„Bitter und peinlich“ Schönefeld-Verzögerung schockiert Politik

Dass die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld verschoben wird, hat die Politik kalt erwischt. Entsprechend harsch fallen die Reaktionen aus. Unter Beschuss gerät vor allem die Betreibergesellschaft.
Update: 08.05.2012 - 15:08 Uhr 22 Kommentare

Zeitplan geplatz

Zeitplan geplatzt

BerlinDie Landesregierungen von Berlin und Brandenburg haben mit Erstaunen auf die angekündigte Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens reagiert. „Wir sind überrascht worden“, sagte der brandenburgische Innenminister Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam. Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) verließ wortlos die gemeinsame Kabinettssitzung der Regierungen beider Länder. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verwies lediglich auf die Stellungnahmen in Schönefeld.

Dort teilte die Betreibergesellschaft Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH mit, dass sich die geplante Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens zu einem „Termin nach der Sommerpause“ verzögern werde. Begründet wurde dies damit, dass nicht garantiert werden könne, dass bis zum ursprünglich geplanten Eröffnungstag am 3. Juni der Brandschutz abgenommen und überprüft worden sei.

Politiker der schwarz-gelben Koalition befürchten angesichts der erneut verzögerten Eröffnung negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Dass die geplante Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens gekippt wurde, ist in der Tat eine Blamage und kein Ruhmesblatt für Berlin, Brandenburg, Wowereit und Co“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, Handelsblatt Online.  „Darüber hinaus ist es ein massiver Imageschaden für den Standort Deutschland.“

Der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, sprach von einer sehr unerfreulichen Entwicklung. „Ich bin sehr erschrocken, dass es vor der Eröffnung plötzlich Probleme beim Brand- und Katastrophenschutz geben soll, nachdem uns bis zuletzt gesagt wurde, alles sei im Plan“, sagte Döring Handelsblatt Online. „Der Vorwurf, es gebe keine abnahmefähigen Unterlagen, muss dringend aufgeklärt werden.“

Kritik äußerte auch der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel. „Natürlich ist die Verschiebung für den Wirtschaftsstandort Berlin peinlich“, sagte Steffel Handelsblatt Online. „Jeder mittelständische Unternehmer wäre bei so einer Planung am Rande der Pleite oder würde in Schadensersatzansprüchen ersticken.“ Mit einem Augenzwinkern fügte Steffel allerdings hinzu: „Ich freue mich als Reinickendorfer Bundestagsabgeordneter natürlich über jeden Tag, den der Flughafen Tegel länger geöffnet hat.“

Harsche Kritik äußerten auch SPD und Grüne, die den Verantwortlichen Versagen auf ganzer Linie vorwarfen. „Dass es zu Verzögerungen kommt ist bitter und peinlich für die Projektsteuerung“, sagte SPD-Fraktionsvize Florian Pronold Handelsblatt Online. Kritisch sieht er auch, dass die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg offenbar vom Stopp der Inbetriebnahme überrascht wurden.

„Wenn Informationen so spät fließen, dann spricht das für eine Überforderung der Projektverantwortlichen.“ Ähnlich äußerten sich die Grünen. „Das Projektmanagement der Flughafengesellschaft ist erstaunlich unprofessionell“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), Handelsblatt Online.

Auch Lärmschutz wieder ein Thema
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22 Kommentare zu "„Bitter und peinlich“: Schönefeld-Verzögerung schockiert Politik"

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  • Von mir aus soll der BER in Pleiten und Pannen ersticken. Und mit ihm das ganze Lügenpack, das uns Bürger und Steuerzahler seit Jahren belügt, betrügt und verarscht, Hauptsache nur, die eigene Kasse klingelt... Man möchte platzen vor Wut und Hilflosigkeit!

  • Sollen sie BER doch Münchhausen nennen und nicht Willy-Brandt.

  • Betrogene Betrüger? Wir glauben kein Wort mit dem "leicht verzeihbaren" Brandschutz. Es ist garantiert was anderes.... Man kann dem Flughafen und dieser Champagnergesellschaft nur das wünschen, was sie gerade bekommen haben und die Anwohner bekommen werden. Herzinfarkte und persönliche Pannen bis zum Abwinken. Wir spucken auf den Flughafen BER. Fam. Wegner, Mahlow.

