Biosiegel haben schlechten Ruf
Agrarminister setzt auf Gen-Nahrung

Bundesagrarminister Horst Seehofer fördert die Erforschung der Gentechnik. Auch den Anbau von genmanipulierten Pflanzen will er vorantreiben. Das dürfte die Verbraucher noch weiter verunsichern, misstrauen sie doch schon heute der Herkunft von Bio-Lebensmitteln. Selbst Gütesiegel helfen da nicht.

HB MÜNCHEN. „Ich will bei der grünen Gentechnik die Forschung in Deutschland fördern und nicht behindern – unter Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen“, sagte der CSU-Politiker laut dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Deutschland brauche auch in diesem Bereich Forschung und ihre Anwendung im Freiland. Er wolle dazu innerhalb der Bundesregierung eine offensive Haltung vorschlagen, kündigte der Minister laut dem Bericht an.

Zu den Kritikern der Gentechnik sagte Seehofer: „Ein Volk und seine Forscher können doch nicht die organisierte Pflege des Nichtwissens betreiben“. Die Bundesregierung wolle „die Weiterentwicklung neuer Technologien unter strikter Beachtung des Schutzes von Mensch und Umwelt“. Die Regierung habe keinen blinden Fortschrittsglauben, sondern wolle ethisch verantwortlich handeln. Der Minister kündigte Anbauregeln für Gen-Pflanzen an, um ein friedliches Nebeneinander von herkömmlicher Landwirtschaft und Gentechnik zu garantieren.

Bei der wirtschaftlichen Anwendung der grünen Gentechnik soll es nach dem Willen Seehofers ausschließlich um Mais gehen. Der Anbau von Gen-Raps sei objektiv nicht möglich, weil er sich fast mit jeder Wildpflanze kreuze.

Seehofer forderte die Wirtschaft zur Einzahlung in einen Haftungsfonds auf, falls sich Gen-Pflanzen trotz vorgeschriebener Anbauabstände auf Nachbarfeldern mit normalen Saaten vermischen sollten: „Wirtschaft und Versicherungen müssen sich bei der Haftung engagieren, um Ausgleichszahlungen für betroffene Landwirte zu leisten. Denn sie wollen ja mit der grünen Gentechnik Gewinne einfahren.“ Steuermittel seien für den Fonds tabu.

Der Nutzen der grünen Gen-Technik müsse der Bevölkerung besser erklärt werden, betonte der Minister. Dass etwaige Aufklärungskampagnen die Verbraucher jedoch beruhigen könnten, ist unwahrscheinlich, sind sie doch schon heute verunsichert. Einer Umfrage zufolge misstrauen die Kunden schon heute Öko-Produkten. Nur 23 Prozent der Deutschen glauben, dass die bei Discountern angebotenen Lebensmittel ihr Biosiegel zu Recht tragen. Schlecht schnitten auch Supermärkte ab, ergab eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. Nur 36 Prozent vertrauten der Biokost dieser Anbieter. Hofläden stehen dagegen mit 71 Prozent bei den Verbrauchern am höchsten im Kurs. Hier können Öko-Produkte direkt vom Erzeuger gekauft werden. Im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Focus“ befragte das Institut 1 009 Menschen.

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