Bildungsstudie Deutsche Musterschüler kommen aus dem Osten

Mehr Abiturienten und Akademiker, bessere Betreuung in den Schulen und Kitas - mit dem Bildungssystem in Deutschland geht es weiter aufwärts. Sachsen ist Spitzenreiter, Berlin Schlusslicht - trotz deutlicher Fortschritte.
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Schüler bei der Abiturprüfung an einem deutschen Gymnasium. Quelle: dapd

Schüler bei der Abiturprüfung an einem deutschen Gymnasium.

(Foto: dapd)

KölnDie Sachsen sind die Musterschüler. Im Bundesländervergleich „Bildungsmonitor 2011“, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, sicherte sich das ostdeutsche Land erneut den ersten Platz - zum sechsten Mal in Folge. Thüringen landete wie im Vorjahr auf Platz zwei vor Baden-Württemberg und Bayern. Schlusslicht der Rangliste ist weiter Berlin.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln macht den Ländervergleich seit 2004 jedes Jahr im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Bewertet werden die Bildungssysteme anhand von 111 Indikatoren - unter anderem dem Angebot an Ganztagsschulen und Kitas, Betreuungsrelationen an Schulen, Abiturientenquoten oder Bildungsausgaben.

„Kaderschmieden“ für den Nachwuchs

Sachsen und Thüringen bleiben laut Studie die „Kaderschmieden“ für den Nachwuchs in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Die Studienautoren bescheinigen beiden Ländern die höchste Schulqualität, gute Betreuungsbedingungen, exzellente Voraussetzungen für eine individuelle Förderung und die größten Erfolge im Kampf gegen Bildungsarmut.

Baden-Württemberg und Bayern - die Dritt- und Viertplatzierten - punkten vor allem mit ihrer Schulqualität und dem Übergang in den Arbeitsmarkt. An Berlins Schulen hapert es dagegen mit der Qualität. Viele junge Leute verließen die Schule dort ohne ausreichende Grundlage für den Job, beklagen die Studienautoren. Auch die Zahl der ausländischen Schüler ohne Abschluss sei zu hoch. Die Hauptstadt habe sich gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich verbessert. Der Absprung vom letzten Platz sei aber nicht geglückt.

Die Studie bescheinigt fast allen Bundesländern Fortschritte gegenüber 2010. Besonders zugelegt hat demnach Mecklenburg-Vorpommern. Das Land im Nordosten der Republik sei der „Dynamiksieger“ bei dem Ranking.

Der Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hubertus Pellengahr, sagte, Qualität und Gerechtigkeit im Bildungssystem hätten zugenommen. „Aber es gibt weiter viel zu tun.“ Insbesondere bei der Integration und der frühkindlichen Bildung gebe es noch Defizite.

Mehr Geld für Lehrer?

Pellengahr plädierte außerdem dafür, den Lehrerberuf aufzuwerten - durch bessere Bezahlung und eine bessere Durchlässigkeit. Niemand müsse ein Leben lang als Lehrer arbeiten. Auch am Ansehen des Berufsstandes sollte sich etwas ändern. Im Zweifel müsse auch überlegt werden, Lehrern, in deren Fächern der Mangel besonders groß sei, mit zusätzlichem Geld anzulocken.

Vor allem müssten „unsinnige Strukturexperimente“ im Bildungssystem ein Ende haben, forderte Pellengahr: „Schüler wollen nicht länger die Versuchskaninchen der Republik sein.“

Auch der Studienleiter Axel Plünnecke mahnte, die Länder dürften nicht durch immer neue Reformen „Unruhe ins System bringen“. Der allgemeine Trend der Länder sei zwar positiv. Es gebe aber keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft reagierte mit scharfer Kritik auf die Studie. Die Untersuchung beurteile Bildung allein aus ökonomischer Sicht, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Ulrich Thöne. Um bildungspolitische und pädagogische Fragen gehe es nicht. Thöne sprach von „interessengeleiteter Unternehmerpolitik - umhüllt vom dünnen Mäntelchen“ einer Bildungsstudie.

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10 Kommentare zu "Bildungsstudie: Deutsche Musterschüler kommen aus dem Osten"

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  • Die Wahrheit ist unbequem, das war sie auch im ehemals "realem Sozialismus".

    Übrigens müsste es nicht mal mehr "Südländerministerium" heißen, da sich die zahlreichen Aramäer unter den türkischstämmigen Zuwanderern gut integrieren.

    Es müsste heißen, wie übrigens in allen "betroffenen" Staaten, "Islamintegrationsversuchsministerium".

  • So ist es. Mitteldeutschland hat den geringsten Migrantenanteil. Die Migranten, die dort leben, kommen vornehmlich NICHT aus den sogenannten "Südländern" - und damit ist nicht Österreich gemeint.

    Ich bin in einem ostdeutschen Bundesland zur Shcule gegangen und habe dort mein Abitur gemacht.

