BKA und BaFin
Online-Einkäufer zunehmend im Visier von Geldwäschern

Geldwäscher greifen in Deutschland zu immer raffinierteren Methoden. Sie machen zunehmend Privatkunden zu ihren Komplizen, die - ohne es zu merken - ihr Konto für kriminelle Machenschaften zur Verfügung stellen, wie das Bundeskriminalamt und die Finanzaufsicht BaFin am Mittwoch feststellten.
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HB FRANKFURT. Die Drahtzieher werben demnach gezielt Menschen an, die im Internet einkaufen und ihr Konto gegen eine Provision für Überweisungen illegaler Gelder bereitstellen. „Das sind ganz naive Menschen, die ihre Bankkonten für derartige Transaktionen zur Verfügung stellen“, sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundeskriminalamt. Durch die wachsende Zahl solcher „Finanzagenten“ sei die Zahl der Anzeigen wegen des Verdachts der Geldwäsche im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf rund 9050 Fälle nach oben geschnellt. Dabei geht mittlerweile jede vierte Anzeige auf Betroffene zurück, die in die Falle der Geldwäscher gingen. Insgesamt hat sich die Zahl der Anzeigen seit 1995 mehr als verdreifacht.

„Geldwäscher gehören zu den kreativsten Menschen auf diesem Planeten. Sie wechseln laufend ihre Methode - das macht unsere Arbeit sehr schwierig“, sagte Sanio. Die Kriminellen nutzen zudem ausländische Zahlungsdienstleister, die in Deutschland Internetcafes, Callshops oder Reisebüros als Stützpunkte installiert haben. Auf diese Weise entziehen sich die Unternehmen gezielt der Aufsicht durch die BaFin, die bislang lediglich für Finanzinstitute zuständig ist und gegen diese Kleinunternehmen keine Handhabe sieht. Auch machen sich die Drahtzieher vermehrt den schnell wachsenden Bereich der vorab bezahlten Wertkarten (Prepaid) und der Mobiltelefonie zunutze.

Bei etwa der Hälfte der mehr als 9000 Anzeigen wegen Geldwäsche aus dem Vorjahr hat sich der Verdacht einer Straftat den Angaben zufolge erhärtet. In den meisten Fällen wurde den Personen ein Betrugsdelikt zur Last gelegt. 98 Anzeigen enthielten zudem Hinweise auf Terrorismusfinanzierung. Oftmals wurden durch die Anzeigen wegen Geldwäsche erst entsprechende Ermittlungen in Gang gesetzt. „Das ist ein entscheidender Ansatz, um terroristsche Anschläge mit möglicherweise verherrenden Auswirkungen zu verhindern“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke.

Auch der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten geriet ins Visier der Geldwäsche-Fahnder. Seit Ende Juli 2009 seien vermehrt Hinweise von Kreditinstituten und Energiekonzernen eingegangen. Bislang gebe es 62 Anzeigen wegen des Verdachts des Umsatzsteuerbetrugs. Der entsprechende Schaden für den Fiskus liege im dreistelligen Bereich, sagte Ziercke.

Um den Geldwäschern künftig gezielter das Handwerk zu legen, forderten BaFin und BKA eine bessere internationale Zusammenarbeit. Die Verbrecher seien international gut vernetzt und arbeiteten über Ländergrenzen hinweg. Ohne ein gleichgerichtetes Vorgehen liefen die in Deutschland begonnenen Ermittlungen oft ins Leere.

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