  • Firmen am Bau : Mehr Kontrolle nötig !
    Ruhm haben sich einige deutsche Firmen bei einigen
    Großprojekten in Deutschland wahrlich nicht erworben:
    Gravierende Mängel an der Kaimauer des neuen See-
    hafens in Wilhelmshaven, gravierende Sicherheitsmängel
    am neuen Flughafen in Berlin, eine Fülle verschiedenster
    Mängel beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg zeigen
    ganz deutlich, daß mehr begleitende Kontrollen während
    der Bauzeit erforderlich sind. Das sollte jeder Bauherr
    verinnerlichen, damit böse Überraschungen, wie eine Kosten-
    steigerung oder eine Terminverzögerung , eher vermieden
    werden können. Allerdings, mit den genannten Problemen
    in Berlin, Hamburg und Wilhelmshaven empfehlen sich die
    jeweils verantwortlichen Baufirmen wahrlich nicht für
    weitere Großaufträge der öffentlichen Hand. Jürgen Kalähne

  • baut das erstmal in Ruhe fertig. Und wenn das so weit ist, dann prüft und testet in Ruhe. Und kein Druck, keine Hektik. Damit hat noch nie etwas gut geklappt. Und dann sagt mal einen neuen Eröffnungstermin. Aber nicht jetzt.

  • Die aktuelle Situation am neuen Berliner Flughafen ist ein klassisches Versagen des Aufsichtsrats. Es zeigt sich wieder mal, dass Kontrolle durch Politiker und staatliche Organisationen zum Scheitern verurteilt ist. Einem professionellen Aufsichtsrat aus der Privatwirtschaft wäre das wohl nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaß passiert.

    Wenn der oberste Kontrolleur, Wowereit, auch noch behauptet, er wäre überrascht, so spricht das Bände, wie er seine Pflicht vernachlässigt hat. Theoretisch könnte er sogar persönlich für seine mangelnden Kontrollpflichten in die Haftung genommen werden. Politiker, die immer nach Managerhaftung rufen, müssen jetzt erklären, wie sie damit umgehen wollen, wenn sie selbst in einer Managerfunktion möglichen Schaden ausgelöst haben.

  • rot rot wowi muss gehen und zwar schnell seit 1998 in plannug hura deutschland!

  • Einer der Geschäftsführer und gleichzeitig Chefplaner des BBI, Herr Dr. Körtgen wurde 2010 zum Dr.-Ing. mit dem Thema "Optimierungsansätze zur prozessorientierten Abwicklung komplexer Baumaßnahmen unter Einsatz neuer Informations- und Kommunikationssysteme" promoviert. Den hierfür erforderlichen und sicherlich immensen Zeitaufwand hätte er mal lieber in das Neubauprojekt investieren sollen, zumal der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn seiner Forschungsarbeit - vorsichtig ausgedrückt - eher dürftig ist.

  • Leute, jetzt mal im Ernst: Gibt es irgendjemanden, der tatsächlich glaubt, Berliner könnten sowas im Griff haben??? Die hocken doch schon seit 50 Jahren mit offenem Maul da und warten, bis ihnen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Geld raushauen können se, aber sonst nix!

  • BERLIN UND SEINE GROSSPROJEKTE
    ..............................
    .. eine unendliche geschichte..
    ..
    ein tag nach der landtagswahl in schlewig.holstein
    stellen die SOZIALDEMOKRATEN in berlin und branden-
    burg ihre wirtschaftliche kompetenz eindrucksvoll
    unter beweis..
    ..
    ein gemeinsames grossprojekt wird immer teurer - die
    fertigstellung wird immer wieder verschoben - und die
    folgekosten für die fluggesellschaften sind nicht ab-
    zusehen..
    ..
    welch eine empfehlung für künftige wahlen..!!
    das herz schlägt links....und der verstand...stopp
    ..
    bitte als ironie kennzeichnen
    ..

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