    Seit einiger Zeit arbeite und lebe ich nun in einem "alten" Bundesland mit relativ hohem "Südländischen" Migrantenanteil. Der Unterschied, was Disziplin und Leistungswillen an den Schulen - auch den Gymnasien - betrifft, ist unvorstellbar.

    Daß die neuen Bundesländer deshalb teilweise als "Kaderschmiede" gelten, ist also alles andere als verwunderlich.

    Aber Baden-Württemberg hat nun ja beispielsweise ein Integrationsministerium. Also ein Ministerium, was sich ausschließlich damit befaßt, wie Migranten besser integriert werden können.

    Komisch nur, ich habe noch nie einen Franzosen, Amerikaner, Engländer, Portugiesen, Israeliten, Japaner, Koreaner oder Chinesen gesehen, der in Deutschland irgendwelche Probleme hatte sich zu integrieren. Ganz im Gegenteil. Diese Migranten gehören meistens zu den leistungsfähigsten und leistungsbereitesten Bürgern unseres Landes.

    Warum nennt dann BW nicht sein Integrationsministerium ehrlicherweise so, wie es folglich heißen müßte: Südländerministerium? Ach ja, ich vergaß, Wahrheit ist ja unbequem.

  • Wieder sind Berlin und Brandenburg die Letzten! Kann man den Berliner Bildungssenator Zöllner wegen Menschenverachtung und Bildungsverweigerung nicht vor Gericht stellen und verurteilen zur lebenslänglicher Haft? Wies darf dieses Wesen immer noch in der Regierung sein?Kann man mehr seine Verachtung gegen Kinder/Jugendliche zeigen? Wofür erhält er seine Bezüge? Wird so eine Verhalten noch belohnt? Eine Schande für Deutschland bzw. Europa!!!!!!

  • Das dürfen wir aber nicht laut sagen in diesem Lande, dann sind wir Rassisten und Nazis

  • Obwohl ich die Gewerkschaft Erziehung sonst nicht so mag, da stramm links, muß ich ihr dies Mal Recht geben.
    Ich erwarte keine ausgebildeten Chemielaboranten die von der Schule kommen mit ihren 1er-LK, sondern ich erwarte zuerste einmal wieder eine breite humanistische Bildung, an der es jedoch enorm mangelt
    Es muß auch nicht jeder Abi machen, nicht jedes Kind ist zum Prof geboren. Und ein Abi ist heute ohnehin nicht mehr viel Wert.
    Diese Studie von dieser Arbeitgeber-Kapitlisten-Initiative läßt alles Pädagogische und Allgemeine weg. Die Studie ist für den Papierkorb.
    Man sollte endlich aufhören, auf den INSM zu hören und so eine Studie überhaupt zu diskutieren. Niemand hat diesen Verein legitimiert in unser Leben einzugreifen. Die hat nicht in unsere Politik einzugreifen. Die haben schon genug Schaden angerichtet.
    Und in Sachsen und den gesamten neuen Ländern sitzen auch in der Grundschule in einer Klasse von 30 Kindern ebennicht teilweise 25 Migrantenkinder die nicht mal der deutschen Sprache mächtig sind und die Bildung extrem nach unten ziehen, auf Haupt- und Realschulen geht das weiter. Das wird überhaupt ncht benannt.
    Also bulshit

  • Ich denke, wir sehen an den Ergebnissen der Studie (wie auch bei anderen Bildungsstudien), wie enorm wichtig hohe Hürden für Zuwanderung von außerhalb der EU sind.

    In Kanada sind diese Hürden hoch und die Migrantenkinder schneiden bei vergleichenden Studien ganz ähnlich ab wie die Einheimischen.

    Sachsen und die anderen "neuen" Bundesländer haben Migranten häufig aus Vietnam oder der ehemaligen Sowjetunion - bildungsorientierte Zuwanderer.

  • dumpf, aber wacker!

  • Entwscheidend sind, und das wissen wir alle, weniger die Input- Indikatoren (also die Investments und Rahmenbedingungen), sondern der Output, also: Was machen wir Sachsen aus diesem Spitzenplatz, was machen die jungen Leute aus sich....

  • Liebes Handelsblatt, Sachsen liegt in Mitteldeutschland, dort gibt es auch den MDR!!!
    Das Berlin bei dieser Untersuchung das Schlußlicht stellt verwundert nicht, wird es doch von SPD und DKP, sorry PDS, regiert.

  • Mehr Abiturienten heißt garnichts, wenn die Qualität des Abis sinkt. Nicht die Hauptschule wird gestrichen (in BaWü) sondern das ehemalige echte Gymnasium und Abitur. Das heutige Abitur verkommt zur ehemaligen Realschule.

    Mehr Studenten sagt garnichts aus. Viele Junge Leute möchten einfach diese tolle Zeit geniessen und studieren halt irgendwas, möglichst nichts schwereres. Auch im Studium wird alles mehr und mehr "verschult".

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