist.“

    bitte? Wie wäre es denn, die deutschen Schüler im inland wieder ausbildungsfähig zu machen, indem ihnen die Aufmerksamkeit schenkt, die man Zuwanderern, besonders denen, die nicht die Absicht haben sich fördernd in dieses Land einzubringen, entgegenbringt.

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