Bischof Mixa erneuert Kritik an von der Leyen
Kinderbetreuung bleibt Streitthema

Der Streit um die Kinderbetreuung kocht weiter. Der Augsburger Bischof Walter Mixa will sich für seine harsche Kritik an Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nicht entschuldigen; im Gegenteil: Er bekräftigt seinen Gebärmaschinen-Vorwurf. Kritik erntet der Bischof nun von evangelischen Kollegen.

HB HAMBURG/BERLIN/OSNABRÜCK. Laut „Bild“-Zeitung lehnte es Mixa ab, sich für seinen Vorwurf zu entschuldigen. „Meine Kritik richtet sich gegen eine Politik, die es einseitig fördert, dass junge Mütter ihre kleinen Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Fremdbetreuung geben sollen, statt sich ganz und gar ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren zu widmen“, sagte der katholische Bischof dem Blatt zufolge. Wer den Müttern diesbezüglich keine Wahlfreiheit zugestehe und dennoch politisch mehr Geburten fordere, der degradiere Mütter, drastisch gesprochen zu Gebärmaschinen. „Dabei bleibe ich“, sagte Mixa.

Die evangelische Kirche hat von der Leyen gegen die Angriffe des katholischen Bischofs in Schutz genommen. „Ich bin über die Wortwahl wie über die Aussage sehr erstaunt. Einen sachlichen Beitrag zur Diskussion kann ich darin nicht erkennen“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, der „Berliner Zeitung“. Die Pläne der Bundesregierung für einen Ausbau der Kleinkindbetreuung unterstütze die evangelische Kirche voll und ganz. Es gehe um das wichtige Thema, welches Spektrum an Möglichkeiten man Eltern biete, damit sie ihre Verantwortung für die Kindererziehung wahrnehmen könnten. „Ich bedaure sehr, dass es derart kleinlich diskutiert wird“, sagte Huber.

Das Fatale sei, dass in der familienpolitischen Debatte nach allen Seiten ein schlechtes Gewissen erzeugt werde. Vor allem Frauen seien davon betroffen. „Den Hausfrauen wirft man vor, sie entzögen sich dem Arbeitsmarkt, den berufstätigen Müttern, sie entzögen sich ihren Kindern, und Kinderlosen wird vorgeworfen, dass sie keine Kinder bekommen“, sagte der EKD-Chef. Die Männer schauten zu und stünden vergleichsweise gut da. Das sei ungerecht und inakzeptabel.

Unterdessen hat SPD-Fraktionschef Peter Struck hat für seine Partei die Führungsrolle in der Familienpolitik reklamiert. Mit seriösen Finanzierungskonzepten und der nötigen Durchsetzungskraft in der Koalition gewährleiste die SPD die Erneuerung in der Familienpolitik, sagte Struck dem „Tagesspiegel am Sonntag“ laut Vorabmeldung. Auch nach Strucks Vorstellungen könnte die nächste Kindergeld-Erhöhung ausbleiben, um Krippen und Kindergärten auszubauen. In den Haushalten von Bund, Ländern und Kommunen müssten mehrere Milliarden Euro schrittweise umgeschichtet werden. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warf er vor, ihre richtige Politik nicht durchsetzen zu können. Zwar habe sie sozialdemokratische Positionen übernommen und setze den Kurs ihrer Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) fort. Mit der Forderung, mehr Krippenplätze zu schaffen, stehe die Ministerin aber in der Union ziemlich allein. Außerdem könne sie nicht sagen, wie sie ihre Pläne finanzieren wolle.

Seite 1:

Kinderbetreuung bleibt Streitthema

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%