Bis Oktober bleibt alles beim alten
Krise der IG Metall weiter ungelöst

Die Führungskrise der IG Metall bleibt vorerst ungelöst. Der Vorstand konnte sich am Dienstag nach 13-stündiger Debatte nicht auf Konsequenzen aus der Streikniederlage in Ostdeutschland einigen. Der umstrittene stellvertretende Vorsitzende Jürgen Peters widersetzte sich den Rücktrittsforderungen von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und mehreren anderen Vorstandsmitgliedern.

Reuters FRANKFURT. Zwickel räumte am Dienstagabend ein, dass Vorschläge für personelle Konsequenzen keine Mehrheit gefunden hätten. Er selbst habe seinen vorzeitigen Rücktritt angeboten, wenn auch Peters zurücktrete und auf eine Kandidatur für den Chefposten verzichte, sagte Zwickel vor Journalisten. Dies habe Peters aber abgelehnt.

Mit einem Doppelrücktritt wäre der Weg für einen baldigen außerordentlichen Gewerkschaftstag frei gewesen, um nach einer Übergangslösung zu suchen, sagte Zwickel. „Ich als Vorsitzender habe meine wichtigste Aufgabe darin gesehen, den offen ausgebrochenen Streit für verschiedene Richtungen oder Lager in der IG Metall soweit als möglich zu begrenzen“, erläuterte ein sichtlich enttäuschter Zwickel. „Wenn diese Auseinandersetzung nicht beendet werden könnte, dann würde unsere angeschlagene Durchsetzungsfähigkeit darunter mit Sicherheit noch weiter leiden“, fügte er hinzu.

Ebenso sei der Vorschlag des VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert für einen geschlossenen Rücktritt des 41-köpfigen Hauptvorstandes gescheitert, sagte Zwickel. Auch zu inhaltlichen Schlussfolgerungen aus der schwersten Niederlage der IG Metall seit fast 50 Jahren gab es laut Zwickel keine Einigung. Die beiden von Zwickel und Peters vorgelegten Papiere seien lediglich diskutiert worden. „Diese Berichte stimmen in der Bewertung weitgehend überein. Es gibt unterschiedliche Schlussfolgerungen was sowohl inhaltlich als auch an personellen Konsequenzen gezogen werden soll“, sagte Zwickel.

Tandemlösung existiert nicht mehr

Der bisher als künftiger stellvertretender Vorsitzender vorgesehene baden-württembergische Bezirkschef Berthold Huber hat nach den Worten Zwickels in der Sitzung seinen Verzicht auf ein Führungsamt erklärt und dies mit dem Ziel, die Einheit der IG Metall zu erhalten begründet. „Das Tandem existiert so nicht mehr“, sagte Zwickel. Nach seinem Willen und dem der Peters-Gegner sollte Huber nach einem Verzicht von Peters an dessen Stelle neuer IG-Metall-Chef werden.

Unmittelbar nach Zwickel äußerte sich auch Peters, der deutlich zufriedener wirkte, als der IG-Metall-Chef, der seinen Platz vor den Mikrofonen mit dem Eintreffen seines Stellvertreters verließ. Es sei ihm wichtig gewesen, dass er im Vorstand den von Zwickel und anderen öffentlich erhoben Vorwurf zurückgewiesen habe, wonach er die Streiktaktik für die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland hinter dem Rücken der IG-Metall-Führung geändert habe. Die Entscheidung Hubers bedauerte Peters mit den Worten: „Ich bedaure sehr, dass der Berthold diese Tandemlösung ... nicht mehr aufrechterhalten will. Wir müssen jetzt versuchen, die Einheit in der Gewerkschaft schnellstmöglich wieder herstellen“, sagte Peters, ohne allerdings dafür schon eine Lösung zu nennen.

Neuer Personalvorschlag für Stellvertreter in Kürze

Ein neuer Personalvorschlag werde allerdings „ziemlich zeitnah“ erfolgen, sagte er und bekräftigte seine eigene Kandidatur für den Chefposten auf dem Gewerkschaftstag im Oktober. „Ich habe deutlich gemacht, dass ich mich dem Gewerkschaftstag stellen werde“, sagte der 59-Jährige.

Anfang April war Peters nach Stimmengleichheit zwischen ihm und Huber vom Vorstand als Nachfolger für Zwickel nominiert worden. Huber sollte nach diesem Modell neuer Stellvertreter werden. Dies galt seinerzeit als Kompromiss für die beiden Lager in der IG Metall, die sich in den vergangenen Wochen zunehmend verfeindet haben.

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