Bleiben oder wieder gehen?
So laufen Asylverfahren ab

Deutschland – gelobtes Land? Tausende fliehen vor Krieg, Krisen und Armut aus ihren Heimatländern. Doch bis zum Entscheid, ob sie bleiben dürfen oder nicht, durchlaufen sie ein kompliziertes und langwieriges Verfahren.
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BerlinDas Ziel sind drei Monate. Der Bund will Asylverfahren deutlich beschleunigen, um mit der rasant wachsenden Zahl an Flüchtlingen fertig zu werden. In Zukunft sollen Asylbewerber nach spätestens drei Monaten erfahren, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Derzeit dauert es bis dahin noch im Schnitt 5,3 Monate. Das ist schon um einiges schneller als 2014 (7,1 Monate).

Doch viele Asylbewerber müssen auch heute noch mehr als ein Jahr warten, bis ihr Antrag bearbeitet ist: Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan oder Eritrea etwa. Bis zur Entscheidung durchlaufen diese Menschen ein kompliziertes Verfahren mit vielen Unwägbarkeiten.

Was passiert nach der Ankunft in Deutschland?
Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, muss sich erst mal registrieren lassen. Meist passiert das in der nächstgelegenen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber im jeweiligen Bundesland. Dort wird entschieden, ob derjenige bleiben kann oder in ein anderes Bundesland weitergeschickt wird.

Wie wird entschieden, wo ein Asylbewerber hinkommt?
Die Verteilung auf die Bundesländer läuft nach dem „Königsteiner Schlüssel“ – ausgerichtet nach Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl der Länder. Das heißt, Nordrhein-Westfalen nimmt die meisten auf, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Verwaltet wird das Ganze per Computer. Ein Verteilungssystem spuckt aus, welchem Land ein Asylbewerber zugeordnet wird.
Die Verteilung richtet sich aber auch danach, aus welchem Staat derjenige kommt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das sämtliche Asylanträge bearbeitet, hat Außenstellen in allen größeren Erstaufnahmelagern der Länder. Aber nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland.

Wo kommen Asylbewerber unter?
In den ersten Wochen – maximal drei Monate – wohnen sie in einer Erstaufnahmestelle des Landes, dem sie zugeordnet wurden. Erst danach werden sie weiter auf eine Stadt oder Gemeinde verteilt. In den Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Schutzsuchenden mit Essen und Kleidung versorgt.
In der dortigen BAMF-Außenstelle stellen sie ihren Asylantrag. Dort werden Personalien erfasst, Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen und mit verschiedenen Datenbanken abgeglichen.
Die Menschen erhalten außerdem ein Ausweisdokument, das den vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland erlaubt – für die Dauer ihres Asylverfahrens. In dieser Zeit dürfen sie sich innerhalb des jeweiligen Bundeslandes bewegen, zum Teil darüber hinaus. Und zu Kurzbesuchen dürfen sie bundesweit durch die Republik fahren.

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