Brandkatastrophe in Ludwigshafen
Alte deutsch-türkische Konflikte brechen auf

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland stehen seit der Ludwigshafener Brandkatastrophe vor einer neuen Belastungsprobe. Regierungschef Erdogan will bei seiner Viste für Entspannung sorgen - viele Medien am Bosporus heizen die Stimmung jedoch an.

BERLIN. Die Bürger in Ludwigshafen sind wütend, traurig und haben viele offene Fragen. Die Feuerwehrleute wurden als „Mörder“ beschimpft, geschlagen und bespuckt. Der Vorwurf: Sie seien zu langsam gewesen. Türkische Medien heizen die Spekulationen über einen rechtsextremen Hintergrund der Brandkatastrophe an.

In dieser aufgewühlten Stimmung stehen der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan und SPD-Chef Kurt Beck am Donnerstagabend vor dem ausgebrannten Haus, in dem neun türkischstämmige Menschen starben.

Der türkische Regierungschef ist sichtlich bemüht, die Stimmung nicht weiter anzuheizen. Ausdrücklich dankt Erdogan den deutschen Rettungskräften für ihren Einsatz: „Wenn es das große Engagement der Polizei und Feuerwehr nicht gegeben hätte, wäre der Schmerz noch größer gewesen.“ SPD-Chef Beck und er legen einen Kranz vor dem Brandort nieder. Beck äußert die Hoffnung, dass dieser Besuch die Gemüter beruhigen werde. Lale Akgün, Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, sagt dagegen, Erdogan nutze die Brandkatastrophe auch zur innenpolitischen Profilierung. Er stehe in der Türkei unter erheblichem Druck, weil er das Kopftuch an den Universitäten zulassen wolle.

Doch die Sache ist weitaus komplizierter, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht nur bei seinem Besuch in Ankara in dieser Woche feststellen musste. Bei dem von ihm ins Leben gerufenen Integrationstreffen mit muslimischen Verbänden in Berlin kommen die Punkte auf den Tisch, die für erhebliche Verstimmungen zwischen beiden Ländern sorgen.

Schäuble will über die Imamausbildung, fehlende Sprachkenntnisse, doppelte Staatsbürgerschaft reden. Doch die Forderungen erzeugen Misstrauen. Die aufgesplitterten muslimischen Verbände, die sich immer noch nicht auf einen Vertreter ihrer Interessen einigen konnten, halten Schäuble das neue Zuwanderungsgesetz entgegen, das ihrer Meinung nach den Familiennachzug erschwert.

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