Biografie
Steinmeier outet sich als Stalker

SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Vorstellung einer neuen Biografie von FDP-Chef Guido Westerwelle genutzt, um auf Gemeinsamkeiten zwischen beiden Parteien hinzuweisen. In der Einwanderungspolitik, bei der Liberalisierung der Gesellschaft, beim Einsatz für gleiche Bildungschancen und internationale Abrüstung gebe es Übereinstimmungen zwischen SPD und FDP, sagte Steinmeier in Berlin.

BERLIN. Es kommt nicht oft vor, dass ein Bundesaußenminister eine Biografie über den Oppositionsführer vorstellt, der selbst nichts lieber werden würde als der nächste Außenminister. Und der dieses entweder werden könnte, indem er der neue Koalitionspartner der regierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel wird oder aber den Außenminister beerbt, der dafür als Bundeskanzler das Land regiert.

An diesem Freitagnachmittag ist viel Platz für solche Gedankenspiele. Das weiß auch Frank-Walter Steinmeier (SPD), und das weiß auch Guido Westerwelle (FDP). Beide könnten gemeinsam zur Buchvorstellung erscheinen, saßen sie doch gerade noch gemeinsam im Plenum und berieten vor der Schlussabstimmung noch einmal über das zweite Konjunkturprogramm, dass das Land vor einer größeren Wirtschaftskrise bewahren soll. Aber nein: Der Oppositionsführer erscheint allein pünktlich in der Bundespressekonferenz - und muss mit seinem Biografen Majid Sattar warten. Steinmeier dagegen betritt das Haus so, wie es sich in dieser Lage gehört, um keine Verbrüderungs- und Koalitionsgerüchten nach der Bundestagswahl Nahrung zu geben: Er kommt zu spät, sagt zu Westerwelle: Wir hatten ja schon", zu den anderen sagt er "ich grüße sie", geht strammen Schrittes weiter Richtung Pressesaal, gute vier Meter vor Westerwelle. Kein Zweifel wer hier Koch und wer Kellner ist.

Die Idee, Steinmeier solle eine nicht-autorisierte Biographie über Westerwelle präsentieren, entsprang freilich nicht den Köpfen der Politiker oder der Wahlkampfstrategen von FDP und SPD. Bereits vor Monaten überlegte sich der Olzog-Verleger Reinhard Möstl, wie er die Biografie am besten vermarkten könne. Er fragte zunächst bei Westerwelle selbst an und danach gemeinsam mit ihm im Büro Steinmeier. Monatelang ging es hin und her, vor allem, weil das Lager um den Wirtschaftsfreund Steinmeier keinen Ärger mit der Parteilinken provozieren wollte. Dann aber, keine zwei Wochen ist es her, sagte Steinmeier zu. "Das ist für uns ein Glücksfall", jubiliert die Marketingchefin Patricia Fritsch-Lange.

"Es gab eine Anfrage, wir haben es besprochen und entschieden", heißt es im Beraterstab Steinmeiers. Auf die Frage, was das bedeute, heißt es lapidar, alles was man tue, sei ein Signal. Die Buchvorstellung sei jedenfalls nicht der Beginn eines sieben Monate währenden Schmusekurses. "Im Wahlkampf kämpft jeder für sich allein."

Seite 1:

Steinmeier outet sich als Stalker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%