Branche spricht von „fairem Kompromiss“
Politik kappt Steuerprivileg für Lebensversicherungen

Die Erträge aus Lebensversicherungen werden künftig bei der Auszahlung zum Teil besteuert. Die Pläne der Bundesregierung, die Erträge voll zu besteuern, sind vom Tisch. Die Versicherungsbranche reagierte überwiegend erleichtert. Die Aktien deutscher Versicherer legten zu.

cd/kk/rl/asr/dri DÜSSELDORF. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beschloss, dass bei Lebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen werden, die Erträge zur Hälfte besteuert werden. Bedingung ist, dass die Auszahlung ab einem Alter von 60 Jahren erfolgt und bei mindestens zwölfjähriger Vertragslaufzeit mindestens fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt wurden. Altverträge und Verträge, die bis Ende 2004 abgeschlossen werden, sind von der geplanten Neuregelung nicht betroffen. Sie bleiben steuerfrei, wenn die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt. Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass sich bis zum Ende des Jahres die Zahl der abgeschlossenen Lebensversicherungspolicen noch deutlich erhöhen wird, da sich viele Kunden die steuerlichen Vorteile noch sichern wollen.

Die Bundesregierung hatte geplant, die Erträge aus Lebensversicherungen voll zu besteuern. Allerdings sollten die Erträge fiktiv auf fünf Jahre verteilt werden, um den Progressionseffekt zu mildern.

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hieß es, der Beschluss sei eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Plänen. Eine Sprecherin des Marktführers Allianz Leben sagte, nun gebe es Klarheit für die Kunden und die Branche. Die Lebensversicherung bleibe damit ein wichtiges Angebot für die private Altersvorsorge. Zurückhaltend äußerte sich dagegen Karl Panzer, Chef der Lebensversicherung von 1871 in München: „Das ist kein besonders guter Tag für die Lebensversicherung.“

Regierungsberater Bert Rürup zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Lebensversicherungen werden nun im Prinzip mit Investmentfonds gleich behandelt“, sagte Rürup dem Handelsblatt. Der Wirtschaftsweise hatte als Chef einer von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission die Blaupause für das Alterseinkünftegesetz geschrieben. Es strebt eine steuerliche Gleichbehandlung aller Kapitalanlageprodukte an. Außerdem setzt es die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach Gleichbehandlung von Renten und Beamtenpensionen um.

Die Interessenvertretung der selbstständigen Vermittler hatte sich bis zuletzt bemüht, das volle Steuerprivileg für Lebensversicherungen zu erhalten. Wie Ulrich Brock, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), dem Handelsblatt sagte, sei man jedoch froh, dass überhaupt eine Entscheidung gefallen sei. „Der Kompromiss ist fair“, sagte Friedrich Ganz, Inhaber der Artus-Gruppe, die zu den zehn größten Versicherungsmaklern in Deutschland gehört.

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