Bologna-Reform
Hochschulen fehlt Bezug zur Praxis

Zehn Jahre nach Bologna ist die von der EU beschlossene Hochschulreform in den Bundesländern unterschiedlich weit fortgeschritten. Einige Länder lassen sich viel Zeit mit der Bologna-Reform, wie eine Untersuchung des Stifterverbandes zeigt. Schlechte Ergebnisse weisen viele Länder vor allem beim Praxisbezug auf.
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BERLIN. In dieser Woche sollen die Proteste für bessere Studienbedingungen ihren Höhepunkt erreichen. Dass es "an etlichen Stellen Nachbesserungsbedarf" gibt, hat die Präsidentin der Hochschulrektoren, Margret Wintermantel, freimütig eingeräumt. Auch die Kultusminister geloben Besserung. Doch der Nachholbedarf bei der 1999 von der EU in Bologna beschlossenen Hochschulreform ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich.

Vorreiter sind Berlin, Brandenburg und Bremen. Sie haben nicht nur schon sehr viele Studiengänge auf das Bachelor/Master-System umgestellt, sondern schneiden auch bei Praxisnähe, Internationalität und Mobilität der Studenten besonders gut ab. Das zeigt der neue "Ländercheck Wissenschaft" des Stifterverbandes der deutschen Wirtschaft für die Wissenschaft, den das Handelsblatt vorab veröffentlicht. Die üblichen Verdächtigen hingegen, Länder mit besonders vielen Elite-Universitäten wie Bayern und Baden-Württemberg, haben gerade mal die halbe Strecke des langen Weges nach Bologna geschafft. "Schlusslichter sind Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen", schreiben die Autoren Pascal Hetze und Mathias Winde.

Solche Ratings zu aktuellen wissenschaftspolitischen Themen will der Stifterverband künftig regelmäßig aufstellen - und so den föderalen Wettbewerb anheizen. Die Umsetzung von Bologna wurde anhand von 15 Indikatoren bewertet: vier davon messen die Einführung von Bachelor und Master, fünf den Praxisbezug und die Möglichkeit zum lebenslangen Lernen und sechs die studentische Mobilität und die globale Attraktivität der Hochschulen. Tendenziell gilt: Wer bei der Umsetzung von Bachelor und Master weit gekommen ist, schneidet auch bei den anderen Zielen besser ab.

Bei der Einführung des gestuften Studiums zeige sich, dass insgesamt "der Norden deutlich weiter fortgeschritten ist als der Süden", sagt Winde.

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