Brief des Bahnchef sorgt für Eklat
Stolpe macht sich für Mehdorn stark

In der politischen Auseinandersetzung über die Probleme der Bahn hat sich Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Donnerstag hinter den Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, gestellt. Die Rufe nach einem Rücktritt von Mehdorn werden indes lauter.

HB BERLIN. Es sei jetzt klar, dass ein früher Börsengang im Sommer 2006, den Mehdorn zunächst gegen alle Warnungen der Politiker durchsetzen wollte, „eher Wunschdenken sei“, sagte Stolpe am Rande der Haushaltsausschuss-Sitzung des Bundestages. „Wir bleiben aber bei dem Projekt.“

Zur Frage, ob Mehrdorn als Chef der Bahn noch zu halten sei, betonte der Minister: „Aber ganz sicher.“ Mehdorn habe den jetzt mit dem Aufsichtsrat abgestimmten Aufschub des Börsengangs doch mitgetragen. Er habe Verständnis dafür, dass der erfahrene Manager habe „Druck im Kessel“ halten wollen, um die wirtschaftlichen Bedingungen des Unternehmens zu verbessern.

Parlamentarier von Grünen, Union und FDP haben Bahnchef Hartmut Mehdorn indes zum Rücktritt aufgefordert. Hintergrund ist ein jetzt bekannt gewordener Brief von Mehdorn an den Industriepräsidenten Michael Rogowski vom 29. März dieses Jahres. Darin attackiert Mehdorn nicht nur BDI-Geschäftsführer Carsten Kreklau, sondern auch die verkehrspolitischen Sprecher Dirk Fischer (CDU), Horst Friedrich (FDP) und Albert Schmidt (Grüne).

Fischer und Friedrich erklärten nach einer Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses, es wäre besser, „wenn Mehdorn ginge“. Schmidt sagte: „Hier disqualifiziert sich jemand selbst. Das ist nicht geeignet, um das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Parlament und der Bahn wieder herzustellen.“ Der Brief von Mehdorn sei ihnen gerade erst bekannt geworden. Unmittelbar zuvor hatte sich Verkehrsminister Manfred Stolpe hinter Mehdorn gestellt und dessen Ablösung zurückgewiesen.

Mehdorn hatte sich in seinem Brief bei Rogowski darüber beschwert, dass diese drei Politiker zu der jüngsten verkehrspolitischen Tagung des Industrieverbandes eingeladen worden waren. „Heute find ich in der Post die beiligende Einladung von BDI und DIHK, deren Besetzung bösartiger nicht mehr sein kann. Du wolltest mir nicht glauben, welch Geistes Kind Herr Kreklau ist“, heißt es in dem damaligen Schreiben. „Ein besseres Beispiel hätte ich Dir kaum nennen können.“ Weiter heißt es: „Die Herren Friedrich, Fischer und Schmidt äußern sich im Drei-Tages-Rhythmus als sog. Verkehrsexperten polemisch gegen mich und die Bahn. Was die Herren an diesem Tag sagen werden, ist bekannt. Eure gesamte Veranstaltung wird wieder von der üblichen Miesmacherei gegen die Bahn geprägt sein und ihre Zerschlagung zum Ziel haben.“

Der Verkehrsausschuss des Bundestages hatte am Morgen seine Beratungen über die Entwicklung bei der Deutschen Bahn ohne Stolpe und Bahnchef Hartmut Mehdorn aufgenommen. Mehdorn habe andere Verpflichtungen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Reinhard Weis. Stolpe wurde von seinem Staatssekretär Ralf Nagel in der Sondersitzung des Ausschusses vertreten. Von der Bahn ist kein Vertreter erschienen.

Weis und der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Eduard Oswald (CSU), äußerten sich zufrieden über die jüngste Entscheidung des Aufsichtsrates, den von Mehdorn bereits für Sommer 2006 angestrebten Börsengang der Bahn aufzuschieben. „Das ist glücklicherweise vom Tisch“, sagte Oswald. Jetzt gehe es darum, die Rahmenbedingungen für das Unternehmen zu verbessern, bevor es zum Börsengang komme.

Nachdem der Börsengang der Deutschen Bahn AG am Mittwoch verschoben worden war, hatte die Union massive Zweifel an der Zukunft Mehdorns angemeldet und eine Ablösung des Bahnchefs nicht ausgeschlossen. In Regierungskreisen hieß es aber, man sehe Mehdorn durch die Absage an den Börsengang-Termin 2006 nicht beschädigt. Mehdorn selbst machte deutlich, dass er das Unternehmen weiter führen und kapitalmarktfähig machen wolle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%