Blessing und Müller unter Druck
„Commerzbank braucht neue Köpfe an der Spitze“

Noch vor sechs Jahren war die Commerzbank knapp 25 Milliarden Euro wert. Inzwischen ist das Institut an der Börse nur noch knapp sechs Milliarden Euro schwer. Der Bund als Großaktionär ist massiv verärgert.
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BerlinVor wenigen Monaten ließ eine Expertise des Ratingriesen Standard & Poor's (S&P) zur Commerzbank aufhorchen. Die Experten zeigten sich damals wenig überzeugt von den Plänen von Vorstandschef Martin Blessing, die zweitgrößte deutsche Privatbank wieder auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank werde „komplexer und zeitraubender sein als gedacht“, urteilten die Kreditanalysten damals und drohten kurzerhand mit einer Herabstufung. Heute zeigt sich: die Einschätzung der S&P-Leute fiel sogar noch milde aus.

Der Börsenwert des teilverstaatlichten Dax-Konzerns ist massiv geschrumpft – von knapp 25 Milliarden Euro vor sechs Jahren auf heute sechs Milliarden Euro.

Wie prekär die Lage ist, zeigt die erneute Kapitalerhöhung der Bank. 2,5 Milliarden Euro sollen eingesammelt werden, um den Einstieg in den Ausstieg des Staates zu schaffen. Doch für Alt-Aktionäre wir die Aktion noch schmerzhafter als befürchtet. Die Aktien werden zu einem Preis von gerade einmal 4,50 Euro pro Stück platziert. Am Montag war noch über einen Emissionspreis von rund fünf Euro spekuliert worden.

Dass die derzeitigen Vorgänge bei der Bank die Politik nicht ungerührt lassen, ist nicht verwunderlich. Die Bundesregierung hatte das Institut in der Finanzkrise vor dem Aus gerettet, indem der Bankenrettungsfonds SoFFin für 1,8 Milliarden Euro 25 Prozent an der Bank übernahm und weitere 16,4 Milliarden Euro in Form Stiller Einlagen in das Geldhaus steckte. Von den Stillen Einlagen sind noch 1,6 Milliarden Euro übrig, die nun ebenso zurückgezahlt werden sollen wie die 750 Millionen Euro schwere Mitgift der Allianz. Der Versicherer hatte die Commerzbank mit einer Stillen Einlage nach deren Fusion mit der Dresdner Bank gestützt.

Angesichts der desolaten Lage der Bank gerät nun die Konzernspitze unter massiven Druck der Politik. Die Grünen halten sowohl Vorstandschefs Blessing als auch Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller für nicht länger tragbar. Die Union will den beiden dagegen noch eine Galgenfrist einräumen.

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  • Blessing hat sich bisher nicht hervorgetan und gehört zu den McKinseytypen, die in Führungspositionen gut sind wenn ales gut läuft. Der eigentliche Schwachpunkt ist der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller.

  • :) mag sein. Mir tun nur die Mitarbeiter leid. Die Quote der Coba Mitarbeiter die unter Exsistenzängsten leiden steigt ständig. So stark das der Vorstand hier bereits externe Firmen beauftragt die Mitarbeiter zu betreuen. @Herr Blessing und Herr Müller - hätten Sie besser mal Ihren Job gemacht!!! - wie können Sie Beide eigentlich noch schlafen???

  • Nein, da muss ich Ihnen heftigst widersprechen!!!
    Der TSV 1860 München verlängert in so einer Situation die Verträge!!!

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