Bildungsstreik
Schwarzer Peter wandert zu den Unis

Politiker und Uni-Funktionäre schlagen sich zum Höhepunkt des Bildungsstreiks auf die Seite der Hochschüler: Problem sei die Umsetzung der Reformen, erklärte die Bundesbildungsministerin Schavan, sie habe Verständnis für die Studierenden.
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HB BERLIN. Mit Demonstrationen und Blockadeaktionen an Universitäten in mindestens 35 deutschen Städten wollen zehntausende Studenten heute bessere Studienbedingungen erreichen. Unterstützung bekommen sie aus den Hochschulen, der Wirtschaft und der Politik. Der Widerstand der Studenten gegen Missstände im Bildungswesen soll nach dem Willen der Organisatoren heute einen Höhepunkt erreichen. Allein in Berlin und Köln erwarten sie jeweils 5000 Demonstranten. In Freiburg, Stuttgart und Tübingen besetzten Studenten in der Nacht Hörsäle. Nicht nur Deutschland steht heute im Zeichen des Bildungsstreiks – in Österreich und Frankreich sind ebenfalls Proteste geplant.

Der Präsident des Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, ermutigte die Studenten in ihrer Kritik an den Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Klage über Stofffülle, Prüfungsdichte und das jetzige Akkreditierungssystem sei berechtigt, sagte Kempen der „Südwest Presse“. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Hans Heinrich Driftmann, appellierte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ an die Unis, die Probleme der Studenten ernst zu nehmen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte im Deutschlandfunk teilweise Verständnis für die Anliegen der Studenten. „Den Punkt der Verbesserung der Lehre teile ich.“ Bei der Umsetzung der Hochschulreform habe es handwerkliche Fehler gegeben. Damit schiebt Schavan den Schwarzen Peter in Richtung der Universitäten, in deren Händen ein Großteil der Umsetzungsarbeit lag. Sie unterstrich aber auch, dass trotz der Wirtschaftskrise in Deutschland noch nie so viel in Bildung investiert worden sei wie zur Zeit.

Auch der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner hat Verständnis für die bundesweiten Proteste der Studierenden geäußert. Als Beispiele nannte er den Protest gegen Studiengebühren und die Forderung nach dem Ausbau des BaföG. Mit Blick auf die Bologna-Reform zur Angleichung der europäischen Studienordnungen sagte er jedoch: Es könne nicht bedeuten, „dass wir nicht darauf achten müssen, dass die Reform vernünftig umgesetzt wird“.

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  • zwei dinge finde ich positiv:

    1. die politik und die hochschulen unterstützen die studenten (zumindest verbal, das ist ein anfang), sogar frau schavans peinlicher ausfall während des bildungsstreiks im sommer wird nicht wiederholt.

    2. die berichterstattung hat weitestgehend endlich aufgehört von den streikenden als "linke protestler" oder ähnlichem zu sprechen. die berichte klingen mehr und mehr wohlwollend.

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