Branche fürchtet Image-Schaden durch Gerster-Affäre: Berater bauen Geschäft mit dem Staat aus

Branche fürchtet Image-Schaden durch Gerster-Affäre
Berater bauen Geschäft mit dem Staat aus

Vater Staat ist als Kunde für die Beraterbranche in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden.

fmk/tel DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Auf kommunaler und Landesebene sind mittlere und kleinere Beratungsunternehmen schon seit Anfang der 90er-Jahre aktiv, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Unternehmensberater, BDU. Mit dem zunehmenden Bedarf, auch auf Bundesebene die Strukturen effizienter zu gestalten und Strategien für die Zukunft zu entwickeln, sind die großen Managementberatungen wie McKinsey, Roland Berger und Co. ins Geschäft gekommen.

Der Umsatz für Beratungsprojekte für öffentliche Auftraggeber erhöhte sich laut BDU-Statistik von 750 Mill. Euro 1997 auf 1,1 Mrd. Euro im Jahr 2002. Am Gesamtumsatz der Beraterbranche macht dieser Bereich allerdings nahezu gleich bleibend um die neun Prozent aus. Auch wenn die Honorare von öffentlichen Projekten oft unter dem Branchendurchschnitt liegen – die Attraktivität von öffentlichen Projekten liegt laut BDU-Geschäftsführer Christoph Weyrather darin, dass sie oft größer sind als die aus der Industrie. Das lastet die Kapazitäten aus, insbesondere wenn wie in den vergangenen Jahren die Nachfrage aus der Industrie schwächelt.

Die Diskussion um Gersters Beraterverträge schadet der Beraterbranche: BDU-Präsident Remi Redley findet es logischerweise auch nicht akzeptabel, dass eine Diskussion mit Worten wie „Vergabesumpf“ und „Beratungsfilz“ zu Lasten einer ganzen Profession geht. Die Herausforderung, die Staatsstrukturen zu reformieren, könne nur mit zusätzlicher, externer Expertise bewältigt werden, so Redley. Dagegen gibt aber auch einzelne Experten, die die externe Beratung von öffentlichen Institutionen für überflüssig halten. Hans Herbert von Arnim, Professor für Haushaltsrecht an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, sagt, dass die Politik Posten in der öffentlichen Verwaltung nach Parteibuch statt nach Kompetenz besetze. Und erst dies habe zu der „bemerkenswerten Konjunktur“ der Berater geführt habe.

Auch wenn die Berater von dieser Konjunktur profitieren, empfinden sie die lukrativen Aufträge aus der Verwaltung oft als unbefriedigend. Die Kompetenz der Berater sei willkommen, heißt es aus Branchenkreisen, doch Transparenz wolle in den Behörden kaum einer. Zu wichtig sei es, Posten nach den Kriterien des Dienstalters und der Parteizugehörigkeit besetzen zu können. Je undurchsichtiger, desto besser: Fehler von Politik und Spitzenbeamten sollten nach Möglichkeit nicht auffallen. Das galt auch für die alte Bundesanstalt für Arbeit. Für die Branche war Florian Gerster ein Lichtblick: Vor seinem Amtsantritt sei es nur möglich gewesen, einzelne Abläufe zu verbessern, gegen Klarheit und umfassende Effektivität jedoch hätten sich die Apparate gewehrt. Gersters Entscheidung, seine Bürokratie zu einem Management umzubauen, erschien den Beratungsfirmen als Chance, nun auch in einer öffentlichen Institution etwas verändern zu können.

Für den Verwaltungsrechtler von Arnim würde im Fall von Roland Berger aber auch eine korrekte Ausschreibung nicht ausreichen. Juristisch gesehen gebe bei öffentlichen Aufträgen schon der „böse Schein“ den Ausschlag: „Berger hat in der Hartz-Kommission Vorschläge gemacht, die sich ohne externe Berater nicht umsetzen lassen“, lautet sein Vorwurf. Berger hätte sich nach Ansicht von Arnims nicht bei den Ausschreibungen bewerben dürfen.

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