Brüderle auf Chinabesuch
Mr. Mittelstand als Türöffner in Peking

Der Besuch beim Türenhersteller Hörmann ist ein in jeder Hinsicht passender Auftakt für Rainer Brüderles Stippvisite in China. Der Bundeswirtschaftsminister will Türen öffnen – und das vor allem für Mittelständler.
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PEKING. Rote Banner mit Willkommensgrüßen in chinesischen Schriftzeichen schmücken die Werkhalle, in der auch am Sonntag lautstark gearbeitet wird. Dirk Fell referiert die Erfolge, die der traditionsreiche Türenhersteller Hörmann aus Steinhagen bei Bielefeld auf dem chinesischen Markt erzielt. Brandschutztüren und Industrietore werden hier in Peking hergestellt, in deutscher Qualität, fast ausschließlich für den Verkauf in China.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hört es sich an, nickt, will es dann aber genauer wissen. Welche Probleme sie denn so hätten, als deutscher Mittelständler mit 500 Angestellten in China?

Große Sorgen wie Produktpiraterie plagen Fell hier offenbar nicht, trotzdem fällt ihm einiges ein: Er beschreibt die Fluktuation des Personals, die willkürlichen Einschränkungen der Zufahrten während der Olympischen Spiele. Manchmal, sagt Fell, fühle man sich als Mittelständler hier der Wirtschaftszone vor den Toren Pekings nicht ganz ernst genommen. „Den Chinesen kommt es hier auf die ganz großen Namen an.“ Das soll sich endlich ändern.

„Der Mittelstand ist natürlich längst in China. Ihn noch stärker hierher zu ziehen, ist auch im Interesse der Chinesen“, sagt er. Die Wirtschaft drängte vehement auf eine baldige Reise des neuen Ministers ins Reich der Mitte, war doch schon Brüderles Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht gekommen. Von einem Abstecher in Sachen Opel nach Brüssel abgesehen, ist es Brüderles erste Auslandsreise.

Dabei warten nicht nur schöne Fototermine auf den neuen Minister. Die Chinesen freuen sich zwar über diesen ersten Ministerbesuch der neuen Bundesregierung. Sie sind aber auch verstimmt, zum Beispiel wegen der Schutzzölle, die die EU jüngst für Importschuhe aus China verlängerte. Und sie ärgern sich über Äußerungen von FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, wonach Deutschland seine Entwicklungshilfe von 70 Mio. Euro im Jahr streichen wolle.

Themen gibt es also genug für das erste politische Treffen Brüderles am Sonntagabend mit Handelsminister Chen Deming im Gästehaus der Regierung – der Entwicklungshilfestreit kommt dann allerdings doch nicht zur Sprache. Es geht um die Doha-Runde, bei der China, das 2001 der Welthandelsorganisation WTO beigetreten ist, eine entscheidende Rolle spielt. Und natürlich reden beide Seiten, am Ende länger als geplant, über Investitionen. Etwa die Hälfte des chinesischen Krisenpakets von 390 Mrd. Euro fließt in Infrastrukturprojekte und in grüne Technologie. Davon könnten gerade deutsche Unternehmen profitieren, die in Energieeffizienz und Umwelttechnik weltweit führend sind.

„Ohne China gibt es keine Fortschritte“, sagt Brüderle. Er meint die Klimakonferenz von Kopenhagen, wo sich die Chinesen bislang nicht auf allzu ehrgeizige Klimaschutzziele einlassen wollen. Der Bundeswehr-Airbus überquert den Ural, Brüderle plaudert beim Flug nach Peking mit den mitreisenden Journalisten und Managern. Nein, er habe keinen Auftrag der Bundeskanzlerin, den Chinesen die Bedeutung von Kopenhagen noch mal einzubläuen, sagt er.

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