Brisante Doping-Studie
Nord-SPD-Chef will Doping per Gesetz verbieten

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat die brisante Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Die SPD sieht sich in ihren Befürchtungen bestätigt und fordert Konsequenzen.
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DüsseldorfNach den Enthüllungen über systematisches Doping in der Bundesrepublik hat sich der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, für harte Konsequenzen ausgesprochen. "Ich bin für ein gesetzliches Doping-Verbot und auch für empfindliche Strafen für alle, die von Doping zu profitieren versuchen, also keineswegs nur für Sportler, sondern auch Ärzte und Verkäufer", sagte Stegner Handelsblatt Online. In schweren Fällen könne das auch eine Haftstrafe sein. "Nur so ist fairer Sport möglich, der Fans begeistert und ethischen Grundsätzen entspricht", betonte das SPD-Bundesvorstandsmitglied.

Ein Doping-Verbot empfehlen auch die Wissenschaftler der Humboldt-Universität, durch deren Studie am Wochenende bekannt wurde, dass der Staat in den 1970er Jahren Versuche zur Erforschung von leistungssteigernden Substanzen über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanzierte. Die Studie legt den Schluss nahe, dass die Politik Doping nicht nur gebilligt, sondern auch gefördert habe.

Zu einem möglichen Doping-Verbot schreiben die Experten in ihrer Untersuchung: "Doping-Verbot durch ein Gesetz sowie die Berücksichtigung des Aspektes des Verstoßes gegen die „guten Sitten“ ist ein unerlässlicher, zeitnah zu implementierender Schritt. Die ausdifferenzierte Definition der Strafbarkeit des Athleten gehört hinzu."

Der sportpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Joachim Günther, sieht ein mögliches Doping-Verbot skeptisch. Ein Verbot sei zwar im Prinzip richtig. Allerdings müssten weltweit alle Länder dazu bereit sein, „sonst ist Deutschland isoliert“, sagte Günther Handelsblatt Online. „Ich erwarte, dass internationale Spitzenverbände wie das IOC oder die Fifa als Vorbilder vorangehen, einheitliche Anti-Doping-Regeln schaffen, die die Länder dann umsetzen müssen.“ Um den Druck zu erhöhen, müsse es Sanktionen geben. „Länder, die sich nicht an die Richtlinien der großen Verbände halten, müssen von internationalen Sportveranstaltungen ausgeschlossen werden.“

Am Montag war der Abschlussbericht der Humboldt-Uni über die Doping-Vergangenheit in der BRD veröffentlicht worden. Er hat das Bild einer staatlich geduldeten und von Steuergeldern finanzierten Doping-Forschung seit 1970 bestätigt.

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  • Nach anfänglichen Problemen mit den Datenschützern könnte die überraschend sehr schnelle Veröffentlichung der dreiteiligen Studie, ohne Nennung der vollständig beteiligten Namen, „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ in den letzten Stunden eines der der meistgelesenen Online- Artikel gewesen sein, obwohl Insider der Szene den Inhalt schon vorab kannten. Im Nachhinein wird ein regelrechter Kampf ausbrechen, wobei bisher unberührte Schandtaten in beiden Richtungen des waagerechten Fadenkreuzes bis in das Letzte mit Sicherheit beleuchtet werden. Nach dem eigentlich schon bekannten Motto, „überholen, ohne einzuholen“ hat die auf die Verliererstraße geratene „alte“ Seite versucht, mit allen möglichen Mitteln Boden gut zumachen.Es wäre aber sehr fair, nicht alle über einen Kamm zu scheren, weil das nicht alle wollten!! Jetzt sollten Namen, ohne Ansehen der Person, genannt werden, die als direkte Täter oder Mitwisser infrage kommen, mit unlauteren Mitteln gefälschte Ergebnisse erreicht zu haben.

    In einer Gemeinschaftsarbeit zwischen Titelanwärtern, die plötzlich von „Tätern“ zu „Opfern“ wurden und Persönlichkeiten aus dem deutschen Sport, der Politik und der Medizin hat man fälschlicherweise jahrelang nicht nur gegen die fürchterlichen Dopingpraktiken anderer Länder angekämpft, sondern haben diese mit zugeschusterten Steuergeldern selbst näher kennen gelernt und sogar übernommen! Es ist dabei sehr interessant zu wissen, dass nicht nur auf dem Rasen, Tartanbahnen, Matten, im Wasser oder sonst wo gekämpft wurde, sondern auch in den oberen Etagen der (westlichen) Politik und Medizin, nämlich Betrug: ja oder nein..?

    Die namentlich zu benennenden „Überführten“, die diese schlimmen Maßnahmen anzettelten, sollten mit hohen persönlichen finanziellen Summen gerichtlich „verdonnert“ werden, sich an der kaum wieder zu erreichenden gesundheitlichen Normalität der richtig gescheiterten „Versuchskaninchen“ aus beiden Teilen unseres Landes zu beteiligen!

  • Herr_schmeiss_Hiere_ra
    Ja, es ist scho merwürdig, was von den Ost-Unis alles kommt und usnre dämlichen Politiker fahren sofort voll darauf ab

  • Eine Studie der DDR-Uni Humboldt-UNiv.Berlin weist der BRD systematisches Doping nach: Der Arm der STASI ist länger als ich für möglich gehalten habe und unsere "quasi gleichgeschalteten Medien" schlucken diese Geschichte kommentarlos! Wann wird "Tag Herr Nachbar" wieder durch "Genosse Nachbar" und "Chemnitz" durch "Karl-Marx-STadt ersetzt?!

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