Breites Aktionsbündnis
Neuer Vorstoß für „Reichensteuer“

Es ist nicht der erste Versuch, die „Reichen“ stärker zur Kasse zu bitten. Aus Sicht eines Bündnisses ist die Zeit endlich reif: Explodierende Schulden und Sparorgien erforderten eine Umverteilung von oben nach unten.
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BerlinEin Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und Nicht-Regierungsorganisationen hat angesichts rasant wachsender Staatsschulden einen neuen Vorstoß für eine stärkere Besteuerung von „Reichen“ gestartet. Gefordert wird eine dauerhafte Wiedereinführung der Vermögensteuer sowie eine einmalige Vermögensabgabe. Das am Freitag in Berlin vorgestellte Aktionsbündnis spricht sich zudem für eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen, großer Erbschaften, finanzstarker Unternehmen sowie von Kapitalerträgen aus.

Konkrete Steuersätze nannten die Initiatoren nicht - hier gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Die Vertreter des „Bündnisses Um-fair-teilen - Reichtum besteuern“ betonten jedoch, es gehe um einen breiten Konsens, damit die Staatskassen saniert und der Sozialstaat gesichert werde. Auch solle in den nächsten Wochen eine breite Bewegung für ein grundsätzliches Umsteuern gestartet werden.

Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, sagte: „Die Zeit ist reif für Umverteilung“. Er sieht wachsende Unterstützung auch in der Politik. Solange Deutschland ein Steuerparadies für Vermögende, Erben und Spekulanten sei, seien der Sozialstaat und seine Handlungsfähigkeit bedroht.

Aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtverbandes steht Deutschland vor einem Scheideweg. Das Sozialstaatsmodell drohe angesichts massiver Kürzungen im Zuge von Euro-Krise und Schuldenbremse zu scheitern, sagte der Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Jutta Sundermann vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac forderte: „Wir brauchen endlich eine ehrliche Debatte über die Kosten der Krise und eines funktionierenden Sozialstaats auf der einen Seite und die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der anderen Seite.“ Der öffentlichen Armut in Deutschland stehe ein Privatvermögen von über acht Billionen Euro gegenüber. Bund, Länder und Kommunen stehen inzwischen mit mehr als zwei Billionen Euro in der Kreide.

Erst kürzlich hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dafür plädiert, die hohen Staatsschulden mit Zwangsanleihen und Vermögensabgaben zu finanzieren. Zur Kasse gebeten werden sollten Bürger mit einem Vermögen ab 250.000 Euro. Eine zehnprozentige Abgabe würde dem Fiskus laut DIW 230 Milliarden Euro bringen.

Von SPD und Grünen geführte Bundesländer wollen nach der Sommerpause einen Gesetzentwurf zur Einführung der Ende der 1990er Jahre abgeschafften Vermögensteuer in den Bundesrat einbringen. Sie soll Einnahmen von jährlich acht bis zehn Milliarden Euro bringen. SPD, Grüne und Linke im Bundestag treten ebenfalls für eine stärkere steuerliche Belastung von Top-Verdienern und Vermögenden ein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bin mal gespannt, wer alles als reich gilt. Bestimmt auch die, die als Altersvordorge eine kleine Hütte haben. Ich erinnere mich noch dunkel an die Zählung aller Immobilien mit Zensus im letzten Jahr mit Angabe der Toilettenbecken usw. Zur Absicherung von neuen Schulden sind Grundbücher übers Wochenende mal schnell belastet wenn es sein muss, siehe ESM Statuten hierzu. In D darfst Du nichts haben, dann lassen Dich alle in Ruhe.

  • Sehe Hartz-IV ernsthaft in Gefahr!

    Bei all diesen Neiddiskussionen werden in Zukunft nur noch nicht Zurechnungsfähige und Geisteskranke das Risiko der Selbständigkeit auf sich nehmen. Der einzige Job ohne jedes wirtschaftliche Risiko ist der des selbst für grobe Fehler von jeder Haftung befreiten Berufspolitikers. Wer außerhalb dieser Sparte Ideen und Fähigkeiten hat, wird die Firmengründung im Ausland vollziehen. Die Bürger unseres Staates bekommen den Lohn ihrer Wahl. Wenn alle Leistungsträger und Firmen im Ausland sind oder wie bereits jetzt zahlreiche nach Fernost verkauft wurden, lassen langfristig die Steuereinnahmen nach und irgendwann wird nicht mehr die Frage sein wie hoch notwendige Sozialleistungen ausfallen sondern ob sie noch gezahlt werden können.

    Es bleibt nichts zu tun als abzuwarten, das Volk wählt seine Regierung und seinen Untergang selber, schließlich leben wir ja schon lange genug auf dem Verschwendungszenit.


  • @987 erst denken dann schreiben. Wir können eine Menge an Institutionen in Deuschland abschaffen. Wir brauchen keinen militärischen Abschirmdienst. Wir brauchen keine Autobahnämter und wir brauchen keine 600 Bundestagsabgeordnete. Es reichen 300 Abgeordnete. Wir können die Beamtenschaft und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in allen Deutschen Ämtern um 50% reduzieren und niemand würde eine schlechtere Leistung des Staates erhalten. Innerhalb von 10 Jahren wäre der Bund und die Länder schuldenfrei.

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