Buchkritik „Klare Worte“ „Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“

Seite 2 von 2:
Hat er für alles eine Erklärung?

Doch während diese Einsichten in eine Vorlesung für Politik und Staatskunst Eingang finden könnten, und die persönlichen Bemerkungen zu den Kollegen im Anschluss an die Vorlesung in kleiner Runde gefallen sein könnten, gelingt es den beiden Plauderern das Gespräch mit einigem ganz Persönlichem zu würzen.

So sagt Schröder über Schröder: „Ich konnte mich immer beherrschen. Da hilft eine gute Kondition und die Erfahrung, die lehrt: Eine Provokation verlängert die Sache noch mal um eine halbe Stunde.“ Oder auf die Frage nach der wichtigsten Eigenschaft: „Sie müssen verdrängen können. Sonst können Sie bei dem, was auf Sie an gerechtfertigter, aber auch unfairer Kritik hereinbrechen kann, gar nicht überleben.“

Durch das ganze Interview zieht sich Schröders manchmal erfrischender Pragmatismus. Auf die Frage, ob ein Politiker die Wahrheit sagen muss, antwortet er: „Wenn es nicht um Tatsachen geht, sondern um Erwartungen, Einschätzungen, dann sind das ja keine Lügen, sondern es sind Fehlprognosen.“ Auch sein Umgang mit Fehlern ist entspannt: „Jeder Mensch macht sie. Ihn deswegen zu verurteilen und auf Distanz zu gehen, finde ich nicht anständig.“ Es ist diese Abgeklärtheit, die das Gespräch interessant macht, die aber einem Leser auch den letzten Nerv rauben kann: Ist denn dieser Mann durch nichts zu erschüttern? Hat er für alles eine Erklärung, die seine buddhagleiche Selbstzufriedenheit nicht aus dem Gleichgewicht bringt?

Er gibt sich jedenfalls so. Auch den inzwischen zum Kulthit auf dem Videoportal Youtube erhobenen Fernsehauftritt nach seiner Wahlniederlage gegen Merkel kann er so erklären. Klar, sei er enttäuscht gewesen. „Die Enttäuschung war sogar riesengroß.“ Dass er sie nicht eingestand, habe nur an Joschka Fischer gelegen, der auch in der Fernsehrunde saß und den er nicht öffentlich brüskieren wollte, in dem er das Bündnis mit den Grünen bereits für beendet erklärte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Buchkritik „Klare Worte“ - „Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“

6 Kommentare zu "Buchkritik „Klare Worte“: „Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Schröder hat Instinkt, enorme Wirtschaftskenntnis, Charme und alles, was der Loser Helmutchen Schmidt nicht annähernd aufzuweisen hatte.
    Warum er verprügelt wird? Fragen Sie mal die dumme Quoten-Nahles. Die ist das Gegenteil von Schröder, in allen Facetten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Zitat : „Klare Worte“ nennt sich das 238-Seiten-Interview

    - Oliver, machen Sie jetzt unlautere Werbung für das Pamphlet von Schröder ?

    Gegen die "Eigene Netiquette" zu Verstößen ist eigentlich nicht redlich....!

    Kommentare sind keine Werbeflächen

    Weder für Ihren Blog noch für Ihre Website sollten Sie in den Kommentaren Werbung machen. Auch kommerzielle Inhalte anderer Anbieter und Werbung im Allgemeinen haben in den Diskussionen nichts zu suchen.

    Wo bleibt der Radierer ?

  • Zitat: „Ohne gemeinsame Währung bleibt Europa kein starker Wirtschaftsraum.“


    Editieren
    Wenn ich so etwas lese, bzw. höre, dann kommt mir meine Nudelsuppe, von der Jugendweihe hoch.
    Fesseln können nie starkmachen. Es ist der Unterschied, das daraus resultierende Lernen voneinander und das gemeinsame Handeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%