Blockupy-Protest
Warum die EZB zur Zielscheibe wird

Die Globalisierungskritiker von Blockupy haben ihre Unschuld verloren. Die Europäische Zentralbank in Frankfurt ist zur Festung geworden. Europa macht uns kirre. Ein Kommentar.
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Während in Frankfurt noch demonstriert und randaliert wird, lassen sich durch die Rauchschwaden aus den angezündeten Autos, durch das Wehklagen von an die 100 Verletzten und den Lärm der Sirenen bereits drei Schlussfolgerungen ziehen. Hier sind sie:

Erstens: Blockupy hat seine Unschuld verloren. Aus den unorthodoxen Kapitalismus-Kritikern, die mal laut und mal leise, aber stets mit Nachdruck ihre Forderungen vorbrachten, die mal chaotisch, mal gewitzt ihren Protest vorgebracht haben, ist eine Gruppe geworden, in deren Gefolgschaft Schläger, Randalierer und Berufsunzufriedene mitziehen. Blockupy hat damit Sympathien bei denen verspielt, die Gewalt als politisches Mittel ohne Wenn und Aber ablehnen.

Zweitens: Die friedlichen Demonstranten von Frankfurt haben sich mit der EZB das falsche Ziel ausgesucht. Die EZB verteilt Geld, viel Geld, das helfen soll, die darbenden Staaten im Euro-Raum über Wasser zu halten. Und das Über-Wasser-halten hat bisher funktioniert.

Dass es dabei den Menschen vornehmlich in Griechenland nicht besser geht, liegt nicht an der EZB. In Griechenland werden sinnvolle Reformen mit einer ungleichen Lastenverteilung kombiniert. Dort haben die, die sowieso wenig haben, inzwischen noch weniger als vor den Rettungspaketen. Das aber ist keine Folge der EZB-Politik oder der Troika, an der die Zentralbank beteiligt ist, sondern es ist eine Frage des Regierungsmanagements in Athen.

Drittens und das ist entscheidend: Offenbar gelingt es der EZB nicht, sich verständlich zu machen. Für eine Institution, die derart ins Leben der Menschen im Euro-Raum eingreift, die ständig über das Geld der anderen entscheidet, ist das unentwegte Erklären dessen, was sie tut, unerlässlich.

Auf jeden Eingriff in die Geldpolitik müssen hunderte von Erklärungsansätzen folgen. Tatsächlich aber agiert die Zentralbank in hermetisch abgeriegelten Räumen, in Ritualen, und in entrückten Gedankenwelten von Ökonomen, die sich für ihre Entscheidungen niemals öffentlich erklären müssen.

Die Unabhängigkeit der EZB hat dazu geführt, dass sie sich wie in einer Festung einigelt. Und Festungen haben neben der Eigenschaft, ihre Bewohner zu schützen, auch eine Ausstrahlung, die die Unzufriedenen unter uns zum Stürmen geradezu auffordert.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Blockupy-Protest: Warum die EZB zur Zielscheibe wird"

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  • "Und das Über-Wasser-halten hat bisher funktioniert"

    Ein """Markt""" den man mit "Falschgeld"" zuschei....en muss ,damit
    er funktioniert ist meiner Ansicht nach TODKRANK!

    Da kanns garnicht genug brennen!
    Das war nur die Ouvertüre....

    Ein Vorgeschmack darauf, was passieren wird ,wenn auch der Dümmnste
    begriffen hat , das SÄMTLICHE Kaiser nackt sind!


  • @ Bauer

    >> Herr Draghi ist ein von demokratisch gewählten Parlamenten berufener Repräsentant für den Euro >>

    Selten so viel Dämlichkeit in einem Satz gelesen....!

    Draghi ist ein Bänkster-Mafiosi, ernannt von Bänkster-Lobbyisten der europäischen Parlaments-Korruptionären und Politoligarchen der Geld-Mafia.

    Das alles hat mit "DEMOKRATIE" schon lange nichts mehr zu tun.

  • Die Massnahme ist und bleibt sinnfrei, sie führt nur zu einer weiteren Umverteilung von der Mittelschicht zu den leistungslosen Superreichen ... da ist der Wechselkurs nur Nebenthema! Außerdem ist auch der USD eine Weichwährung, wenn schon Wechselkursvergleiche, dann mit dem CHF. Da sieht man mal wie viel Kaufkraft in den letzten 15 Jahren im EUR-System verfeuert wurde.

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