Blüml wirft Verlagen pädagogische Verantwortungslosigkeit vor
Bundeskanzler Schröder gegen Reform der Rechtschreibreform

Gegen eine Rücknahme der Rechtschreibreform ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der srtellvertretende Regierungssprecher Hermann Langguth sagte in Berlin: „Es gibt seitens der Bundesregierung keine Überlegungen, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen.“

HB BERLIN. Der Kanzler habe bereits vor Wochen klar gemacht, dass er es für falsch halte, die Reform rückgängig zu machen. Langguth verwies grundsätzlich auf die Zuständigkeit der Länder in dieser Frage.

Der Vorsitzende der zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, Karl Blüml, warf den zur alten Rechtschreibreform zurückgekehrten Verlagen derweil pädagogische Verantwortungslosigkeit vor. Im Deutschland-Radio Berlin sagte Blüml; die Verlage setzten Kinder, Eltern und Lehrer unter schweren Druck. Er gehe davon aus, dass die vor Jahren eingeführte neue Rechtschreibung Bestand haben werde, betonte er. „Völlig unterwartet war für uns die Entscheidung der Verlage, wieder zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, nachdem seit Jahre in den Schulen die neue unterrichtet wurde.“

Ihn überrasche die Leidenschaftlichkeit der Debatte in Deutschland. Auch in der Schweiz und in Österreich gebe es Kritik. „Aber die ist moderat“, sagte er. Die neue Rechtschreibung habe keine gravierenden Veränderungen gebracht, betonte Blüml. Man habe versucht, die Ausnahmen abzuschaffen. „Das Hauptziel war es, den Menschen zu ermöglichen, nach einer Grundregel zu schreiben“, sagte er. Bei der Groß- und Kleinschreibung habe sich die Treffsicherheit von 60 auf 95% erhöht.

Blüml räumte ein, dass Nachbesserungen nötig seien. Hierzu diene der vierte Bericht der zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, der jetzt veröffentlicht werde. „Hier werden solche Fälle aufgegriffen“, sagte er.

Bei einem Ausstieg Deutschlands aus der neuen Rechtschreibung rechne er nicht damit, dass Österreich und die Schweiz mitzögen. „Es gab 1996 einen Vertrag in Wien. Und daran waren etwa sieben Staaten beteiligt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da so ohne weiteres aussteigt.“ Er glaube, dass die Reform Bestand habe. „Dass sie modifiziert und weiterentwickelt werden muss, ist aber sicher““, betonte Blüml.

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