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10.07.2008  | Aktualisiert 10.07.2008, 09:50 Uhr 
Serie: Standorte der Zukunft

„Brücke der Zukunft“ läutet Boom am Öresund ein

von Helmut Steuer

Die Verbindung zwischen Malmö und Kopenhagen hat sich gelohnt: Die Region boomt, auf beiden Seiten der Brücke siedeln sich Biotech- und Pharmakonzerne an. Eine Verbindung über den Fehmarnbelt soll nun Deutschland stärker anbinden.

Die Brücke hat für einen Boom gesorgt. Foto: AP Lupe

Die Brücke hat für einen Boom gesorgt. Foto: AP

STOCKHOLM. Um große Worte waren die Skandinavier nicht verlegen. "Wir wollen dem Europa der Regionen ein richtiges Gesicht geben", sagten vor acht Jahren die Regierungschefs von Dänemark und Schweden. Der Grund für ihren Optimismus: Sie eröffneten die "Brücke der Zukunft", die feste Brücken-Tunnel-Verbindung über den Öresund zwischen Kopenhagen und Malmö. Damit gaben sie den Startschuss für eine wirtschaftliche Boomphase in der Region um die beiden Metropolen herum - eine echte Erfolgsgeschichte: Seit der Brückeneröffnung sind rund 25 Mrd. Euro in die Region mit ihren 3,6 Mill. Einwohnern geflossen.

Dänemark und Schweden: BIP-Wachstum und Direktinvestitionen

Der größte Teil der Mittel ging in Infrastrukturprojekte wie den Ausbau der Autobahnen und bessere Eisenbahnanbindungen. Für die Stadtväter von Kopenhagen und Malmö hat sich das zu Beginn noch sehr umstrittene Projekt mehr als gelohnt: Vor allem Biotech- und Pharmakonzerne haben sich auf beiden Seiten der Brücke niedergelassen und rund drei Mrd. Euro investiert.

Die Bemühungen der Öresundregion, sich nach London und Paris als drittgrößtes Biotech- und Pharmaforschungszentrum zu etablieren, scheinen geglückt zu sein. Mittlerweile arbeiten im "Medicon Valley", wie die Ansammlung unzähliger Biotech-, Pharma- und Lebensmittelunternehmen auf beiden Seiten des Öresund genannt wird, mehr als 30 000 Menschen.

Inzwischen haben aber auch IT-Unternehmen die Region entdeckt. Einer der Gründe ist nach Ansicht der Handelskammer in Südschweden das außergewöhnlich gute Ausbildungsniveau in der Region: Allein zwölf Universitäten und sieben Forschungszentren mit insgesamt knapp 160 000 Studenten und 14 000 Wissenschaftlern sorgen für den hochqualifizierten Nachwuchs. Und die Lehr- und Forschungsanstalten arbeiten eng mit den Unternehmen zusammen, in den Forschungsparks Medion und Ideon in Malmö und Lund sowie CAT im dänischen Roskilde wird Entwicklungsarbeit für Unternehmen in der Region durchgeführt.

Die enge Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft hat sich ausgezahlt: Mittlerweile wird in der Region, in der 15 Prozent der gesamten Bevölkerung in Nordeuropa lebt, rund ein Viertel des addierten Bruttoinlandsprodukts Dänemarks und Schwedens links und rechts der Brücke erwirtschaftet.

Das hat sich herumgesprochen: Von den 100 größten Konzernen der Welt haben 26, also ein Viertel, ihre nordeuropäische Hauptniederlassung in der Öresund-Region angesiedelt. 1997 war es gerade einmal ein Zehntel. Konzerne wie Coca Cola, Danone, Gillette, Masterfoods und Nestlé haben sich für die Region an Europas größter Brücke entschieden. Auch die Auto-Riesen Daimler, Honda, Peugeot, Subaru und Toyota wählten die Wachstumsregion für ihre Niederlassungen.

Die Öresund-Region

"Die internationalen Konzerne sehen Nordeuropa als eine Region", sagt Anders Olshov, Direktor des Öresundsinstituts, dem von Dänemark und Schweden gemeinsam finanzierten Wirtschaftsforschungsinstituts. Und da sei der Standort um die Großstadtregionen Malmö und Kopenhagen deutlich günstiger als etwa Stockholm, Helsinki oder Oslo. Das haben auch deutsche Handelsketten wie Lidl und Hornbach entdeckt. Ihre ersten Niederlassungen wurden in der Öresundregion eröffnet.

Noch allerdings haben mittelständische Unternehmen das Potenzial der Region nicht richtig erfasst, findet man bei der deutsch-schwedischen Handelskammer. "Man sieht Nordeuropa als eine homogene Region, die es aber nicht ist. Deshalb haben die meisten deutschen Unternehmen ihre Headquarter immer noch in Stockholm", sagt Nina Lövgren, bei der deutsch-schwedischen Handelskammer für den Markteinstieg neuer Unternehmen verantwortlich.

In den vergangenen Monaten hat die schwedische Expertin allerdings ein steigendes Interesse bei deutschen Biotech- und Medizintechnikunternehmen für eine Etablierung in der Öresundregion festgestellt. "Gerade Lund und Malmö sowie Kopenhagen sind für diese Firmen interessant", sagt sie und weist auf die Logistikvorteile sowie die Nachbarschaft zu wichtigen Forschungseinrichtungen hin.

Nicht nur die großen Unternehmen hoffen jetzt, dass das hauptsächlich von Dänemark angepeilte Projekt einer festen Verbindung über den Fehmarnbelt zwischen Rödby und Puttgarden tatsächlich umgesetzt wird. Denn dann hätte man ein "Öresund 2.0", wie Heidi Avallan, Kolumnistin der größten Zeitung in der Region, Sydsvenska Dagbladet, kürzlich schrieb.

Im vergangenen Jahr einigten sich Dänemark und Deutschland auf das 5,6 Mrd. Euro-Projekt, das bis 2018 fertig gestellt werden soll. Deutschland hatte erst nach langem Zögern zugestimmt, und das auch nur, weil Dänemark nahezu die gesamte Finanzierung übernimmt. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) stellt nur rund 800 Mill. Euro für die Hinterland-Anbindung in Schleswig-Holstein zur Verfügung.

Wird der Brückenschlag realisiert, sind die Voraussetzungen für die Bildung einer noch größeren Wirtschaftsregion geschaffen: Die Stadt Hamburg hat den Bau bereits begrüßt, die Handelskammer dort rechnet mit "einem nordeuropäischen Wachstumskorridor" zwischen Kopenhagen/Malmö und Hamburg/Lübeck. Oder anders ausgedrückt: "Der Kontinent würde deutlich näher rücken", so Lövgren von deutsch-schwedischen Handelskammer in Schweden.

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