Botschaft an Sarkozy
Merkel pocht auf EZB-Unabhängigkeit

Klara Ansage an Frankreichs Präsident Sarkozy: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank verteidigt. Es gebe keinen Grund dafür, die Regeln zur EZB-Unabhängigkeit zu ändern, sagte Merkel bei einem Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Bundesbank. Doch Sarkozy stichelt schon wieder.

HB FRANKFURT. Deutschland werde alle Versuche abblocken, die Unabhängigkeit der Zentralbank zu schmälern, sagte Merkel. Diese sei ein zentrales Element für stabile Preise.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte während der jüngsten Finanzmarktturbulenzen die EZB attackiert. Diese habe Geld in die Märkte gepumpt und nicht den Leitzins gesenkt. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte die Vorwürfe scharf zurückgewiesen.

Auch am Donnerstag sparte Sarkozy nicht mit Seitenhieben Richtung EZB. Er forderte die Währungshüter auf, sich an der Zinssenkung der US-Notenbank Fed ein Beispiel zu nehmen. „Trichet, sage ich ... schauen Sie sich an, was die anderen machen“, sagte Sarkozy am in einem Fernseh-Interview. Er wolle EZB-Chef Trichet aber nicht kritisieren und unterstütze die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank.

Die Fed hatte angesichts der Kreditkrise am Dienstag die Zinsen gesenkt. Die EZB ließ zuletzt ihren Leitzins dagegen unverändert. Dies hatte Sarkozy in den vergangenen Tagen moniert. Die EZB habe Milliarden in die Märkte gepumpt und nicht den Leitzins gesenkt. Damit habe die EZB nur den Spekulanten das Leben leichter gemacht, während Unternehmen belastet worden seien, lautete sein Vorwurf.

Mit Blick auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) indes erneut mehr Transparenz. „Die Europäische Union soll dafür eintreten und Sorge tragen. Dies schließt auch die Arbeit von Ratingagenturen und einen Verhaltenskodex für Hedge-Fonds ein“, sagte Merkel bei dem Bundesbank-Festakt. Die Kanzlerin lobte die Rolle der Bundesbank als ordnungspolitischer Mahner. Die Währungshüter hätten schon lange auf die Risiken an den internationalen Märkten hingewiesen. „Ich ermuntere Sie: Bleiben Sie ihrer Linie treu“, sagte die Kanzlerin vor 250 geladenen Gästen.

Die Unruhe an den Finanzmärkten infolge der US-Immobilienkrise wäre nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank ohne den Euro viel stärker ausgefallen. „Sie hätten viel größere Auswirkungen gehabt und wären begleitet gewesen von Turbulenzen an den Devisenmärkten“, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%