Brown-Vorstoß abgebügelt
Ökonomen halten Weltregierung für überflüssig

Sollte sich die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer regelmäßig treffen, um über Wachstumsstrategien zu beraten? Der britische Premier Brown hält eine Weltwirtschaftsregierung für notwendig. Doch sein Wunsch dürfte beim G20-Gipfel in Pittsburgh wohl kaum in Erfüllung gehen. Selbst führende Ökonomen halten seinen Vorschlag für überflüssig.

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland lehnen die Einrichtung einer Weltwirtschaftsregierung, wie vom britischen Premierministers Gordon Brown gefordert, ab. "Die Vorstellung einer Weltwirtschaftsregierung ist sicherlich verfehlt, zumal ihr die spezifische demokratische Legitimation wie auch exekutive Befugnisse fehlen", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Warum kann das nicht der Internationale Währungsfonds (IWF) machen, der ja im Prinzip alle Länder repräsentiert?", fragte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Der Vorteil wäre, dass Frühwarnsysteme zum Teil schon existieren bzw. wohl recht schnell aufgebaut werden könnten." Zudem sei Krisenbewältigung Tagesgeschäft beim IWF. Die G20 stünden dagegen in der Pflicht, sich auf globale Regeln für die Märkte - und diesmal speziell für die Finanzmärkte - zu einigen und zu verpflichten, betonte Carstensen. "Das kommende Treffen wird zeigen, wie ernst die G20 diese Aufgabe nehmen."

Auch der Chefökonom für Deutschland bei der US-Investmentbank Goldman Sachs , Dirk Schumacher, hält den Vorschlag Browns für überflüssig. Der britische Premier hatte in einem Interview regelmäßige Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer angeregt, um über Wachstumsstrategien zu beraten. Ziel sei ein besseres System für Frühwarnung und Krisenbewältigung. Schumacher sagte Handelsblatt.com: "Mir ist nicht klar wie eine solche Weltwirtschaftsregierung aussehen könnte oder praktikabel wäre." Gleichwohl wäre seiner Ansicht nach eine bessere Koordination, besonders in Zeiten der Krise, "sicherlich wünschenswert". Er fügte allerdings hinzu: "Aber wie die letzten zwei Jahre gezeigt haben, ist eine solche Koordination schon in Europa nicht ganz einfach."

Kritisch zu Browns Vorschlag äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Kater sagte Handelsblatt.com, in vielen Institutionen, von der Welt-Handelsorganisation bis zur Welt-Klimakonferenz werde internationale Zusammenarbeit geübt. "Zu weit sollte aber die Vereinheitlichung nicht getrieben werden, denn auch bei der Wirtschaftspolitik tut der Wettbewerb verschiedener Ansätze gut." Kater wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich auch die Koordinierung der Wirtschaftspolitik auf internationaler Ebene zusehends vertieft habe. So sei die Reaktion der Staaten auf die Finanzkrise "ein Musterbeispiel intensiver internationaler Kooperation" gewesen. "Dazu wurden die Beratungsgremien schrittweise um die Länder erweitert, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Entwicklung ein ausreichend hohes Gewicht in der Weltwirtschaft erlangt haben", erläuterte der Ökonom.

IW-Chef Hüther regte an, die G20-Runde so fest zu etablieren, dass sie helfen könne, "den unweigerlich auftretenden Verwerfungen in der Welt besser zu begegnen und die zeitliche Koordination der nationalen Wirtschaftspolitik zu stärken". Zudem erscheine es hilfreich, dadurch ein gemeinsames ordnungspolitisches Verständnis zu entwickeln und damit die Rolle des Staates in der globalisierten Ökonomie konsistenter auf die Rahmensetzung und Sanktionierung zu konzentrieren.

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