Brisante Forderung von Ministerpräsident Erdogan
„Deutschland braucht türkische Gymnasien“

Brisante Forderung von Ministerpräsident Erdogan: Der Regierungschef der Türkei dringt auf, in Deutschland türkische Bildungseinrichtungen zu schaffen. Bis dahin, so sein Vorschlag weiter, könnten türkische Lehrer und Pädagogen an deutsche Schulen entsendet werden. Eine „Assimilation“ der Türken hierzulande, lehnt er strickt ab.

HB BERLIN. „In Deutschland sollten Gymnasien gegründet werden können, die in türkischer Sprache unterrichten, und die Bundesregierung sollte darin kein Problem sehen“, forderte Erdogan bei einer Diskussion mit türkischen und deutschen Jugendlichen im Berliner Kanzleramt. Auch türkischsprachige Universitäten müsse es in der Bundesrepublik geben. „Wissenschaft kennt keine Grenzen“, sagte er zur Begründung.

Der Regierungschef bot zudem an, türkische Lehrer und Pädagogen an deutsche Schulen zu entsenden. Die Bundesregierung bat er, alles ihr Mögliche für die hier lebenden 2,7 Millionen Türkischstämmigen zu unternehmen. „Was für die Integration getan werden soll, das muss getan werden.“ Er sage aber Nein zu Assimilation. Menschen müssten in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptiert werden.

Erdogan betonte, um Deutsch sprechen zu können, müssten Migranten zuerst ihre eigene Sprache beherrschen. Dies sei bei vielen in Deutschland lebenden Kindern und Jugendlichen nicht der Fall. „Deswegen wünschen wir als Türkei, dass wir türkische Lehrer auch nach Deutschland entsenden.“ Er fügte hinzu: „Wir müssen Schritte auf diesem Gebiet tun und wollen sie tun.“ Der Ministerpräsident sprach sich zugleich dafür aus, die Ghettoisierung zu überwinden. Es müsse selbstverständlich werden, dass Türken und Deutsche in einem Haus zusammenleben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte verhalten auf Erdogans Vorschlag zur Entsendung türkischer Lehrer nach Deutschland. Ein deutscher Lehrer müsse „zu all seinen Schülern die notwendige Offenheit“ haben, sagte sie. Man könne nicht sagen, dass sich Kinder ohne Personen mit Migrationshintergrund nicht richtig entwickeln könnten. Merkel zeigte sich aber offen für den Vorschlag, Sozialpädagogen zur Unterstützung von Migranten einzusetzen. Diese könnten sich etwa bei Lernschwierigkeiten um Schüler und Eltern kümmern. „Aber für die Lehrer, für die eigentlichen Stunden, stelle ich es mir schwer vor“, fügte die Kanzlerin hinzu.

Kritik erntete Erdogan auch von der CSU. Der CSU-Politiker Hartmut Koschyk vermisst beim geplanten Redeauftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonntag in Köln deutsche Übersetzungen. „Eine öffentliche Großveranstaltung in Deutschland, die von der deutschen Öffentlichkeit nicht verstanden werden kann und soll, betont das Trennende und nicht das Miteinander“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag. „Ich rufe Ministerpräsident Erdogan zu: Es interessiert uns, was der Ministerpräsident der Türkei in Deutschland öffentlich sagt!“

Die SPD-Integrationsbeauftragte Lale Akgün kritisierte in der „Süddeutschen Zeitung“, dass für Erdogans Auftritt hauptsächlich mit Plakaten in türkischer Sprache geworben werde: „Mit solchen Dingen werden unsere jahrzehntelangen Bemühungen um Integration fahrlässig kaputt gemacht.“ Ismet Aytekin von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Erdogans Besuch in Köln organisiert, wies die Kritik zurück. „Wenn Sie Ihre Zielgruppe erreichen wollen, müssen Sie auch bereit sein, Kisuaheli zu sprechen“, sagte er. „Das schadet der Integration überhaupt nicht. Wir machen eine ganz normale Veranstaltung, bei der ein Regierungschef seine Politik vorstellt.“

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