Brasilianischer Aufschwung
Deutsche Industrie hofft auf Milliardengeschäfte

Die deutsche Industrie will von den bevorstehenden sportlichen Großereignissen in Brasilien massiv profitieren: Da das größte südamerikanische Land 2014 die Fußball-WM und zwei Jahre später die Olympischen Spiele ausrichtet, wird die Regierung in den nächsten Jahren rund 200 Mrd. Euro in die Infrastruktur des Schwellenlandes investieren.
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BERLIN. Damit deutsche Firmen bei den zu erwartenden Großaufträgen zum Zuge kommen können, unterzeichneten beide Regierungen beim Besuch des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva jetzt mehrere Rahmenabkommen. „Wir wollen eine wirtschaftliche Kooperation beim Ausbau der Infrastruktur“, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wird im Februar 2010 mit einer Wirtschaftsdelegation nach Brasilien reisen.

Bei einer Runde mit Wirtschaftvertretern im Kanzleramt lud Lula deutsche Firmen ausdrücklich ein, sich an den bevorstehenden Ausschreibungen für Projekte etwa in den Bereichen Energie, Verkehr und Häfen zu beteiligen, die allein ein Volumen von 60 Mrd. Dollar haben sollen. An der Runde nahmen Vertreter der Konzerne Siemens, Thyssen-Krupp, SAP, Fraport und EADS teil. Sie drangen darauf, dass beide Länder ein neues Doppelbesteuerungsabkommen abschließen und Brasilien das vorliegende Investitionsschutzabkommen endlich ratifiziert.

Heute wird Lula zusammen etwa mit Siemens-Chef Peter Löscher und Bahn-Chef Rüdiger Grube mit dem ICE nach Hamburg reisen, um an einem deutsch-brasilianischen Wirtschaftstreffen teilzunehmen. Die auch von Merkel hervorgehobene Zugfahrt ist nicht ohne Hintergedanken: Deutsche Firmen rechnen sich gute Chancen aus, wichtige Aufträge beim Projekt der geplanten 400 Kilometer langen Schnellbahnverbindung zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro zu erhalten.

Merkel und Lula stimmten sich auch zum bevorstehenden Uno-Klimagipfel ab. Differenzen gibt es beim Umgang mit dem iranischen Atomprogramm. Während Merkel erneut mit Sanktionen drohte, hatte Lula vor wenigen Tagen Irans Präsidenten empfangen und warb nun dafür, statt auf Sanktionen lieber auf weitere Verhandlungen zu setzen. Iran habe dasselbe Recht auf eine eigene Urananreicherung wie Brasilien, müsse aber völlig transparent vorgehen.

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