Brandbrief vom Steuerzahlerbund
ARD und ZDF sollen Kosten offen legen

Der Streit um die neue GEZ-Gebühr brachte ARD und ZDF in die Defensive. Trotzdem verschweigen die Sender immer noch, wofür das Geld ausgegeben wird. Jetzt hat sich der Steuerzahlerbund eingeschaltet.
  • 57

BerlinDer Bund der Steuerzahler hat die Verschwiegenheit der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in eigenen Finanzierungsfragen scharf kritisiert und die ARD-Spitze zum Handeln aufgefordert. „Wir  haben einen detaillierten Zehn-Punkte-Plan für mehr Transparenz erarbeitet und dem ARD-Generalsekretariat übermittelt“, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel Handelsblatt Online. Er begründete dies mit dem „Rechtfertigungsdruck“, dem sich die Öffentlich-Rechtlichen ausgesetzt sähen und der sich infolge des neuen Rundfunkbeitrags „ungemein erhöht“ habe. „Daher ist kaum verständlich, dass die Rundfunkanstalten in eigenen Finanzierungsfragen bislang so verschwiegen reagieren.“

Auch wenn die ARD sich nun verstärkt um Transparenz bemühe, bestehe noch Handlungsbedarf. „So sollte der Gebührenzahler wissen, was ihn zum Beispiel eine Sendeminute seiner Lieblingssendung oder der Nachrichten kostet oder wie teuer die TV-Rechte für Spielfilme und Sportveranstaltungen waren“, sagte Holznagel.

Konkret fordert der Steuerzahlerbund in dem Handelsblatt Online vorliegenden Zehn-Punkte-Plan, der der ARD-Spitze vor kurzem zugeleitet wurde,  die „Veröffentlichung vergleichbarer Vermögens-, Ertrags- und Aufwandsrechnungen, möglichst sortiert nach Rundfunkanstalt, TV- und Hörfunkbereich“. Besonderes Augenmerk solle dabei etwa auf Personal- und Altersvorsorgeaufwendungen, Digital- und Onlineaufwendungen und spartenbezogene Programm- und Programmverbreitungsaufwendungen gelegt werden.

Darüber hinaus sollten jährlich in einem Jahrbuch ressort- und senderbezogene Budgets offen gelegt werden, ebenso die Kosten der TV-Rechte, vor allem von Sportveranstaltungen und Spielfilmen. Auch bei Sponsoring- und Werbeverträgen hält der Steuerzahlerbund volle Transparenz für sinnvoll. Dasselbe gilt für die Vereinbarung von Vertragsklauseln zwischen Sendern und Produktionsfirmen, die eine Offenlegung von Produktions- und Sendekosten erlauben.

Der Verband rät der ARD zudem zur Einführung eines Verhaltenskodex – ähnlich dem Code of Practice der britischen BBC, „um eine wettbewerbskonforme Auftragsvergabe an verbundene Produktionsfirmen zu gewährleisten“. Sinnvoll sei zudem, parteilichen und staatlichen Einfluss in den Rundfunkräten zurückzudrängen. 

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Brandbrief vom Steuerzahlerbund: ARD und ZDF sollen Kosten offen legen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist viel zu teuer mit monatlich knapp 18 Euro, mit ca 10-12 Euro wär ich noch einverstanden. Ich würde auch auf Bundesligaübertragungsrechte und all den Mist verzichten, warum soll die Öffentlichkeit diesen Gehälterwahnsinn beim Fussball finanzieren durch die abartig hohen Übertragungsrechte.

  • Wenn man bedenkt, dass die GEZ-Gelder von den Mitarbeitern u.a. für (private) Taxifahrten, 1. Klasse Bahn-/ Flugreisen, gehobene Hotelunterbringng und Restaurants und für Werbung für Musik-/ Verlagsindustrie ....miss- / gebraucht werden, dann bin ich nicht bereit dieses üble treiben und schlechte Fernsehformat mitzutragen und erst recht nicht, wenn ich zu einer Gebühr verdonnert werde. Boykottiere die Schmonzetten/ Depri/ üble "Verkaufs"talkshows etc. auf den diversen Kanälen schon lange...und Selbstvergewisserungs- und Gewissensberuhigungs-TV für die ferngesteuerte Masse will ich auch nicht unterstützen. Höchstens einige wenige Reportagen und Precht stechen hervor und leider ist alles andere Schrott genauso wie die viele der Privatsender...


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%