Bräunlich und Nitzschke
Leipzig feiert Freilassung der Irak-Geiseln

99 Tage waren die beiden Leipziger Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke in Geiselhaft. Am Dienstag wurden sie freigelassen. In ihrer Heimatstadt läuteten die Glocken der Nikolaikirche. Bei all der Freude gerät die Frage nach den Umständen der Freilassung erstmal in den Hintergrund.

BERLIN/LEIPZIG. Den beiden Leipzigern gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. wo er sich im Rahmen einer Südamerika-Reise aufhält. Nach mehr als drei Monaten unter menschenunwürdigen Bedingungen befänden sich die beiden Männer „jetzt in sicherer deutscher Obhut im Irak“.

Der 32-jährige Bräunlich und der 28-jährige Nitzschke aus Leipzig und Umgebung waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi von bewaffneten Männern verschleppt worden. Sie sollten im Auftrag des Anlagenbauers Cryotec aus Bennewitz bei Wurzen eine technische Anlage in einer Raffinerie errichten und an die Iraker übergeben.

Leipzig freut sich auf die Rückkehr der Entführten. Am Mittwoch sollen sie mit einem Sonderflug um 14 Uhr in Berlin landen und später in ihre Heimatstadt zurückkehren. Der Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, plant für Montag einen Dankgottesdienst. Wie die Stadt die Freigelassenen empfangen wird, sei noch offen, sagte ein Stadtsprecher in der Nacht zum Mittwoch. Wann genau die Techniker in Leipzig eintreffen, ist ebenfalls unklar.

Vor der Leipziger Nikolaikirche feierten am Dienstagabend zahlreiche Menschen erstmals wieder ausgelassen. Dort, wo in den vergangenen Monaten mit insgesamt 27 Mahnwachen den Entführten gedacht worden war, knallten Sektkorken, wurden Feuerwerkskörper gezündet und Blumen niedergelegt. Pfarrer Führer, sprach von einem „ungeheuren Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit“. Als Zeichen der Freude ließ er die Glocken der Kirche in der Leipziger Innenstadt läuten.

Hintergründe über die Umstände der Freilassung wurden zunächst nicht bekannt. Auch Fragen nach Lösegeldzahlungen und der Identität der Entführer blieben unbeantwortet. Man müsse verstehen, dass er „über konkrete Details naturgemäß nichts sagen“ werde, erklärte Außenminister Steinmeier am Dienstagabend in den ARD- „Tagesthemen“. Er wisse seit 13 Uhr deutscher Zeit von der Freilassung, sagte der SPD-Politiker.

Mit großer Freude und Erleichterung reagierten Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Vertreter aller Parteien auf die Freilassung. Köhler erklärte: „Unsere Gedanken sind bei Thomas Nitschke und René Bräunlich. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie das Leid, das sie erfahren haben, rasch überwinden.“ Der Bundespräsident erinnerte an die Belastungen der Angehörigen. „Ihre Erleichterung muss unermesslich sein.“ Merkel dankte dem Krisenstab des Auswärtigen Amts. „Und ich möchte den Familien und den vielen Menschen in Deutschland und ganz besonders auch den Menschen in Leipzig dafür danken, dass sie nie die Geiseln vergessen haben.“

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