
BERLIN. Ob das Handelsblatt jetzt auch einsteige in die Reihe der tendenziösen Berichte über Boris Berger, will der Mann am Telefon wissen. Der Anruf gestern Nachmittag kommt überraschend, denn der, der da so gut informiert ist über die redaktionellen Pläne dieser Zeitung, ist - Boris Berger.
Der engste Vertraute von NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers hat in der Endphase des Wahlkampfs alle Hände voll zu tun. Lange Jahre stand er Rüttgers in der Staatskanzlei zur Seite, jetzt arbeitet er von der Parteizentrale aus. Dabei ist dem Politikberater das Schlimmste passiert, was in seinem Metier geschehen kann: Er ist zur öffentlichen Figur geworden.
Egal, ob es um die Frage geht, wie ein Unternehmen eine Spende steuerlich günstig verbuchen kann, oder um die Videoüberwachung der SPD-Spitzenkandidatin. Egal, ob über eine angebliche Dienstwagenaffäre berichtet wird oder über E-Mails, in denen im rüden Ton über Hannelore Kraft hergezogen wird, egal, ob es sich um handfeste Affären handelt oder um kleine Geschmacklosigkeiten - bei all den Vorwürfen, die die NRW-CDU in diesen Tagen erschüttern, führt die Spur irgendwann zu Berger.
Wie ein Schatten folgte der heute 37-Jährige seinem Chef Jürgen Rüttgers in den vergangenen fünf Jahren an der Macht. Traf Rüttgers in Detroit den damaligen GM-Chef Rick Wagoner, saß von deutscher Seite außer einem IG-Metaller nur einer mit im Raum - der Hauptmann der Reserve, Berger.
Inzwischen sitzt Berger in einem spärlich und schwarz möblierten Büro in der Parteizentrale, direkt gegenüber vom Generalsekretär der NRW-CDU, Andreas Krautscheid. So gut wusste Berger auch in der Staatskanzlei über die Wahlkampfplanungen der CDU Bescheid, dass Krautscheid seinen neuen Posten nur unter einer Bedingung antrat: Berger musste ebenfalls wechseln. Das konnte man als Auszeichnung verstehen, ist aus Sicht der Opposition aber verräterisch. Denn Kern der Vorwürfe gegen die NRW-CDU ist ja, dass es die Partei mit der Trennung von Staats- und Parteiapparat nicht immer so genau genommen habe. Bekannt wurden all diese Geschichten aus dem Innersten der Macht durch den Internet-Blog "Wir in NRW". Beinahe im Tagesrhythmus kommen Einzelheiten ans Licht, in der Regel belegt mit E-Mails, die Berger zumeist vor Jahren verschickte. Die CDU sucht intern nach Lecks.
Für Rüttgers erledigte Berger viel Unbequemes, auch alte Mitstreiter mussten gehen. Viele von ihnen haben Rechnungen mit ihm offen, die jetzt beglichen werden. Bergers Talent als Politberater bestreitet indes kaum einer. Er war es, der Rüttgers das Image des Arbeiterführers verpasste und so eine Voraussetzung dafür schuf, dass CDU-Ministerpräsident und das sozialdemokratisch geprägte Land zusammenpassten. Rüttgers bezeichnet Berger als sehr, sehr guten Mitarbeiter. Aber nicht als Freund.
irgendwie fehlt mir die Logik: Wieso soll berger untragbar sein, Rüttgers aber nicht? Wie hätter berger ein so enger Vertrauter des Rüttgers sein können, wenn Rüttgers selbst ein Saubermann wäre?
"Wie der Herr, so dass Gescherr!" kann man auch umdrehen: ""Wie das Gescherr, so der Herr!"
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