Birgit Homburger
FDP-Vize mit Nehmerqualitäten

Birgit Homburger ist im innerparteilichen Machtkampf der FDP mit einem blauen Auge davon gekommen. Die ehemalige Fraktionschefin wird auch künftig in der Bundespolitik aktiv bleiben, wenn auch auf einer anderen Position.
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RostockDie Woche vor dem FDP-Bundesparteitag begann für Birgit Homburger mit einem heftigen Machtkampf. Nach dem langjährigen Parteichef Guido Westerwelle geriet die damalige Bundestagsfraktionschefin im Führungsstreit der Liberalen unter Beschuss. Sie habe die „entscheidende Aufgabe, das Bild der FDP mitzuprägen, hundsmiserabel erfüllt“, schimpfte etwa Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef und Dauerquerulant Wolfgang Kubicki, der sie schon als unbekannteste Fraktionschefin im Bundestag bezeichnet hatte.

Auch die Pleite für die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wurde der 46-jährigen Landeschefin in den vergangenen Wochen vorgehalten. So spitzte sich die Lage für Homburger am vergangenen Wochenende zu, nachdem der Philipp Rösler - damals noch FDP-Chef in spe - vorschlug, mit deutlich vorgezogenen Wahlen zum Fraktionsvorsitz die Personaldebatte abzuschließen. Für Homburger begann damit eine Zitterpartie - ihr drohte der Abstieg in die Landespolitik.

Doch die Freidemokratin, die zu Beginn der Legislaturperiode eingesetzt wurde, um als mächtigste Frau in der FDP Westerwelle den Rücken frei zu halten, erwies sich als zäh. Kurzfristig sagte sie am Montag eine lang angekündigte Pressekonferenz ab und ging auf Tauchstation. Hinter den Kulissen begann ein heftiges Ringen um ihren Verbleib an der Spitze der Partei. Rainer Brüderle kam als ihr möglicher Nachfolger ins Gespräch.

Intern wurde aber damit gerechnet, dass sie eine Kampfabstimmung riskieren will. Und die direkte Konfrontation mit der am 11. April 1965 im baden-württembergischen Singen geborenen Katholikin wagte niemand. Bis kurz vor Beginn der Fraktionssitzung am Dienstag wurde gepokert, bis Rösler eine Kompromisslösung fand: Er werde Homburger nach seiner Wahl zum Parteichef als erste Stellvertreterin vorschlagen.

„Mich wirft so schnell nichts um“, sagt Homburger über sich selbst. Und Beharrlichkeit hat sich in den vergangenen Wochen bewiesen. Das kam nicht bei allen Freidemokraten gut an. So verpassten ihr die Delegierten in Rostock bei der Wahl zur FDP-Vize einen Denkzettel: Lediglich 66 Prozent stimmten für sie.

Vor ihrer Wahl verteidigte Homburger - die eigentlich Fußballstar oder Kriminalkommissarin werden wollte - auf dem Parteitag ihre Arbeit. Die Fraktion habe einiges durchgesetzt wie etwa das „Löschen statt Sperren“ von Kinderpornographie im Internet. Auch beim Euro habe die FDP einen Erfolg mit dem Antrag im Bundestag errungen, dass keine Schuldenunion erwünscht sei. „Dieser Fraktionsvorsitz war mein Traumjob“, sagte sie. Aber sie habe entschieden, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, damit Rösler „einen guten Start hat“. An ihrer Performance sei sicherlich manches auch verbesserungswürdig gewesen, räumte sie ein. Das liege vielleicht auch daran, „dass wir Baden-Württemberger alles können außer Hochdeutsch“.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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